Naturerfahrung

image

gibt ja nicht viel öderes als Landschaftsbeschreibungen. In Romanen oder Filmen dient der Naturschwenk der Atmo, um die Handlung stimmungsmäßig einzubetten, oder eben als retardierndes Moment. Bei mir  grad wenig Handlung, wenn man das Weiterfahren mit dem Moped nicht als solche bezeichnet, nur Atmo, die dafür sehr retardiert.

Advertisements
Veröffentlicht unter asien, fahrrad, Fluss, Fotografie, Laos, Literatur, Reise, reisen, tourismus, travel | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentar hinterlassen

Was auf die Ohren

image
Was ist das geil! Die Honda 110er schnurrt über die fast schlaglochfreie Asphaltstraße, nach etwa 50 km zweigt die Hauptstraße samt den paar Lkws Richtung Vietnam ab, nur etwa 100km bis zur Grenze – und dem Ho Chi Minh Pfad. Gemächlich windet sich die Straße undurchdringlich bewaldete Berge rauf und runter, ein großer Stausee hat ein gutes Dutzend Dörfer in sich begraben, bleiche Baumskelette ragen aus dem Wasser, nach knapp drei Stunden erreiche ich eine Brücke, wo man unbedingt im supernetten Gasthaus Sabaidee übernachten soll. Es gibt tatsächlich noch eine letzte spartanische Hütte für mich, thailändische Schlagermusik dröhnt, alle sind schon oder noch betrunken und wild entschlossen, weiter zu feiern. Nebenan im Uferrestaurant johlen erwachsene Frauen zu Karaoke. Von einer Brache neben der Straße schallt Technomüll aus monströsen Boxen, ein paar blaue Plastikstühle stehn und liegen herum,  Freiluftdisco ohne Leute, Musikfolter oder Härtetest für Laustsprecher?  Ich tausche die Geselligkeit glasig glotzender Glatzköpfe aus der ersten Welt und glücklich sabbernder und dazu die Lautstärkeregler aufdrehender Laotinnen gegen eine etwas edlere Bude mit Froschoratorium. Das ist auch irre laut, aber irgendwie besser.

Veröffentlicht unter Allgemein, asien, fahrrad, Fluss, Food, Laos, Reise, reisen, tourismus, travel | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Neustart

image

naja, hört sich etwas zu pathetisch an, mein ja bloß, dass ich ketzt echt mit dem Moped losfahre zum drei oder viertägigen „loop“ durch die Landschaft mit Kartsbergen und Höhlen und Wasserfällen. bisschen schisss…aber die buddhistische Sylvesterparty beim Tempel und die ganze Götzendienerei wird schon Glück bringen.

Veröffentlicht unter Allgemein, asien, fahrrad, Fluss, Health, Laos, Reise, Rentner, tourismus | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

