Isch over

Die Überschrift dichtete Tom, das Foto ist von Hans Edinger. Nach 18 Jahren im Betrieb sei er zum ersten Mal für ein  selbstgemachtes Foto gelobt worden: Wenn das nicht heroisch, romantisch, dramatisch ist. Es kippt sogar.

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Ersatzverkehr

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Relativitätspraxis: Im Verhältnis zur Geschwindigkeit der Veränderungen bin ich doch eher langsam. Bescheidet ein Aufhebungsvertrag die Aufhebung oder die verragliche Bescheidung? Könnt man a Unterhösle draus schneidern, hieß es bei meiner Großmutter, die mir noch oberpeinliche Unterhosen aus Baumwollgarn strickte, wenn der Himmel einen Fleck Blau zeigte.Ja: ich habe noch handgestrickte Unterhosen getragen. Nach dem Waschen waren sie bretthart und kratzten. Das waren keine Slips, der Zackenlitzengummi klemmte weit oberhalb  der Taille.

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37 Herzen

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foodblog‘

Manche Leute kaufen das für ihre Katze. Aber wie fast alle Rezepte der Armenküche sind gebratene Hähnchenherzen köstlich. Man erstehe also ein Päckchen für ca 1,29 Euro, die abgepackten 400 Gramm enthalten heute 37, was auf ebenso viele wahrscheinlich fies, nein, daran denken wir jetzt mal nicht. Jedes der daumengroßen und auch ein wenig wie ein abgeschnittener Daumen aussehenden Herzen besteht aus feinstem Muskelgewebe, der Schlagaderschnirpsel gibt dem Biss etwas gummiartiges, die daran hängenden Fettpölsterchen lässt man in der Pfanne oder Wok gemächlich  abschmelzen, bis alle Knubbel  rundum knusprig, von mir aus gar und gerne auch fast  etwas zäh sind. Zwei rote Zwiebeln, eine Möhre, eine Scheibe Knollensellerie und zwei Handvoll Spitzkohl oder was gemäß einer weiteren Regel der gehobenen Soweto-Küche sonst halt rumliegt und weg muss. Darunter grobes Salz, schwarzer Pfeffer, Knoblauch schadet nie, muss aber nicht sein, ebenso Kreuzkümmel, Senfkörner, Majoran usw. Nur Chili muss sein, fertig.

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Verstandverleih

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Wie viel wir nicht wissen!  Wie Sandino in einer Hafenbar von Tampico auf B.Traven traf – aber das wollen wir auch nur wissen, wenn jemand wie der begnadete Patrick Deville so darüber erzählt, dass es sich halt wie ein Abenteuerroman liest, den er dann gar nicht schreibt. Ja, ich lese immer noch am liebsten Abenteuerromane. „Viva“ heißt Devilles neuer über Trotzky, Lowry u.a. im Mexiko der Revolution, „Der letzte beste Ort“ von Callan Wink  winkt vom Nachtisch rüber (Suhrkamp, mal wieder, nicht der Nachttisch) mit seinem Wüstencover, bleiches Sand mit Ätherblau. Was für ein dämlicher Gegensatz. Wörter: Verstandverleih (Verleser), Verschwindsucht, Endgerät, Ruhestandsregelung. Transfergesellschaft. Kann ich da überhaupt ohne ein Dünndruckexemplar von Eckhard Henscheids „Trilogie des Laufenden Schwachsinns“ hin? Und ist das nicht alles ein Abenteuerroman, je abgedroschener desto besser“

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Imagine …

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Stell dir vor, du bist dieser Hund. Promenadenmischung, weiß mit Flecken. Es ist dunkel, knapp über Null, Matschwetter, es nieselt. Du bist vor der Automatiktür vom Lidl in der Boxhagener angebunden. Eine ältere Frau streichelt dich. Sie hat zuvor für 78 Cent eingekauft, eine um  30% heruntergesetzte Brotauflage und noch so etwas. Sie braucht beides nicht. Aber den Hund. Der windet sich.

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Im Reich der schadhaften Zeichen

 

imagewährend ich in am Küchentisch Bilder aus dem bunten Detailwahn zusammen stelle, ist draußen der Schnee liegengeblieben. Er hat sich auf die kahlen Äste der Hinterhoflinde gepappt und wie eine Katze über den feuchten Dreck gelegt. Die Nacht ist weiß und hält die Luft an, für mich, mein erster Schnee! Ich fange an, dafür einen Koffer zu packen.

 

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Ostkreuz

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Bis in den November hat sie ihren Platz im Schutz eines Busches gehabt. Sie hockte in mehreren Röcken auf einer Pappe und band Feldblumensträusschen, die sie für 3 Euro verkaufte. Das darf man sich auch nicht ausdenken. Ende Oktober wunderte ich mich kurz mal über den steten Nachschub an scheinbar frisch auf dem Feld neben dem Stadtautobahnzubringer gepflückten Kornblumen. Polizei sagt sie, als ich nach den Blumen frage. In ihrem Pappbecher steckt ein Madonnenbildchen. Kein Haus und Romani sagt sie noch, dann ist Sense mit Kommunikation. Sie setzt ihr Bettelgesicht auf, ich bleche. Wir danken und werfen uns Küsschen zu.

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Schön und gut

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Berlin, Ostkreuz ( so heißt der S-Bahnhof, was für ein Name, dürfte man sich nicht ausdenken): Das Bild verstehe ich nicht.

In der Fremde ist es schön und gut, wenn man die Sprache nicht versteht. Die Schrift nicht lesen, die Zeichen nicht deuten kann. Auch hier um die Ecke lässt es sich also befremden.

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Autoreverse

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Wie hier alles funktioniert! Einen Adapter für den Stecker meines koreanischen Billig-Telefons? Ein junger Angestellter des Elektroniksupermarkts an der Ecke führt mich zum Regal mit „Verbindungen“ und zeigt mir drei passende Modelle. Ein neues Telefon? Ein anderer junger Angstellter führt mich zu einem anderen Regal und empfiehlt mir das mit der ultramegapixelgeilsten Kamera. Hieße Ausstieg aus der cloud, die alle meine Daten gespeichert hat. Verbindung kappen, Stecker ziehn, adaptieren.

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Medienmarkt

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Die New York Times schreibt in einem 2020 Report, wie sie sich für die digitale Zukunft fit machen will: Inhalte sollen visueller aufbereitet werden. Leser sollen mehr Ratgeber-Inhalte bekommen und stärker Teil der Geschichten werden.

Ja, möchten wir da nicht gleich ein wenig kotzen? Im Schwäbischen gibts dafür den schönen Ausdruck „Bröckele lache“. Willlkomen zuhause.