ich klein, pengpengpeng

Foyer des ehemaligen Kolonialhotels

Foyer des ehemaligen Kolonialhotels

Als hätte ichs geahnt, dass heute ein besondrer Tag wird, bin ich erst mal umgezogen, Das wahrscheinlich billigste Zimmer von Thaket (Khamouna International Guesthouse) war schon ok, riesige Terrasse ganz für mich, Wasserkocher, kalte Dusche, Fenster zu Dorfjugend und Mopeds, aber mir stand der Sinn plötzlich nach was Besserem. „Francais, ich klein, pengpeng“, sagt der ältere Mann an der Rezeption des ehemaligen Kolonialhotels an der Uferpromenade. Ah, Indochine, seufze ich verlogen und komm mir vor wie in einem Roman von Marguerite Duras. Fünf Meter hohe Decken mit blinden Spiegeln, Fensterläden bis auf den, logo, marmorgefliesten Boden, Teakholzsessel, die nur zum repräsentieren taugen. Das große, spartanische Bad könnte ein wenig Moderne vertragen. Gegen Mittag fühle ich mich langsam auch der angekündigten Mopedsache gewachsen. Zum üben mach ich der paar km entfernten Stupa meine Aufwartung. Auch die ist wieder mal die zweitheiligste Anbetungsstätte des Landes gleich nach Champasack, und da war ich schließlich schon. Frau darf nicht in Hosen rein, also Rock drüber gewickelt, brav Eintritt gezahlt und nach eingehendem Studium der einheimischen Gebräuche auf Knien an den Mönch rangerobbt. Obulus in Geldacheinform in die schon reichlich volle Messigschald getan, offenbar genug für ein doppelt geflochtenes Bändchen, das Mönchlein mir sodann mit hoffentlich segensreichem Gemurmel ums Handgelenk knotet. Und weil ich grad so nett im Raushaumodus bin und es dort, wo ich hinfahren will – mit dem Moped!- Berge hat und kalt sein soll, kauf ich gleich noch eine dicke Jacke auf dem Markt und markier auch bei allen Bettlern den Spendablen. Beim Tempel neben dem Hotel sind über  500 Leute versammelt, die meisten Frauen und Mädchen, alle in Weiß gekleidet, von einer Bühne rapt ein Mönchlein in Orange mit Mikro wie ein Animateur, dankt für Spenden, leiert Gebetsverse, lacht irre. Die Menge hat sich mit Matten, Kissen, Kerzen, Messinggefäßen. Blumengestecken in Bananenblattpyramiden und Zeugs in prallen rotblaugestreiften Plastiktaschen wie zu einem Picknick oder Open-Air Sit-In versammelt. Ein Gespinst aus weißem Garn verbindet sie alle, von der Bühne in die Äste der Bäumen bis zu den geparkten Mopeds hin, einzelne Fäden führen wie Blitzableiter zu den kleinen mobilen Altären der Sitzenden. Gegen dieses monströse und sozial umfassende Netz aus Fäden ist mein Doppelreiher von der Tempelstupa läppische Bändelei. Das bisschen himmlische Nieselei, das nun einsetzt, kann niemanden vom Bleiben abhalten. Nach etwas undurchsichtigem Gewusel sind die Mattenverbände umgruppiert in Gebetssälen, unter Arkaden und Zeltplanen. Schirme, Sonnenschirme, Regenschirme, wo kommen die nun alle her? Als ich schon überlege, mir wenigsten einen weißen Pulli zu kaufen, reicht mir ein Mädchen einen Pappbecher mit heißem süßen Kakao. Und als ob das nicht alles schon längst zu viel des Guten gewesen wäre, treffe ich den alten Schweden wieder. Vor einem Jahr bin ich mal einen Tag in verschiedenen Transportmitteln von Nong Khan nach Loei mit ihm gefahren. Niels ist ein ehemaliger Seemann, jetzt, mit fast 74, geht er am Stock, hat einen Bauernhof in Schweden und reist jeden Winter gut drei Monate hier herum. Thailand, Kambodscha, Laos, Myanmar, Südchina, er kennt die Grenzregionen wie Häfen, schon wegen dem eigenen allmonatlichen „Visarun“, und er mag die Orte des kleinen Grenzverkehrs, an denen man „alles kaufen kann“, wie der alte Freibeuter mit einem weisen, zahnlückigen Lächeln sagt. Ach so, und Happy New Year.

Veröffentlicht unter Allgemein, asien, expats, Fluss, Food, Fotografie, Laos, Literatur, Memory | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Noch jemand Fleisch?

image

Essen ist auch eine Methode der Dezimierung. Abgesehen von diesem einladenden Stilleben am Busbahnhof von Thaket ist das hier ein überraschend  bezauberndes Kaff. Keine Kirchen, nur ein Tempel bislang gesichtet. Die echt geile maps.me-app dirigiert mich zum nächsten Guesthouse, das verschiedene Zimmer zur Auswahl hat (vergiss booking.com, alles Humbug).Das Mekongufer nahezu müllfrei und eine idyllisch begrünte Kneipe an der andern. Die Nudelsuppe auf dem Markt wird nach vietnamesischer Art mit einem riesigen Teller voll Basilikum, Koriander, Salat und anderem Grünzeugs serviert. Und weil das mit dem Radfahren nix war, hab ich gerade bei Mr Wang für morgen ein Moped gebucht. Jeez!

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, asien, Berlin, fahrrad, Fluss, Food, garten, Laos, Reise | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Absteigen!

image

Halbierte Plastikflaschen als Planzentöpfe im Vertikalbeet

Das Nervige am Reisen ist das Reisen. Also die Bewegung. Endlose Busfahrten über Schlaglochstraßen mit musikalischer Unterhaltung aus knarzigen Lautsprechern, oder: stundenlanges Warten an staubigen Busbahnhöfen an Stadträndern. Wenn  das eigentliche Ziel der ultimative Ort zum Bleiben ist, die Suche nach dem idealen Ort, ist Fortbewegung ohnehin kontraproduktiv. Langsames herumspazieren, flanieren geht gerade noch. Und dann: Fahrradtour! Wegen fiesem Gegenwind will ich schon nach dem ersten Kilometer wieder umkehren. Dann sind es schon zwei und dann nur noch drei zum See. Ausflugsrestaurants auf Stelzen am Ufer, Lotosblüten. kaum Müll. Reisfelder. Die ersten schon wieder neongrün. Nach weiterem Gestrampel und viel Geschiebe auf Staubpiste in gleißender Mittagshitze erreiche ich die 500 Jahre Stupa, wo Buddha mal sein müdes Haupt im Schatten eines Baumes gebettet haben soll – kann ich voll nachempfinden. Die superheilige Stupa ist mir schnuppa, zu meinem Glück gibts in der Touribude eiskaltes M-150, das thai Red Bull.  Die letzten 12 km zurück gehen über die Landstraße, wo die Busse und Lkws langbrettern. Immerhin, Fahrrad/Mopedspur. Ich hab jetzt auch so einen Atemschutz. In lila. Fühl mich,gleich viel integrierter. Weil ich der Blödsinnsinfo aufgesssen bin, es gäbe an der „Freundschaftsbrücke“ nach Thailand einen Markt mit lokalem Ethnozeugs, fahr ich diese Ecke dann auch noch ab. Ich verstehe jetzt wieder sehr gut, dass  sich für die Einheimischen zum Gespött macht, wer freiwilllig Rad fährt, wo es doch Mopeds und Tuktuks gibt.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Arbeit, Armut, asien, Fluss, garten, Kirchen, Reise, reisen, travel | Verschlagwortet mit , , , , , | 2 Kommentare

Savannakhet

image

Fahrpläne. Kann man machen, aber meist machen sie was mit einem. Als wir nach gut elf Stunden, statt sieben, in Savannakhet ankommen, sind wir schon froh, dass überhaupt noch ein Gasthaus offen hat. Fertigplattenbau, aber Zimmer riesig, Holzmöbel, weiße Bodenfließen und weiße Bettwäsche! Balkon, Teekocher, Fahrräder. Die ganze Stadt ist sehr praktisch. Handyreparaturen, Schneider, an einer.Kreuzung unter Zeltplanen eine Kühlschrankausstellung. An der völlig zugemüllten Uferpromenade des Mekong gibt es zum Sonnenuntergang Garküchen mit Plastikmöbeln. Auf der anderen Seite ist Thailand. Savannakhet, Stadt der Ankunft, Provinzhauptstadt, hat eine verfallende Altstadt  im französischen Kolonialstil. Eine klotzige Kirche im Zentrum. Illuminiert und mit bollywoodeskem Krippenbild dekoriert, leer. Vietnamesische und chinesische Tempel. Nach der ersten guten Nudelsuppe mit frischen Kräutern hab ich alle religiösen Sanitäranlagen im weiteren Umkreis durchgetestet. Mus ich jetzt noch zu der urollen Stupa rausgurken? Am Rand, hinter der Bushaltestelle  ein riesiger Markt. Plastikwannen voll grauem Matsch, in dem runzlige müde Augen blinzeln: ein lebendiger Teig übereinanderliegender Ochsenfrösche.

 

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, asien, fahrrad, Fluss, Food, Laos, Missionare, Reise, reisen, travel | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Der Mann häkelt das Netz

image

Mr. Bounhome, mein Herbergswirt, knüpt sich ein neues Fischernetz. Hinter ihm sein Tresen vor dem Regal mit zurückgelassenen Büchern,  u.a. Mo Yan  auf Niederländisch und Kazuo Ishiguro auf Englisch, im Küchendurchgang zu seinen Kräuterhuchbeeten sein Sohn, beim Getränkeausschank darf man sich selbst behelfen, davor ist die Lümmelveranda mit keilförmigen Anlehnkissen und Mekongblick. Mr. Bounhome wünscht mir Glück und gute Reise und knotet mir ein orangenes, dreifach geflochtenes Bändchen ums Handgelenk und winkt zum Abschied. Puh, zwölf Tage war ich dort. Links mein Bungalow.

image

Veröffentlicht unter Allgemein, Arbeit, asien, Fluss, Fotografie, Laos, Reise, reisen, tourismus, travel | Verschlagwortet mit , , , | 4 Kommentare

Lazy sunday afternoon

image

Diese Männer schauen nicht das Äffchen an.

(Titelsong von The small faces, 1968)
natürlich gab es gestern auch Partys mit Buffets, Barbecue, Schokoplätzchen, Laolao-cocktails und Happy Mushrooms. Dröhnen mit blonden Rasta-Kids? Nix mehr für mich, nähere mich mit jedem Tag länger hier eher der Verschratung an. Mr. Bounhome verkauft auch Tickets. Es ist Sonntag, der 25. 12. Ich schwöre, dass die Luft schwer voll Maiglöckchenduft war, als ich mich zum rituellen Spaziermarsch aufmache. Die Existenzfrage geht heute für die kleine Runde aus. Die Ladenbesitzerin hat kein Wechselgeld, der Wasser-Refill ein Geschenk. Mitten in der brütenden Reisstrohsavanne (33 Grad, 80 % Luftfeuchtigkeit ) lärmt eine Horde asiatischer Jugendlicher. Wir fotografieren uns gegenseitig, dann bietet mir einer ein Glas mit Beerlao auf Eiswürfeln an. Ein kleines Kind ruft im Vorbeigehen eine Blume für mich ab, das nächste tänzelt kokett, worauf es von einer missmutigen Lumpenhexe, seine Oma?, zusammen gestaucht wird. Die favorisierten Eiscafeveranden haben Sonntags zu, am Weg bäckt ein Mädchen köstlich süße Bananenkrapfen. Männer häkeln Fischernetze, Jungen spielen Volleyball, ich knipse Blumentöpfe und Geisterhäuschen. Zur Dämmerung liege ich in der Hängematte und schau der Rushhour auf der großen Wasserstaße zu. ein wenig Genatter, dann übernehmen wieder die Frösche. Die Luft ist schwer von Düften. Kannste jeden Vanillekipferl und Zimtstern für vergesssen,