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Liegewagen-Meditation

 

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Die Leere im Kopf hat laut Freundin Iris durchaus was Buddhistisches, auch wenn sie nicht durch Meditation sondern durch Benutzung des Liegewagens entsteht. Der brachte mich sehr komfortabel von Chiang Mai nach Bangkok, dort bezog ich ein Zimmer in enem Gasthaus in der Gasse voller nur noch von Katzen bewohnter Abrissblocks beim Bahnhof. Es gibt mehrere verwinkelte Terrassen, die oberste,  die ich mit einem netten jungen Mann aus Bautzen teile, hat eine Dusche unter freiem Himmel. Wegen der täglich gegossenen Topfpflanzen hat es auch Moskitos. Aber wir wollen jetzt mal nicht kleinloch sein, dagegen gibts ja Gift aus der Dose. Im Liegewagen jedenfalls entstand diese Besinnungübung:  wie viele getrocknete Fische, wie viele Seidenschals,  wieviele plüschige Kinderschlafanzüge mit Hellokitty-Aufdrucken, wievieleFlipflops, wieviele Pumps, (umd warum nicht golden wenn schnon?) wieviele Turnschuhe, wieviele Nylonrucksäcke mit wievielen Reißverschlüssen, die kaputt sind, bevor sie zu, ersten Mal geschlossen wurden, wie oft im Glitzern der Goldketten erblinden, wie lange in der Überschwemmung des Billigzeugs ertrinken… ich habe nichts zu sagen, das dem Überfluss der Dinge eine Bedeutung verleihen könnte, nichts zu bemerken, das der unmittelbaren Sehnsuchtsstillung ein Gefühl hinzufügen würde, ich bin hier und es ist ohne jeden Sinn, ich habe keine Absichten und kein Ziel, bin bestenfalls ein Hinderniss, um den der Strom höflich herumfliesst, eine Plastiktüte, die eine Weile oben treibt, sich verhakelt und dann untergeht, ein aufgewirbeltes Staubkorn,  das in einem Lichtstrahl tanzt, ein Holzspießchen, an dem Ananassaft klebt, ein letzter Lichtreflex, bevor die Dämmerung mich verschluckt, ein Wunsch, der in der Gosse landet. ein Stuckschnörkel, der abgeblättert ist, ein Balken, der verwittert ist, ein Haus ohne Leute. Ein Tupfer in einem Aquarell, ein Pixel in einer Momentaufnahme, ein Sonnenfleck, der gleich ein Schatten ist, substanzleicht, von keiner Dauer, in einem Strudel aus buntem Plastik, das nicht zerfällt, während wir längst zu Kompost vergangen sind, vergammelte Bananenschalen, verfaultes Papajafleisch, Rattenhumus aus matschigen Knochen, die Oberfläche tanzt. Jaja, dann doch besser noch mal in Chinatown verirren.

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Digital Native

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In Chiang Mai, wo der Merve-Verleger Peter Gente mit seiner  unterirdisch minimalen Rente gute letzte Sieben Jahre seines Lebens verbracht hat, laufen einige grauhaarige Zausel in kurzen Hosen am Stock  herum. Will man auch nicht dazugehören. Neuerdings kosten ein paar der Tempel Eintritt für Ausländer, ich wäre für zusätzlichen Aufschlag bei Selfiaticks. Das chinesische Rettich-Omlett  beim universalen Schnäppchenmarkt an der Seidenstraße war super. Ach und einen Wecker, mit dem man auch telefonieren kann, hab ich wegen saublödem Verlust des iphones auch gekauft.

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Hilltribes

 

imageNichts gegen Regen, aber wenn dazu noch das Haus eingerissen und die hölzernen Nachbarsstuben neugezimmert werden, ists schwierig mit der Besinnlichkeit. Zumal mein Sinnproduzent derzeit auf Nirwana gestellt scheint. Auch das Lesen von anderer Leute Geschichten scheint mir merkwürdig sinnlos. Kilos Oolongtee gekauft, der junge Schwede, der trotz seines Überbisses (sorry) chinesisch kann und in einem Hmong-Ethno-Homestay (über booking.com!) übernachtet, meint zwar, die würden hier nur Alltagsware anbauen, ja will ich denn bloß am Sonntah prima Tee trinken?, aber der Superchecker hat auch bloß ein angemessen überteuertes Beutelchen auf dem Tourimarkt erstanden. Dabei sind die Produzentenkooperativdn mit den Frauen, die den Tee zum trocknen wie Heu auf dem Boden hin- und herrechen, nur drei Ecken weiter. Auf gehts mit dem einzigen Transportmittel zurück ins Tal und in die Unterhaltungswelten der Zivilisation.

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Wütender Regen

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Die ganze Nacht hat der Regen wütend auf das Wellblechdach getrommelt. Früh um sechs stehen die Bauarbeiter schon um ein Feuerchen herum. Die Duschen sind kalt.

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In the Cloud

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So nah hätt’s nun nicht sein müssen. Inzwischen ist der Rest an Hintergund in Nebel verschwunden. Der Himmel ist herunter gekommen, die Ortschaft in einer Wolke versunken, man weiß nicht, ob das noch Regen ist, Nieseln oder einfach eine alles einhüllende Feuchtigkeitsmaske. Der trinkende Wirt ist wieder da, er hat den Schnaps gegen ein neues Hobby eingetauscht, er studiert jetzt alte Münzen und sein Smartphone. Der Bauboom im Ort hat einige bessere Gästehäuser,  hübsche Cafes und Verandarestaurants hervorgebracht, alle sind fast leer. Und ich muss aufhören, mir dauernd besserwisserische businesspläne auszudenken. Vor allen ökologisch nachhaltigen und gesellschaftlich nützlichen  Fortschritten soll gefälligst jeder seinen Enkeln mehr blödes Plastikspielzeug, gefälschte Markenturnschuhe, ein eigene abgaspestendes Moped und ein Haus mit Innenklo aus Beton statt aus Lehm und Binsen kaufen können. Wo verdient die Tochter das Gald dafür?

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Näher am Himmel

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Das sind Weihnachtssterne im Vordergrund.

Nach 24 Stunden in acht verschiedenen Verkehrsmitteln bin ich von der laotischen Hauptstadt Vientiane über den Mekong nach Thailand und dort in den Nrden bis fast an die Grenze zu Myanmar gefahren. Die Nacht im sog. Super Vip Bus war eine Tortour, bis ich mich einfach auf dem Boden  langgestreckt habe. Von Chiang Mai aus gings in Ellenbogenfühlung mit den Locals weiter, im Pritschenwagen die letzte Strecke in die Berge kotzten kleine Kinder, die einfach raus über die Straße  gehalten wurden. Mae Salong liegt über 1000 Meter hoch, hier wird Kaffee und vor allem Oolong-Tee angebaut, wegen dem bin ich hier, hab auch schon reichlich Tässchen verköstigt und kiloweise eingekauft.Mein uraltes Gasthaus, von 1970, benannt nach den notorischen Shan (die früher ? mit dem Opiumhandel ihre Unabhängogkeitskämpfe finanzierten, ist schließlich das berühmte Goldene Dreieck hier) kriegt gerade den Modernisierungsschub verpasst, die gemütlich schrottige, zugige Gasthausterrasse ist bereits einem Backsteinwürfel mit Glaswänden gewichen, in dem weder Leute noch Atmo verweilen wollen. Aber die sanfte Berglandschaft mit wahnsinnig weiten Ausblicken und die chinesischen Teeläden an der steilen Serpentinenstraße voller KIsten und Säcken und alten Damen, die dort bei Tee ihren familiären Schwatz halten, ist einfach zu wunderschön.Der alte Wirt oder Besitzer, der immer in der Kneipe saß und rauchte und trank, ist weg und Mopeds haben sie auch keine mehr zu ausleihn, jetzt wo ich auf den Geschmack gekommen wär. Aber nach der Odysse hier herauf, muss ich schon ein wenig bleiben und rumlaufen.

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Nachmittagsmarkt

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überall so viel zu gucken, auch zu riechen und zu schmecken..

 

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Saysouly 1

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So heißt mein Gasthaus. Der junge Mann von der Rezeption bringt mir ein Glas heißes Wasser, indas ich zwei Portionen Instant Kaffee „3 in 1“ schütte; Coffein und Zucker, bester Brennstoff. Mr. Sabaidee, der Franzose von der Insel Dondet, wohnt auch hier. Er wartet auf ein Visum für Indien. Jeden Abend wird die Uferstraße zur Füßgängerzone mit einer kilometerlangen Schlange einheitlicher Buden, die auch alle dasselbe verkaufen. CK-Tshirts, Handyzubehör, Turnschuhe, Lederbörsen, das ganze Grauen idiotischer Konsumartikel aus garantiert schmutziger Billig-Produktion. Globale Massenware, handgewebt. An zwei Plätzen tobt irre laute, monotone Elektro-Musik. Auf einem Podest strampelt sich eine biegsame Eintänzerin ab, übers Headsetmikro gibt sie einpeitschende Kieckser von sich, gut 100 junge Frauen hopsen synchron mit. Das ist kollektive Abendgymnastik. Weiter hinten wird die Uferpromenade von Freiluftrestaurants gesäumt, manche sehr schick und mit Live-Musik durch einen Sänger mit Gitarre. Ich habe die 25 Tage in Laos kein mal westliche Musik gehört.

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Reiselogistik

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Herrn Wang gefallen meine Fotos seines Mopeds in der Landschaft so gut, dass er sie gerne auf seine webseite stellen würde. Aber unsere digitalen Geräte verstehen sich nicht, und email ist völlig abwegig. Zum lesen, schreiben oder auch telefonieren benutzt man die Dinger hier nicht. Im Bus nach Vientiane sitzt eine ceylonesische Kinderärztin aus Genf neben mir, wir sind die einzigen Touristen im Bus. Sie will von Pakxan aus nach Phonsavan zur Ebene der Tonkrüge. Ein paar der sieben Stunden Fahrtzeit bin ich versucht, auch dorthin zu fahren. Aber die Vorstellung von weiteren acht,  wahrscheinlich zehn Stunden für ca 220 km durch Berglandschaften schreckt mich ab und so fahr ich bis in die Hauptstadt durch. Die ganze Strecke über ist der Straßenrand mit Plastikmüll gesäumt. Wenn ich Diktator wäre, würde ich Plastiktüten verbieten und kollektive Zwangsarbeit zum Müllsammeln anordnen. In Ruanda geht das doch auch. Oder man müsste die Sammler für den recycelbaren Rohstoff bezahlen. Wie früher für das Altpapier und das Alteisen. Ja, das hab ich noch erlebt, so alt bin ich schon. Während mir solcher Mist durch den Kopf geht, werd ich immer niedergeschlagener. In Vientiane schleppen mich zwei nette Damen aus Serbien zu ihrem Hostel, wo man mir eine fensterlose Zelle mir Stockbetten für den Preis meines kolonialen Palastzimmers in Thakhet anbietet. Nach weiterem müdem Rumsuchen finde ich eine Absteige, die immerhin gleich zwei Dachterrassen hat. Nach einem Reisküchlein am Stiel vom Holzkohlengrill gehts wieder besser. Und dann sehe ich die erste Buchhandlung in Laos. Mit schönen und teuren Büchern in Englisch und Französisch, also für uns Touristen. Und an jeder Ecke Buden, die Bustickets überallhin verkaufen. Aber ich muss erstmal einfach nur bleiben. Klamotten waschen, den Markt finden, die Uferpromenade entlang spazieren, komisches Zeugs zum essen probieren, noch viel langsamer sein.

 

 

 

 

 

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On the road

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Mangels freier Marktwirtschaft wirbt die sozialistische Volksrepublik halt für sich selbst. Für 10000 Kip -so der auf dem Billboard abgebildete Geldschein -kriegt man zB. ein großes Beerlao oder einen privaten Segensspruch mit Glücksbändchen vom Tempelhüter.

Serpentinen, Schotterpisten, Schlaglochslaloms, Schmalspurbretter-Brücklein. Am Schluss, nach gut 550 km sicherer Fahrt, ein Besuch im Buddha Cave. Wahrscheinlich ist er seiner kessen Ziege hinterhergeklettert: Erst vor ein paar Jahren fand ein Bauer den engen, nur gebückt zu begehenden Eingang der Höhle an der Felswand in  15 m Höhe, in der über 200 Buddhastatuen geborgen sind. Inzwischen führt ein Treppchen hinauf und beim Eintrittskartenhäuschen achtet ein Weiblein darauf, dass auch ich einen Rock über die verstaubten Hosen wickle. Ich bedanke mich für die glückliche Reise, der Tempelhüter dreht mir den Ventilator zu, holt tief Atem für mich und wickelt mir unter einer sehr langen Segenslitanei Bändchen ums Handgelenk. Womit ich bändchenmäßig auch die Peinlichkeitsgrenze überschritten habe. Draußen haue ich aus lauter Freude sieben Mal auf den großen Gong, auf dass die Gibbonwälder und die gezackten Mützenberge und die stinkenden Lkws und die trägem Hunde mitten auf der Straße mitschwingen mögen.

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Horizontverschwimmung

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Mit dem Boot in die Konglor Höhle, ein kathedralengroßer Tunnel von 7,5 km Länge durch den Berg hindurch. Sehr schwarz und unheimlich, ich versuch das „Imbauchdererde-Gefühl“, aber so spirituell fühlt sich wohl auch jeder Bergwerksarbeiter. Dann Stalagtitten und Stalagmitten, hübsch illuminiert dank einer Föderung des neuseeländischen Außenministeriums.Die haben hier auch eine Eco-Lodge gebaut, die ungebraucht vor sich hin verrottet. Die Privatwrtschaft floriert hingegen aufs netteste. Am Ende der Höhle gibts Buden, an denen Frauen an museumsrifen Webstühlen gemusterte Ethnoschals (man trägt sie als Wickelrock) produzieren und sich alle freuen, fotografiert zu werden. Warum?  Steigert das ihre Bedeutung, in abstrakten clouds von Touristen abgebildet zu sein? Oder ist das völlig egal und sie spielen mit, weil sie uns eine Freude machen wollen?

 

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Beer lao

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einen Vordergrund brauchts halt bei der Natiraufnahme:  die allgegenwärtigen gelbem Kästen des beliebten Nationalgetränks auf der Terrasse meines Gasthaues in Konglor Village vor dem Hntergrund der sehr ansehnlichen Kartsberge und der abgeernteen Reisfldern. Außerdem bauen sie dort Grünzeugs an, das sich als Tabak herausstellt.

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Naturerfahrung

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gibt ja nicht viel öderes als Landschaftsbeschreibungen. In Romanen oder Filmen dient der Naturschwenk der Atmo, um die Handlung stimmungsmäßig einzubetten, oder eben als retardierndes Moment. Bei mir  grad wenig Handlung, wenn man das Weiterfahren mit dem Moped nicht als solche bezeichnet, nur Atmo, die dafür sehr retardiert.