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Arbeit, asien, Fluss, Food, garten, Insel, katze, Laos, Reise, tourismus, travel | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentar hinterlassen

Du bist nicht allein

image

Leute fotografieren ist ja so ne Sache. Das Bild hat eine der Frauen selber gemacht,  ich hab ein bisschen dran rumgespielt. Das lustige Maiskolbenzusammenschmeißen fand an der Südspitze von Don Khone statt, wo man ein Bötchen charten kann. um die seltenen Süßwasserdelphine zu sehen. Mir langt es, um die Insel nahezu jeden Tag einmal herumzuspazieren. Außer mir macht das fast niemand, ein paar Urlauber strampeln den verwunschenen Trampelpfad an Mekongwasserfällchen entlang und durch tropischen Blätterwald mit Fahrrädern ab. Gestern dampfte ein zweiter Fußgänger, Typ Studienrat mit Profikamera vor dem Wanst, schwitzend wie ein Ferkel, den Pfad entlang. Ein echtes dickes Schwein, das sich von seinem Seil losgerissen hatte, suhlte sich fotogen in einem Schlammloch. Dann kam Luis Trenker des. Wegs. Von Kopf bis Fuß in Outdoor-Funktionsklamotten, mit denen er auch im novemberlichen Schwarzwald trekken könnte, quälte et sich mit einem für seine krumme Größe zu kleinen Fahrradbock über Stock und Stein. Auf dem Gepäckträger ein schwarzer Plastiksack, leicht aber voll. Mit Plastiklatschen? Leeren Wasserflaschen? Sammelt er die etwa  ein?  Ein Schrat mit Mission?

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Arbeit, Fluss, garten, Laos, reis, Reise, reisen, tourismus, travel | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Heiliger Bimbam

image

Die Prinzessin ist weg. Vor zwei Tagen brach sie mit einem Rollkoffer nach Vientiane auf, dezent gekleidet in der laotischen Uniform (weiße Bluse, blaue Polyester-Trainingsjacke mit Emblem einer westliche Sportmannschaft), der Koffer war leicht, wahrscheinlich wird sie damit voller Shoppingzeugs zurückkommen. Sie ist auf der Hochzeit eines Neffen und bleibt eine ganze Woche fort. Der Vater bringt wie jeden Abend den in der Hängematte eingeschlafenen kleinen Sohn ins Bett. Die Magd brät mit Ingwergemüse, danach schrubbt sie die Küche, dödelt eine Weile in der nun freien Hängematte auf dem Smartphone rum, bis sie einschläft. Würde sie nie machen, wenn die Hausherrin da wäre. Die nordeuropäische Radfahrerin mit dem knochigen Lederkörper einer Marathon-Rentnerin hat aus ihren Satteltaschen eine weitere schicke weiße Spitzenbluse gezaubert, jetzt hat sie sich bereits zur Nachtruhe verabschiedet. Frösche quaken, Geckos keckern, Mekong rauscht. Es ist gerade mal neun Uhr Heilig Abend.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, asien, expats, fahrrad, Fiction, Fluss, garten, Insel, Kirchen, Laos, reis, Reise, reisen | Verschlagwortet mit , , , | 2 Kommentare

Engel Adam

 

image

Der Gedanke, dass mein Mini den Geist aufgeben,  oder es  verloren gehen könnte , kam mir zum ersten mal  in einem Festnetz-Telefonat mit Anna fünf Tage vor der Abreise. Panisch machte ich  updates für die cloud und drei echte Fotokopien. Heute früh tut sich immer noch nichts, nicht mal Strom kommt an, der rest schmilzt vor sich hin. ich alles auf handy und lao simcard her. Hier auf der Insel! Internetbudenbetreiber Adam schnitt sie mit der Schere passend. Er ist Brite, seit 7 Jahren hier, hat noch eine Bar namens Adam und spricht  Laotisch. Ich forografier danach den ganzen Tag wie blöd mit dem Telephon. Am Abend guckt magic Adam das Tab einmal kurz an und, oh Wunder!, alles funktioniert wieder.Statt medialer Abstinenz bin ich jetzt e-mäßig noch besser ausgestattet. Kann die map.me-app finden und später weiter in den Terranautem von TC Boyle lesen, die als pdf da drauf siind. (Oder Terzani, Theroux, Kim oder Gosh.) Auf dem Telephon ist das echt zu hart. Deshalb zur Feier der Entzugsvermeidung Mut zum Kitsch: Pastorale

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, asien, Laos, Literatur, reis, Reise, reisen | Verschlagwortet mit , , , , , | 1 Kommentar

mist!

das ipad streikt. kaputt? keine ebooks, keine busfahrpläne, keine karten, kein gar nix mehr?

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, asien, Berlin, Laos, travel | Verschlagwortet mit , | 2 Kommentare

Arte povera

image

James Turrell, Lao style (unvollendet)

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, asien, garten, Insel, Laos, Reise, reisen, Trauma, travel | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Gardenroute

image

 

ist das wlan vielleicht so lahm, damit ich diese fotomacke mal lasse? Mich vom Netz abnable, mediales detox, informationsabstinenz? Zum Telefonieren benutzt hier übrigens niemand sein smartphone. Wird wie mit dem Lesen (auf Papier) auch diese Kulturtechnik übersprungen? Am Abend sitzt meine Herbergsfamilie mit Brüdern  oder Cousins zusammen, dann palavern sie. Die Frau, seit drei Tagen rothaarig, was leicht nuttig aussieht, spricht am meisten, in quäkend nasalem Befehs- oder Beschwerdeton. ich glaube, sie hält sich für eine Prinzessin. Das in der Hängematte eingeschlafene Kind bringt ihr Mann zu Bett. Der pflegt auch seinen Krätergarten. Fischen oder Grillen sammeln tut er nicht mehr.Bei den Laoten ist es Tradition, das Essen zu teilen. Was macht das, wenn es zur profitablen  Existenzgrundlage wird, uns Touristen Essen zu verkaufen?

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Fluss, Food, garten, Laos, reis, Reise, reisen, Tempo | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentar hinterlassen

Morning glory

image

Nur kein Neid jetzt. Es gibt Schlangen, Skorpione und paar Taranteln, Auch Moskitos und wer das Unheil  besonders herausfordert, kann sich  Billharziose im Mekongwasser holen, mit dem ich mir die Zähne putze. Kleine Viper oder so gesichtet. Die Vorstellung fieser Tiere begleitet mich auf den Trampelpfaden durch Bananengärten, Bambushaine und Märchendschungelwäldchen. Aber schon arg schön. gell? Hängematte (links) habe ich noch zwei auf der Veranda, von der die Aussicht am frühen Morgen stammt. Noch etwas weiter links ist die Badestelle der Wasserbüffelfamilien, sooo süß!  Nachts machen die Frösche ein  Heidengeschnarre und frühmorgends krakeelen die Hähne direkt unter meiner Hütte, bevor sie die Hennen bespringen.

(bei instagram: docbotsch)

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, asien, Berlin, expats, Fluss, garten, Insel, Non-fiction, reisen | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Medien

image

Die Inseln haben seit etwa sieben Jahen Elektrizität. Bücher  gibt es bei den Gasthäusern – zm tauschen. Es sind zerfledderten Exemplare in English oder anderen westlichen Sprachen , welche die Touristen da gelassen haben. Riesige Antennen bezeugen den ersten Wohlstand an Geld. Sonntags schauen die Männer Fernsehen. Inzwischen ist das Smartphone allgegenwärtig. Damit scheint eine Stufe der Alphabetisierung, des Lesens, übersprungen zu sein. Wenn sie nicht gerade döst oder sich im Spiegel hübsch macht, guckt die Herbergsmutter endlos, wahrscheinlich Serien. Ihr kleiner Sohn dödelt auch schon penetrant, leider mit lautgestelltem Monotoniegeschrappe. Die ganze Arbeit von früh bis spät macht eine junge Frau mit Hinkebein. Sie hat kein Spielzeug. Und natürlich sitzen alle Touristen, einschliesslich mir, immer die Augen auf das wlan-Gerät in den schönen Verandakneipen, den Blick auf die  malerischen Ansichten nur hebend, um ein Foto zu machen. Die Romantiker versammeln sich zum Sonnenuntergang auf der französischen Brücke von 1910. Sie verbindet die Inseln.Don Det und Khone und ist die Verlängerung der Eisenbahntrasse von 1883, mit der die Franzosen ein paar zerlegbare Schiffe transportierten, um die Wasserfälle zu Kambodscha zu umgehen. Und so auf dem Mekong von Saigon aus nach China zu kommen. Lang her, die Züge fuhren nur bisin die 1930er, die Schwellen wurden verbaut. Heute ist am. Ende der Brücke eine Mautstation. Eintritt inklusive Wasserfall-Naturpark, nur für Ausländer, er kostet so viel wie meine Übernachtung. Aber niemand kassiert oder kontrolliert ernstlich, das Geld geht an die Regierung, wen schert es.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, asien, fashion, Fluss, Insel, Laos, reis, Reise, reisen | Verschlagwortet mit , , , , , | 1 Kommentar

Animation

image

 

(wlan sehr  lahm, bilder schwierig, deshalb ein paar auf instagram unter docbotsch)