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Was auf die Ohren

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Was ist das geil! Die Honda 110er schnurrt über die fast schlaglochfreie Asphaltstraße, nach etwa 50 km zweigt die Hauptstraße samt den paar Lkws Richtung Vietnam ab, nur etwa 100km bis zur Grenze – und dem Ho Chi Minh Pfad. Gemächlich windet sich die Straße undurchdringlich bewaldete Berge rauf und runter, ein großer Stausee hat ein gutes Dutzend Dörfer in sich begraben, bleiche Baumskelette ragen aus dem Wasser, nach knapp drei Stunden erreiche ich eine Brücke, wo man unbedingt im supernetten Gasthaus Sabaidee übernachten soll. Es gibt tatsächlich noch eine letzte spartanische Hütte für mich, thailändische Schlagermusik dröhnt, alle sind schon oder noch betrunken und wild entschlossen, weiter zu feiern. Nebenan im Uferrestaurant johlen erwachsene Frauen zu Karaoke. Von einer Brache neben der Straße schallt Technomüll aus monströsen Boxen, ein paar blaue Plastikstühle stehn und liegen herum,  Freiluftdisco ohne Leute, Musikfolter oder Härtetest für Laustsprecher?  Ich tausche die Geselligkeit glasig glotzender Glatzköpfe aus der ersten Welt und glücklich sabbernder und dazu die Lautstärkeregler aufdrehender Laotinnen gegen eine etwas edlere Bude mit Froschoratorium. Das ist auch irre laut, aber irgendwie besser.

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Neustart

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naja, hört sich etwas zu pathetisch an, mein ja bloß, dass ich ketzt echt mit dem Moped losfahre zum drei oder viertägigen „loop“ durch die Landschaft mit Kartsbergen und Höhlen und Wasserfällen. bisschen schisss…aber die buddhistische Sylvesterparty beim Tempel und die ganze Götzendienerei wird schon Glück bringen.

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ich klein, pengpengpeng

Foyer des ehemaligen Kolonialhotels

Foyer des ehemaligen Kolonialhotels

Als hätte ichs geahnt, dass heute ein besondrer Tag wird, bin ich erst mal umgezogen, Das wahrscheinlich billigste Zimmer von Thaket (Khamouna International Guesthouse) war schon ok, riesige Terrasse ganz für mich, Wasserkocher, kalte Dusche, Fenster zu Dorfjugend und Mopeds, aber mir stand der Sinn plötzlich nach was Besserem. „Francais, ich klein, pengpeng“, sagt der ältere Mann an der Rezeption des ehemaligen Kolonialhotels an der Uferpromenade. Ah, Indochine, seufze ich verlogen und komm mir vor wie in einem Roman von Marguerite Duras. Fünf Meter hohe Decken mit blinden Spiegeln, Fensterläden bis auf den, logo, marmorgefliesten Boden, Teakholzsessel, die nur zum repräsentieren taugen. Das große, spartanische Bad könnte ein wenig Moderne vertragen. Gegen Mittag fühle ich mich langsam auch der angekündigten Mopedsache gewachsen. Zum üben mach ich der paar km entfernten Stupa meine Aufwartung. Auch die ist wieder mal die zweitheiligste Anbetungsstätte des Landes gleich nach Champasack, und da war ich schließlich schon. Frau darf nicht in Hosen rein, also Rock drüber gewickelt, brav Eintritt gezahlt und nach eingehendem Studium der einheimischen Gebräuche auf Knien an den Mönch rangerobbt. Obulus in Geldacheinform in die schon reichlich volle Messigschald getan, offenbar genug für ein doppelt geflochtenes Bändchen, das Mönchlein mir sodann mit hoffentlich segensreichem Gemurmel ums Handgelenk knotet. Und weil ich grad so nett im Raushaumodus bin und es dort, wo ich hinfahren will – mit dem Moped!- Berge hat und kalt sein soll, kauf ich gleich noch eine dicke Jacke auf dem Markt und markier auch bei allen Bettlern den Spendablen. Beim Tempel neben dem Hotel sind über  500 Leute versammelt, die meisten Frauen und Mädchen, alle in Weiß gekleidet, von einer Bühne rapt ein Mönchlein in Orange mit Mikro wie ein Animateur, dankt für Spenden, leiert Gebetsverse, lacht irre. Die Menge hat sich mit Matten, Kissen, Kerzen, Messinggefäßen. Blumengestecken in Bananenblattpyramiden und Zeugs in prallen rotblaugestreiften Plastiktaschen wie zu einem Picknick oder Open-Air Sit-In versammelt. Ein Gespinst aus weißem Garn verbindet sie alle, von der Bühne in die Äste der Bäumen bis zu den geparkten Mopeds hin, einzelne Fäden führen wie Blitzableiter zu den kleinen mobilen Altären der Sitzenden. Gegen dieses monströse und sozial umfassende Netz aus Fäden ist mein Doppelreiher von der Tempelstupa läppische Bändelei. Das bisschen himmlische Nieselei, das nun einsetzt, kann niemanden vom Bleiben abhalten. Nach etwas undurchsichtigem Gewusel sind die Mattenverbände umgruppiert in Gebetssälen, unter Arkaden und Zeltplanen. Schirme, Sonnenschirme, Regenschirme, wo kommen die nun alle her? Als ich schon überlege, mir wenigsten einen weißen Pulli zu kaufen, reicht mir ein Mädchen einen Pappbecher mit heißem süßen Kakao. Und als ob das nicht alles schon längst zu viel des Guten gewesen wäre, treffe ich den alten Schweden wieder. Vor einem Jahr bin ich mal einen Tag in verschiedenen Transportmitteln von Nong Khan nach Loei mit ihm gefahren. Niels ist ein ehemaliger Seemann, jetzt, mit fast 74, geht er am Stock, hat einen Bauernhof in Schweden und reist jeden Winter gut drei Monate hier herum. Thailand, Kambodscha, Laos, Myanmar, Südchina, er kennt die Grenzregionen wie Häfen, schon wegen dem eigenen allmonatlichen „Visarun“, und er mag die Orte des kleinen Grenzverkehrs, an denen man „alles kaufen kann“, wie der alte Freibeuter mit einem weisen, zahnlückigen Lächeln sagt. Ach so, und Happy New Year.

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Noch jemand Fleisch?

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Essen ist auch eine Methode der Dezimierung. Abgesehen von diesem einladenden Stilleben am Busbahnhof von Thaket ist das hier ein überraschend  bezauberndes Kaff. Keine Kirchen, nur ein Tempel bislang gesichtet. Die echt geile maps.me-app dirigiert mich zum nächsten Guesthouse, das verschiedene Zimmer zur Auswahl hat (vergiss booking.com, alles Humbug).Das Mekongufer nahezu müllfrei und eine idyllisch begrünte Kneipe an der andern. Die Nudelsuppe auf dem Markt wird nach vietnamesischer Art mit einem riesigen Teller voll Basilikum, Koriander, Salat und anderem Grünzeugs serviert. Und weil das mit dem Radfahren nix war, hab ich gerade bei Mr Wang für morgen ein Moped gebucht. Jeez!

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Absteigen!