Hellblaue Wasserrohre führen vom Mekong zu den Häusern. Damit werden die kleinen Gärten und Hochbeete für Kräuter bewässert, damit dusche ich auch. Das olivgrüne Wasser ist weich und macht die Haare weich. Die Abwässer gehen direkt zurück in den großen Strom, der hier bis zu 14 km breit ist. Ein Huhn mit Küken pickt aus dem Trog eines dösenden Ferkels. In einem verkohltem Loch in einem Baumstamm ist Duftöl. Hat es sich dort gesammelt, hat es jemand hineingeschüttet, ist das ein Altar? Plötzlich sehe ich auch ein paar Geisterhäuschen. Sie sind viel bescheidener als die goldlackierten Fertig- Tempelchen, die man sich in Thailand vor das Haus stellt, um die Geister außen vor zu halten. Sie sind unauffälliger, selbstgebaut, improvisiert, schäbiger, wirken vernachlässigt. Manche sehen aus wie Briefkästen an Campingplätzen. In einem stehen zwei Mokkarassen. Geister sind Hedonisten. An der südlichsten Spitze der Insel liegen Fahrräder im Reisstroh und drei große junge Touristen stehen rum. Ein falscher Portugiese raucht. Danach sieht die Welt bedeutsamer aus. In einem Baum hängt ein Netz mit leeren Getränkedosen. Kinder knüpfen Plastiktüten an ein Bambusrohr, um damit zu fliegen. Auf Zaunpfosten stecken bepflanzte Blumentöpfe aus Plastimüll. Die „Sensationen des Gewohnlichen „, an die Povl mich erinnert hat, beginnen zu leuchten. Der Blickzauber beseelt die Dinge. Ich gebe dem Portugiesen einen Eiskaffee aus. Er ist auf Weltreise und nimmt lieber einen Karottenshake.

Veröffentlicht unter Allgemein, asien, Errinnerung, fahrrad, garten, katze, reis, Reise, Tempo, tourismus, travel | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Infantilisierung

 

image

je näher man dem Paradies kommt, desto kindischer wird man.Heißt Glück Verblödung? Wäre eine Idee, der Demenz was positives, Sinn abzugewinnen.

Veröffentlicht unter Allgemein, Armut, asien, Fluss, Food, garten, Reise, reisen | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Ameisenstrasse

image

Auf dem weißen Plastikspitzentischtuch hat sich sogleich eine Ameisenstraße zum Zuckertütchen bei meinem Kaffee gebildet. Ein Song Ta U, so ähnlich heißen die motorisierten Blechbüchsen mit Bänken auf der Ladefläche eines Minilkws, hat mich morgens um sieben zum Busbahnhof gebracht, von dort ein Vip-Bus nach Pakse über die Grenze nach Laos. In schüttendem Regen fand sich ein größerer Lkw, auf dessen Ladefläche wir auf Holzbänken zwischen Reissäcken und Großküchengeräten kauerten. Und da war es, das Gefühlt, dass alles gut und schön ist. Stunden später erreichten wir Nakason, ein verratztes Straßennest mit einer Bank und Läden für den täglichen Metallbedarf. Ein Boot brachte uns in zehn Minuten Fahrt auf die Insel Don Deth. Eine zierliche Chinesin schloss sich mir an auf dem matschigen Trampelpfad und wir bekamen die letzten zwei freien „Bungalows“ bei Mr. Bounhom, wo ich schon zwei Weihnachten verbracht hab. Es gibt sieben Holzhütten auf Stelzen, unsere ohne Nasszelle kosten drei Dollar pro Nacht, alle mit rosafarbenem Moskitonetz, Ventilator und Hängematte auf der eigenen Veranda. Weil Lee fast kein Englisch kann, tippt sie in ihr smartphone und  zeigt mir dann die übersetzten Worte. Dazu lächelt sie ganz entzückend. Sie ist Pensionärin aus Shanghai und hat im Sommer schon den Anapurna Trek in Nepal gemacht. Ach ja, der Mekong gurgelt gelbbraun direkt vor unseren Hütten vorbei  und der Vollmond kam auch pünktlich zum Abendessen aus den Wolken.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, asien, Fluss, Food, Insel, reisen, Rentner, tourismus, travel | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen

Relativ

image

Irgendwer hat wo geschrieben,  Ubon Ratchathani sei touristisch unterschätzt. Nirgendwo könne man  besser ziellos in der Gegend herumlaufen. Stimmt. Egal, wo man rumläuft, es sieht alles irgendwie gleich aus. Riesige Werbetafeln an zwei- bis dreistöckigem Häusern, hinter denen sich kein großer architektonischer Gestaltungswille verbirgt, irre lärmiger Verkehr mit  irre lärmigen Kreuzungen, merhspurige Ausfallstraßen irgendwohin, golden gepinselte Tempel. die meist zu sind, ebenso wie das Nationalmuseum oder die öffentliche Bibliothek. Ein Park voller kreischender Kinder, in der Mitte ein goldenes Monstermounment, umgeben von einem Wassergrabenquadrat, indem, jaha, neben Plastiktüten auch Lotosblüten schwimmen. Ich würde Ubon sofort zur lärmigsten Stadt Ostthailands küren. Andrerseits ist es im Verhälrnis dazu bei den Tempelanladen relativ still. Und die irre kächzenden Vögel, die sich bei Dämmerung in den paar Bäumen um den Park sammeln, übertönen fast den Verkehrslärm. Und zwischen 2 und 4 Uhr früh kehrt sogar am Markt Ruhe ein, bevor die Mopedhorden wieder anknattern und von den gerne mit quietschigen Thaischlagern bschallten Lkws Fleischberge entladen werden. die dann mit Äxten auf den Holzklötzen und steineren Tischen zerhackt werden. Außerdem muss man ja nicht ziellos rumlaufen. Nieselt eh. Man kann sich ein paar Bier kaufen und von der  Terrasse auf den leicht stinknden Fluss stieren. Ach so, kein Bier heute. Wär nur relativ hilfreich gewesen.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Arbeit, Armut, asien, expats, Fluss, Food, Blog, Health, Fashion,, katze, reisen | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Hostel 28