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Halbierte Plastikflaschen als Planzentöpfe im Vertikalbeet

Das Nervige am Reisen ist das Reisen. Also die Bewegung. Endlose Busfahrten über Schlaglochstraßen mit musikalischer Unterhaltung aus knarzigen Lautsprechern, oder: stundenlanges Warten an staubigen Busbahnhöfen an Stadträndern. Wenn  das eigentliche Ziel der ultimative Ort zum Bleiben ist, die Suche nach dem idealen Ort, ist Fortbewegung ohnehin kontraproduktiv. Langsames herumspazieren, flanieren geht gerade noch. Und dann: Fahrradtour! Wegen fiesem Gegenwind will ich schon nach dem ersten Kilometer wieder umkehren. Dann sind es schon zwei und dann nur noch drei zum See. Ausflugsrestaurants auf Stelzen am Ufer, Lotosblüten. kaum Müll. Reisfelder. Die ersten schon wieder neongrün. Nach weiterem Gestrampel und viel Geschiebe auf Staubpiste in gleißender Mittagshitze erreiche ich die 500 Jahre Stupa, wo Buddha mal sein müdes Haupt im Schatten eines Baumes gebettet haben soll – kann ich voll nachempfinden. Die superheilige Stupa ist mir schnuppa, zu meinem Glück gibts in der Touribude eiskaltes M-150, das thai Red Bull.  Die letzten 12 km zurück gehen über die Landstraße, wo die Busse und Lkws langbrettern. Immerhin, Fahrrad/Mopedspur. Ich hab jetzt auch so einen Atemschutz. In lila. Fühl mich,gleich viel integrierter. Weil ich der Blödsinnsinfo aufgesssen bin, es gäbe an der „Freundschaftsbrücke“ nach Thailand einen Markt mit lokalem Ethnozeugs, fahr ich diese Ecke dann auch noch ab. Ich verstehe jetzt wieder sehr gut, dass  sich für die Einheimischen zum Gespött macht, wer freiwilllig Rad fährt, wo es doch Mopeds und Tuktuks gibt.

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Savannakhet

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Fahrpläne. Kann man machen, aber meist machen sie was mit einem. Als wir nach gut elf Stunden, statt sieben, in Savannakhet ankommen, sind wir schon froh, dass überhaupt noch ein Gasthaus offen hat. Fertigplattenbau, aber Zimmer riesig, Holzmöbel, weiße Bodenfließen und weiße Bettwäsche! Balkon, Teekocher, Fahrräder. Die ganze Stadt ist sehr praktisch. Handyreparaturen, Schneider, an einer.Kreuzung unter Zeltplanen eine Kühlschrankausstellung. An der völlig zugemüllten Uferpromenade des Mekong gibt es zum Sonnenuntergang Garküchen mit Plastikmöbeln. Auf der anderen Seite ist Thailand. Savannakhet, Stadt der Ankunft, Provinzhauptstadt, hat eine verfallende Altstadt  im französischen Kolonialstil. Eine klotzige Kirche im Zentrum. Illuminiert und mit bollywoodeskem Krippenbild dekoriert, leer. Vietnamesische und chinesische Tempel. Nach der ersten guten Nudelsuppe mit frischen Kräutern hab ich alle religiösen Sanitäranlagen im weiteren Umkreis durchgetestet. Mus ich jetzt noch zu der urollen Stupa rausgurken? Am Rand, hinter der Bushaltestelle  ein riesiger Markt. Plastikwannen voll grauem Matsch, in dem runzlige müde Augen blinzeln: ein lebendiger Teig übereinanderliegender Ochsenfrösche.

 

 

 

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Der Mann häkelt das Netz

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Mr. Bounhome, mein Herbergswirt, knüpt sich ein neues Fischernetz. Hinter ihm sein Tresen vor dem Regal mit zurückgelassenen Büchern,  u.a. Mo Yan  auf Niederländisch und Kazuo Ishiguro auf Englisch, im Küchendurchgang zu seinen Kräuterhuchbeeten sein Sohn, beim Getränkeausschank darf man sich selbst behelfen, davor ist die Lümmelveranda mit keilförmigen Anlehnkissen und Mekongblick. Mr. Bounhome wünscht mir Glück und gute Reise und knotet mir ein orangenes, dreifach geflochtenes Bändchen ums Handgelenk und winkt zum Abschied. Puh, zwölf Tage war ich dort. Links mein Bungalow.

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Lazy sunday afternoon

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Diese Männer schauen nicht das Äffchen an.

(Titelsong von The small faces, 1968)
natürlich gab es gestern auch Partys mit Buffets, Barbecue, Schokoplätzchen, Laolao-cocktails und Happy Mushrooms. Dröhnen mit blonden Rasta-Kids? Nix mehr für mich, nähere mich mit jedem Tag länger hier eher der Verschratung an. Mr. Bounhome verkauft auch Tickets. Es ist Sonntag, der 25. 12. Ich schwöre, dass die Luft schwer voll Maiglöckchenduft war, als ich mich zum rituellen Spaziermarsch aufmache. Die Existenzfrage geht heute für die kleine Runde aus. Die Ladenbesitzerin hat kein Wechselgeld, der Wasser-Refill ein Geschenk. Mitten in der brütenden Reisstrohsavanne (33 Grad, 80 % Luftfeuchtigkeit ) lärmt eine Horde asiatischer Jugendlicher. Wir fotografieren uns gegenseitig, dann bietet mir einer ein Glas mit Beerlao auf Eiswürfeln an. Ein kleines Kind ruft im Vorbeigehen eine Blume für mich ab, das nächste tänzelt kokett, worauf es von einer missmutigen Lumpenhexe, seine Oma?, zusammen gestaucht wird. Die favorisierten Eiscafeveranden haben Sonntags zu, am Weg bäckt ein Mädchen köstlich süße Bananenkrapfen. Männer häkeln Fischernetze, Jungen spielen Volleyball, ich knipse Blumentöpfe und Geisterhäuschen. Zur Dämmerung liege ich in der Hängematte und schau der Rushhour auf der großen Wasserstaße zu. ein wenig Genatter, dann übernehmen wieder die Frösche. Die Luft ist schwer von Düften. Kannste jeden Vanillekipferl und Zimtstern für vergesssen,

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Du bist nicht allein

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Leute fotografieren ist ja so ne Sache. Das Bild hat eine der Frauen selber gemacht,  ich hab ein bisschen dran rumgespielt. Das lustige Maiskolbenzusammenschmeißen fand an der Südspitze von Don Khone statt, wo man ein Bötchen charten kann. um die seltenen Süßwasserdelphine zu sehen. Mir langt es, um die Insel nahezu jeden Tag einmal herumzuspazieren. Außer mir macht das fast niemand, ein paar Urlauber strampeln den verwunschenen Trampelpfad an Mekongwasserfällchen entlang und durch tropischen Blätterwald mit Fahrrädern ab. Gestern dampfte ein zweiter Fußgänger, Typ Studienrat mit Profikamera vor dem Wanst, schwitzend wie ein Ferkel, den Pfad entlang. Ein echtes dickes Schwein, das sich von seinem Seil losgerissen hatte, suhlte sich fotogen in einem Schlammloch. Dann kam Luis Trenker des. Wegs. Von Kopf bis Fuß in Outdoor-Funktionsklamotten, mit denen er auch im novemberlichen Schwarzwald trekken könnte, quälte et sich mit einem für seine krumme Größe zu kleinen Fahrradbock über Stock und Stein. Auf dem Gepäckträger ein schwarzer Plastiksack, leicht aber voll. Mit Plastiklatschen? Leeren Wasserflaschen? Sammelt er die etwa  ein?  Ein Schrat mit Mission?

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Heiliger Bimbam

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Die Prinzessin ist weg. Vor zwei Tagen brach sie mit einem Rollkoffer nach Vientiane auf, dezent gekleidet in der laotischen Uniform (weiße Bluse, blaue Polyester-Trainingsjacke mit Emblem einer westliche Sportmannschaft), der Koffer war leicht, wahrscheinlich wird sie damit voller Shoppingzeugs zurückkommen. Sie ist auf der Hochzeit eines Neffen und bleibt eine ganze Woche fort. Der Vater bringt wie jeden Abend den in der Hängematte eingeschlafenen kleinen Sohn ins Bett. Die Magd brät mit Ingwergemüse, danach schrubbt sie die Küche, dödelt eine Weile in der nun freien Hängematte auf dem Smartphone rum, bis sie einschläft. Würde sie nie machen, wenn die Hausherrin da wäre. Die nordeuropäische Radfahrerin mit dem knochigen Lederkörper einer Marathon-Rentnerin hat aus ihren Satteltaschen eine weitere schicke weiße Spitzenbluse gezaubert, jetzt hat sie sich bereits zur Nachtruhe verabschiedet. Frösche quaken, Geckos keckern, Mekong rauscht. Es ist gerade mal neun Uhr Heilig Abend.

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Engel Adam

 

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Der Gedanke, dass mein Mini den Geist aufgeben,  oder es  verloren gehen könnte , kam mir zum ersten mal  in einem Festnetz-Telefonat mit Anna fünf Tage vor der Abreise. Panisch machte ich  updates für die cloud und drei echte Fotokopien. Heute früh tut sich immer noch nichts, nicht mal Strom kommt an, der rest schmilzt vor sich hin. ich alles auf handy und lao simcard her. Hier auf der Insel! Internetbudenbetreiber Adam schnitt sie mit der Schere passend. Er ist Brite, seit 7 Jahren hier, hat noch eine Bar namens Adam und spricht  Laotisch. Ich forografier danach den ganzen Tag wie blöd mit dem Telephon. Am Abend guckt magic Adam das Tab einmal kurz an und, oh Wunder!, alles funktioniert wieder.Statt medialer Abstinenz bin ich jetzt e-mäßig noch besser ausgestattet. Kann die map.me-app finden und später weiter in den Terranautem von TC Boyle lesen, die als pdf da drauf siind. (Oder Terzani, Theroux, Kim oder Gosh.) Auf dem Telephon ist das echt zu hart. Deshalb zur Feier der Entzugsvermeidung Mut zum Kitsch: Pastorale

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mist!

das ipad streikt. kaputt? keine ebooks, keine busfahrpläne, keine karten, kein gar nix mehr?

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Arte povera

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James Turrell, Lao style (unvollendet)

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Gardenroute

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ist das wlan vielleicht so lahm, damit ich diese fotomacke mal lasse? Mich vom Netz abnable, mediales detox, informationsabstinenz? Zum Telefonieren benutzt hier übrigens niemand sein smartphone. Wird wie mit dem Lesen (auf Papier) auch diese Kulturtechnik übersprungen? Am Abend sitzt meine Herbergsfamilie mit Brüdern  oder Cousins zusammen, dann palavern sie. Die Frau, seit drei Tagen rothaarig, was leicht nuttig aussieht, spricht am meisten, in quäkend nasalem Befehs- oder Beschwerdeton. ich glaube, sie hält sich für eine Prinzessin. Das in der Hängematte eingeschlafene Kind bringt ihr Mann zu Bett. Der pflegt auch seinen Krätergarten. Fischen oder Grillen sammeln tut er nicht mehr.Bei den Laoten ist es Tradition, das Essen zu teilen. Was macht das, wenn es zur profitablen  Existenzgrundlage wird, uns Touristen Essen zu verkaufen?

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Morning glory

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Nur kein Neid jetzt. Es gibt Schlangen, Skorpione und paar Taranteln, Auch Moskitos und wer das Unheil  besonders herausfordert, kann sich  Billharziose im Mekongwasser holen, mit dem ich mir die Zähne putze. Kleine Viper oder so gesichtet. Die Vorstellung fieser Tiere begleitet mich auf den Trampelpfaden durch Bananengärten, Bambushaine und Märchendschungelwäldchen. Aber schon arg schön. gell? Hängematte (links) habe ich noch zwei auf der Veranda, von der die Aussicht am frühen Morgen stammt. Noch etwas weiter links ist die Badestelle der Wasserbüffelfamilien, sooo süß!  Nachts machen die Frösche ein  Heidengeschnarre und frühmorgends krakeelen die Hähne direkt unter meiner Hütte, bevor sie die Hennen bespringen.

(bei instagram: docbotsch)

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Medien

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Die Inseln haben seit etwa sieben Jahen Elektrizität. Bücher  gibt es bei den Gasthäusern – zm tauschen. Es sind zerfledderten Exemplare in English oder anderen westlichen Sprachen , welche die Touristen da gelassen haben. Riesige Antennen bezeugen den ersten Wohlstand an Geld. Sonntags schauen die Männer Fernsehen. Inzwischen ist das Smartphone allgegenwärtig. Damit scheint eine Stufe der Alphabetisierung, des Lesens, übersprungen zu sein. Wenn sie nicht gerade döst oder sich im Spiegel hübsch macht, guckt die Herbergsmutter endlos, wahrscheinlich Serien. Ihr kleiner Sohn dödelt auch schon penetrant, leider mit lautgestelltem Monotoniegeschrappe. Die ganze Arbeit von früh bis spät macht eine junge Frau mit Hinkebein. Sie hat kein Spielzeug. Und natürlich sitzen alle Touristen, einschliesslich mir, immer die Augen auf das wlan-Gerät in den schönen Verandakneipen, den Blick auf die  malerischen Ansichten nur hebend, um ein Foto zu machen. Die Romantiker versammeln sich zum Sonnenuntergang auf der französischen Brücke von 1910. Sie verbindet die Inseln.Don Det und Khone und ist die Verlängerung der Eisenbahntrasse von 1883, mit der die Franzosen ein paar zerlegbare Schiffe transportierten, um die Wasserfälle zu Kambodscha zu umgehen. Und so auf dem Mekong von Saigon aus nach China zu kommen. Lang her, die Züge fuhren nur bisin die 1930er, die Schwellen wurden verbaut. Heute ist am. Ende der Brücke eine Mautstation. Eintritt inklusive Wasserfall-Naturpark, nur für Ausländer, er kostet so viel wie meine Übernachtung. Aber niemand kassiert oder kontrolliert ernstlich, das Geld geht an die Regierung, wen schert es.