image

Es ist gar nicht so leicht, das zu tun, was man sich immer schon gewünscht hat. Im Gasthaus (links oben mein Zimmer)  in Ubon Ratchathani haust auch ein junger Mann aus dem Emsland, der in Australien Gold suchen geht. Beim letzten Mal fand er mehr als eine Unze. Man kann für 20 Dollar eine temporäre Goldschürflizenz kaufen. Von der Terrasse hat.man Blick auf den Moonriver. Daneben ist eine Markthalle, bei der in aller Herrgottsfrühe Fleisch in Stücke gehackt wird.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Arbeit, Armut, asien, Fluss, salz | Verschlagwortet mit , , , , | 2 Kommentare

Kloake und Koriander

Füsse ist ja ein Topic. Das ist übrigens die so bequeme wie hässliche Latsche von Renee an meinem auch nicht gerade schönen Fuß. Den neugierigen Leguan traf ich im Lumpini Park, wo der Thailländer mit Familie am Sonntag gerne rumrennt und sich an Geräten stählt. Raben gabs und Eichhörnchen auch. Und weil ich so ordentliche Freizeitorte immer öd finde und glaube, man würde eine Stadt am bestem zu Fuß erkunden, bin ich die zuvor mit der Metro gefahrene  Strecke zurückgegangen. Blöde Idee. Entweder an verkehrumtosten Achsen entlang oder durch verwinkelte Müllstraßen, die in Sackgassen enden. Kloaken-Kanäle mit dreisten Ratten, neben denen arme Frauen ihrer Suppenküchen aufbauen, die Koriandedüfte verströmen. Ich mach mal Obsttag. Und verlasse Bangkok mit dem Nachtug nach Ubon Ratchathani.

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Arbeit, Armut, asien, Food, Health, katze, reis, Reise, tourismus, travel | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentar hinterlassen

Your beauty restored

image

Das ehemalige Gefängnis würde zum öffentlichen Park mit Trimmdich-Geräten umgewandelt. Männer heben rostige Gewichte. Ein älteres Paar läuft barfuß im Kreis auf einem Muster aus senkrecht eingemauerten Kieselsteinen. Das dient der Fußzonenreflexmassage.  Es tut weh, ich schaff nur eine Runde. Im königlichen Tempel wischt ein Mann die Fussohlen eines schwarz lackierten Betonmönchs ab und drückt dann seine.Stirn in den Frotteelappen. Das dient der inneren Selbstreinigung  sagt er.  In einem,noch königlicheren Tempel kostet der Besuch für Touristen 50 Pfennig Eintritt, aber es gibt niemanden, der kontrolliert. Weil ich betrogen habe, bleibe ich die geschlagene Stunde auf meinen Knien sitzen, die der Mönch ins Mirofon predigt. Dienen eingeschlafene Füsse der Andacht?

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, asien, Errinnerung, Food, Memory, Reise, Tempo, tourismus, travel | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentar hinterlassen

Eine Frau kauft einen Besen

image

Eine Frau wohnt hier. Eine andere verlegt ein Elektrokabel am Abrisshaus, sie trägt Jeans und ein schwarzes Tshador-Kopftuch, sie raucht lässig Filterzigarette. Im ältesten chinesischen Tempel (von 1658) trinken drei alte Männer Tee und schauen Poolbillard im Fernsehen. Eine Ratte streift meinen Fuß, fast wäre ich drauf getreten. Ein Backpacker verkleidet sich mit Hut, Anzug und Gitarre als Musiker. Ein Mann füttert die Katzen vor meinem Gaushaus. Es sind acht.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Arbeit, Armut, asien, Food, Reise, tourismus | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Bangkok Katze