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Animation

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(wlan sehr  lahm, bilder schwierig, deshalb ein paar auf instagram unter docbotsch)

Hellblaue Wasserrohre führen vom Mekong zu den Häusern. Damit werden die kleinen Gärten und Hochbeete für Kräuter bewässert, damit dusche ich auch. Das olivgrüne Wasser ist weich und macht die Haare weich. Die Abwässer gehen direkt zurück in den großen Strom, der hier bis zu 14 km breit ist. Ein Huhn mit Küken pickt aus dem Trog eines dösenden Ferkels. In einem verkohltem Loch in einem Baumstamm ist Duftöl. Hat es sich dort gesammelt, hat es jemand hineingeschüttet, ist das ein Altar? Plötzlich sehe ich auch ein paar Geisterhäuschen. Sie sind viel bescheidener als die goldlackierten Fertig- Tempelchen, die man sich in Thailand vor das Haus stellt, um die Geister außen vor zu halten. Sie sind unauffälliger, selbstgebaut, improvisiert, schäbiger, wirken vernachlässigt. Manche sehen aus wie Briefkästen an Campingplätzen. In einem stehen zwei Mokkarassen. Geister sind Hedonisten. An der südlichsten Spitze der Insel liegen Fahrräder im Reisstroh und drei große junge Touristen stehen rum. Ein falscher Portugiese raucht. Danach sieht die Welt bedeutsamer aus. In einem Baum hängt ein Netz mit leeren Getränkedosen. Kinder knüpfen Plastiktüten an ein Bambusrohr, um damit zu fliegen. Auf Zaunpfosten stecken bepflanzte Blumentöpfe aus Plastimüll. Die „Sensationen des Gewohnlichen „, an die Povl mich erinnert hat, beginnen zu leuchten. Der Blickzauber beseelt die Dinge. Ich gebe dem Portugiesen einen Eiskaffee aus. Er ist auf Weltreise und nimmt lieber einen Karottenshake.

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Infantilisierung

 

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je näher man dem Paradies kommt, desto kindischer wird man.Heißt Glück Verblödung? Wäre eine Idee, der Demenz was positives, Sinn abzugewinnen.

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Ameisenstrasse

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Auf dem weißen Plastikspitzentischtuch hat sich sogleich eine Ameisenstraße zum Zuckertütchen bei meinem Kaffee gebildet. Ein Song Ta U, so ähnlich heißen die motorisierten Blechbüchsen mit Bänken auf der Ladefläche eines Minilkws, hat mich morgens um sieben zum Busbahnhof gebracht, von dort ein Vip-Bus nach Pakse über die Grenze nach Laos. In schüttendem Regen fand sich ein größerer Lkw, auf dessen Ladefläche wir auf Holzbänken zwischen Reissäcken und Großküchengeräten kauerten. Und da war es, das Gefühlt, dass alles gut und schön ist. Stunden später erreichten wir Nakason, ein verratztes Straßennest mit einer Bank und Läden für den täglichen Metallbedarf. Ein Boot brachte uns in zehn Minuten Fahrt auf die Insel Don Deth. Eine zierliche Chinesin schloss sich mir an auf dem matschigen Trampelpfad und wir bekamen die letzten zwei freien „Bungalows“ bei Mr. Bounhom, wo ich schon zwei Weihnachten verbracht hab. Es gibt sieben Holzhütten auf Stelzen, unsere ohne Nasszelle kosten drei Dollar pro Nacht, alle mit rosafarbenem Moskitonetz, Ventilator und Hängematte auf der eigenen Veranda. Weil Lee fast kein Englisch kann, tippt sie in ihr smartphone und  zeigt mir dann die übersetzten Worte. Dazu lächelt sie ganz entzückend. Sie ist Pensionärin aus Shanghai und hat im Sommer schon den Anapurna Trek in Nepal gemacht. Ach ja, der Mekong gurgelt gelbbraun direkt vor unseren Hütten vorbei  und der Vollmond kam auch pünktlich zum Abendessen aus den Wolken.

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Relativ

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Irgendwer hat wo geschrieben,  Ubon Ratchathani sei touristisch unterschätzt. Nirgendwo könne man  besser ziellos in der Gegend herumlaufen. Stimmt. Egal, wo man rumläuft, es sieht alles irgendwie gleich aus. Riesige Werbetafeln an zwei- bis dreistöckigem Häusern, hinter denen sich kein großer architektonischer Gestaltungswille verbirgt, irre lärmiger Verkehr mit  irre lärmigen Kreuzungen, merhspurige Ausfallstraßen irgendwohin, golden gepinselte Tempel. die meist zu sind, ebenso wie das Nationalmuseum oder die öffentliche Bibliothek. Ein Park voller kreischender Kinder, in der Mitte ein goldenes Monstermounment, umgeben von einem Wassergrabenquadrat, indem, jaha, neben Plastiktüten auch Lotosblüten schwimmen. Ich würde Ubon sofort zur lärmigsten Stadt Ostthailands küren. Andrerseits ist es im Verhälrnis dazu bei den Tempelanladen relativ still. Und die irre kächzenden Vögel, die sich bei Dämmerung in den paar Bäumen um den Park sammeln, übertönen fast den Verkehrslärm. Und zwischen 2 und 4 Uhr früh kehrt sogar am Markt Ruhe ein, bevor die Mopedhorden wieder anknattern und von den gerne mit quietschigen Thaischlagern bschallten Lkws Fleischberge entladen werden. die dann mit Äxten auf den Holzklötzen und steineren Tischen zerhackt werden. Außerdem muss man ja nicht ziellos rumlaufen. Nieselt eh. Man kann sich ein paar Bier kaufen und von der  Terrasse auf den leicht stinknden Fluss stieren. Ach so, kein Bier heute. Wär nur relativ hilfreich gewesen.

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Hostel 28

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Es ist gar nicht so leicht, das zu tun, was man sich immer schon gewünscht hat. Im Gasthaus (links oben mein Zimmer)  in Ubon Ratchathani haust auch ein junger Mann aus dem Emsland, der in Australien Gold suchen geht. Beim letzten Mal fand er mehr als eine Unze. Man kann für 20 Dollar eine temporäre Goldschürflizenz kaufen. Von der Terrasse hat.man Blick auf den Moonriver. Daneben ist eine Markthalle, bei der in aller Herrgottsfrühe Fleisch in Stücke gehackt wird.

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Kloake und Koriander

Füsse ist ja ein Topic. Das ist übrigens die so bequeme wie hässliche Latsche von Renee an meinem auch nicht gerade schönen Fuß. Den neugierigen Leguan traf ich im Lumpini Park, wo der Thailländer mit Familie am Sonntag gerne rumrennt und sich an Geräten stählt. Raben gabs und Eichhörnchen auch. Und weil ich so ordentliche Freizeitorte immer öd finde und glaube, man würde eine Stadt am bestem zu Fuß erkunden, bin ich die zuvor mit der Metro gefahrene  Strecke zurückgegangen. Blöde Idee. Entweder an verkehrumtosten Achsen entlang oder durch verwinkelte Müllstraßen, die in Sackgassen enden. Kloaken-Kanäle mit dreisten Ratten, neben denen arme Frauen ihrer Suppenküchen aufbauen, die Koriandedüfte verströmen. Ich mach mal Obsttag. Und verlasse Bangkok mit dem Nachtug nach Ubon Ratchathani.

 

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Your beauty restored

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Das ehemalige Gefängnis würde zum öffentlichen Park mit Trimmdich-Geräten umgewandelt. Männer heben rostige Gewichte. Ein älteres Paar läuft barfuß im Kreis auf einem Muster aus senkrecht eingemauerten Kieselsteinen. Das dient der Fußzonenreflexmassage.  Es tut weh, ich schaff nur eine Runde. Im königlichen Tempel wischt ein Mann die Fussohlen eines schwarz lackierten Betonmönchs ab und drückt dann seine.Stirn in den Frotteelappen. Das dient der inneren Selbstreinigung  sagt er.  In einem,noch königlicheren Tempel kostet der Besuch für Touristen 50 Pfennig Eintritt, aber es gibt niemanden, der kontrolliert. Weil ich betrogen habe, bleibe ich die geschlagene Stunde auf meinen Knien sitzen, die der Mönch ins Mirofon predigt. Dienen eingeschlafene Füsse der Andacht?

 

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Eine Frau kauft einen Besen

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Eine Frau wohnt hier. Eine andere verlegt ein Elektrokabel am Abrisshaus, sie trägt Jeans und ein schwarzes Tshador-Kopftuch, sie raucht lässig Filterzigarette. Im ältesten chinesischen Tempel (von 1658) trinken drei alte Männer Tee und schauen Poolbillard im Fernsehen. Eine Ratte streift meinen Fuß, fast wäre ich drauf getreten. Ein Backpacker verkleidet sich mit Hut, Anzug und Gitarre als Musiker. Ein Mann füttert die Katzen vor meinem Gaushaus. Es sind acht.

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Bangkok Katze

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Ein wenig Cats Content, hat sich Anna gewünscht. Und so bin ich fast direkt mit dem Skytrain vom Flughafen zum Bahnhof Hua Lampong gefahren, wo ich das Gasthaus zuerst gar nicht mehr wiederfand. Die Sackgasse jenseits des Trubels in der Nähe von Chinatown sieht verwahrlost, fast verwüstet aus. Ein Häuserblock, in dem letztes Jahr noch ein freundlich und belebt wirkendes Hotel war, ist abrissfertig, schwarz gähnende Löcher statt Fenstern, Müll. Nur am Ende der Gasse blinken die Lichterketten  zweier Gasthäuser, beide sind offenbar fast leer, nur der obligatorisch nervende Fernseher simuliert Action. Ich suche mir das Zimmer aus, das ich im vorigen Jahr bewohnte, tausche aber eine neuere Matratze aus einem anderen Zimmer. Liegt es daran, dass jemand in seinem Blog schrieb, es gäbe Bettwanzen hier? Wäre ja ein  fieser Trick, sich immer ein freies Zimmer zu sichern. Ich  habe nichts von Ungeziefer gemerkt. Das Haus ist freilich alt und aus Holz, die Trepp nstuf n knarzen, die Kacheln in den Duschen haben Sprünge. Es gibt wlan, eine offene Küche zum benutzen, ich kann endlos Teewasser kochen, und viele zerlesene Bücher sind am meist unbesetzten Tresen aufgereiht. Und es gibt diese vielen Katzen auf der tropisch begrünten Gassenterrasse. Sie liegen auf den Kissen zusammenbrechender Rattansessel herum, in den Blumentöpfen, und auf dem Altar am Ende der Gasse,  die nur für mich hier zuende ist. Hinter einem Gatter aus Wellblech und Maschendraht ist eine weitere Welt. Mir reicht erst mal die davor.

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Tür auf, Tür zu

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Die Ösis haben den Grünen statt dem Rechten gewählt und in Dakota, wo ist das überhaupt, wird die Pipeline nicht durch den Friedhof der Indianer gebaut. Kann man doch auch mal so sehen. Ich mach erst mal die Tür zu.

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Kakerlaken in Knoblauch

Wers glaubt, wird selig.

Wers glaubt, wird selig. In einem der Märkte von Phnom Penh.

Dank der beiden unerschrockenen Jungs aus Berlin beginnt der Tag mit einem besonders proteinreichen Snack. Die Larven der Seidenwürmer schmecken etwas fischy, Eiweisshammer halt, und sind uns in der Konsistenz etwas zu teigig. Von den etwa zwei bis drei cm großen Kakerlaken puhlen wir die fettglänzenden, schwarzen Rückenschilde ab,  unten haben sie einen Stachel, den brechen wir auch ab, Kopf kann man dran lassen, gibt dem ganzen eine zusätzlich knusprige Bissfestigkeit, das bisschen Hirn ist beim Frittieren eh eingedampft. Zwischen de Kakerlaken in krossen Knoblauchscheibchen – waren gar keine, sondern bloß „Käfer“, berichtigt mich ein beleidigter Expat später – finden sich auch Maulwurfsgrillen, die Phillip aus dem Garten seiner Oma kennt, die schmecken leicht nussig im Abgang, etwas weniger nach, hm, Mottenkugeln? Am Leckersten sind die kleinen, etwas über einen cm großen Grillen, schön kross gebraten in heißem Öl, zart gesalzen mit einem strohigen, fast grasartig würzigen Geschmack. Die schieben wir uns bald wie Erdnussflips häufchenweise in den Mund. Auf dem Markt, der gegen Mittag schon leicht nach geronnenem Blut und faulenden Pflanzenabfällen riecht, gönne ich mir einen grünen Papayasalat, aber ohne die zerstampften Kleinkrebse. Was im Spüleimer herumkeimt, kann mir mittlerweile eigentlich nichts mehr anhaben. Schwieriger zu finden ist selbsthergestellter Sojabohnensmoothie, noch warm aus einem Alutopf abgefüllt. Nach dem Frühstückssnack der Hit ist dann der Eiskaffee im Plastikbeutel, so mit einem Gummiring zugezwirbelt, dass ein Strohhalm dazischen klemmt. Dazu gibt es einen zweiten Beutel mit wässrig gelblicher Flüssigkeit, den ich eigentlich nicht haben will. Es ist der köstlichste grüne Tee auf Eis, den ich je getrunken habe. So gut, dass er eigentlich gar nicht natürlich, nicht echt, sein kann. Und das bringt mich auf die hiesigen Tempel. Die sind so kitschig, dass bei mir keine heilige Ehrfurcht aufkommen will. Die Statue eines besonders angebeteten Buddhas der Weisheit etwa ist aus quietschbunt bemaltem Beton oder Plastik, umkränzt von einem  flackernden Glorienschein aus neonfarbenen Blinklämpchen, wie wir es aus der billigsten Weihnachtsdeko kennen. Oder muss ich das ganz andersherum verstehen? Ist doch völlig egal, aus was diese Heiligenfigur ist, wenn ihre Bedeutung nicht im Materiellen, nicht in ihrer Kunstästhetik liegt, sondern in der ihr zugeordneten, ihr aufgeladenen  Bedeutung? Wenn das Objekt nur eine symbolische Krücke ist, eine Projektionsfläche für den Glauben? Hat so was ähnliches nicht schon Levy-Strauss von irgendwelchen westafrikanischen Stämmen erzählt?  Die haben ihre allerheiligsten Fetische leichten Herzens an die Kultraub-gierigen Franzosen verscherbelt, weil der Fetsich erstens gar nicht mehr wirkt, sobald er aus seinem rituellen Kontext entfernt worden ist, sein Bann eh gebrochen und er nur noch ein nutzloses, schnödes Ding aus wurmstichigem ollen Holz ist, und zweitens man aus jedem ollen Stück Holz ja umgekehrt wieder einen neuen, noch schöneren Fetisch herstellen kann. Die Magie des Fetisches liegt in dem, was der ihn Anbetende in ihn hineinbetet. Wenn der Zauber nicht funktioniert, liegt es an meinem Unglauben? Als ich am Abend in einer Straßenküche eine Nudelsuppe esse, zeigt mir ein neben mir sitzender junger Kambodschaner auf seinem Smartphone Fotos von Kannibalismus, die gerade auf Youtube kursieren. Sieht ziemlich echt aus.

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