image

Ein wenig Cats Content, hat sich Anna gewünscht. Und so bin ich fast direkt mit dem Skytrain vom Flughafen zum Bahnhof Hua Lampong gefahren, wo ich das Gasthaus zuerst gar nicht mehr wiederfand. Die Sackgasse jenseits des Trubels in der Nähe von Chinatown sieht verwahrlost, fast verwüstet aus. Ein Häuserblock, in dem letztes Jahr noch ein freundlich und belebt wirkendes Hotel war, ist abrissfertig, schwarz gähnende Löcher statt Fenstern, Müll. Nur am Ende der Gasse blinken die Lichterketten  zweier Gasthäuser, beide sind offenbar fast leer, nur der obligatorisch nervende Fernseher simuliert Action. Ich suche mir das Zimmer aus, das ich im vorigen Jahr bewohnte, tausche aber eine neuere Matratze aus einem anderen Zimmer. Liegt es daran, dass jemand in seinem Blog schrieb, es gäbe Bettwanzen hier? Wäre ja ein  fieser Trick, sich immer ein freies Zimmer zu sichern. Ich  habe nichts von Ungeziefer gemerkt. Das Haus ist freilich alt und aus Holz, die Trepp nstuf n knarzen, die Kacheln in den Duschen haben Sprünge. Es gibt wlan, eine offene Küche zum benutzen, ich kann endlos Teewasser kochen, und viele zerlesene Bücher sind am meist unbesetzten Tresen aufgereiht. Und es gibt diese vielen Katzen auf der tropisch begrünten Gassenterrasse. Sie liegen auf den Kissen zusammenbrechender Rattansessel herum, in den Blumentöpfen, und auf dem Altar am Ende der Gasse,  die nur für mich hier zuende ist. Hinter einem Gatter aus Wellblech und Maschendraht ist eine weitere Welt. Mir reicht erst mal die davor.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, asien, Errinnerung, Fluss, Food, Food, Blog, Health, Fashion,, Health, katze, Rote Khme, salz, tourismus, travel | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentar hinterlassen

Tür auf, Tür zu

image

Die Ösis haben den Grünen statt dem Rechten gewählt und in Dakota, wo ist das überhaupt, wird die Pipeline nicht durch den Friedhof der Indianer gebaut. Kann man doch auch mal so sehen. Ich mach erst mal die Tür zu.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Arbeit, Armut, asien, Berlin | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen

Mantis religiosa

image

Die Gottesanbeterin ist Tier des Jahres. Des nächsten, glaube ich. Die meist grasgrüne Fangschrecke hat große rumde Facettenaugen, mit denen sie ihr Opfer -Insekt, Heuschrecke, Wespe – anstarrt, bevor sie es auffrisst. Sie kann ihren Kopf um 180 Grad drehen, also nach hinten gucken. Wegen Klima kommt das zierliche Tier  aus Afrika nun auch zu ins. In der Zeit gibt es folgende Aufklärung: „In Europa findet man bis zu 7,5 Zentimeter große Weibchen – die kleineren Männchen werden um die sechs Zentimeter lang. Letztere haben während oder nach der Paarung oft das Nachsehen: Hat das Weibchen Hunger, köpft und verspeist es seinen Sexualpartner. Ist das nicht ein Evolutionsnachteil? Nein, sagt Biologe Schmitt: „Die Kopulation kann auch kopflos erfolgreich zu Ende geführt werden.“

Bei mir auf dem Balkon blühen auch noch Löwenmäulchen. Und die Nebelkrähe hat dort die verpackten Meisenknödel gefleddert und vier mitgehen lassen. Manno, wieso ist das heute alles so lahm, immer noch der Router oder mein Dingens?

Die Gottesanbeterin, praying mantis, ist laut dem südafrikanischen Schriftsteller Laurens van der Post auch ein heiliges Tier bei den Buschmännern.

 

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Kein Anschluss unter dieser Nummer

image

Licht geht. Heizung läuft. Teewasser kocht. Ich sitze am Küchentisch zwischen Zetteln, Zeitungen und Büchern. Kurz mal die Mails checken und die Impressis vom Sonntagsspaziergang in den Blog stellen. Passwort! Wieso Passwort? Kennt mein Tablet doch. Sogar das vom Server der Nachbarn ist für immer gespeichert. Egal, tipp ich es halt noch mal ein. Ist doch diese endlose Ziffernfolge, die hinten auf dem Router steht. Nicht? Wieso nicht? Das grüne Pünktchen für WLAN leuchtet doch. Nur das drunter für Telefonie nicht. Ich nehme den Hörer ab – oh ja, ich hab noch so einen antiken Festnetzapparat mit ergonomisch geformtem Hörerknochen und Ringelkabel zur Wandbuchse. Ich höre: ein leise schnarrendes Besetztzeichen. Ich rufe mich selber an: Nummer derzeit nicht erreichbar! Erste Anflüge von Panik. Wie soll ich denn jetzt bei der Telekom anrufen? Mit dem Handy für teuer Geld in der Warteschleife hängen? Und wo ist überhaupt die Nummer? Und wenn die auch nicht mehr ginge? Wenn man gar nicht mehr durchkäme? Wenn da niemand mehr antwortete am anderen Ende? Ich ziehe den Stecker raus. Während ich auf dem Boden zusammengesunken eine endlose Minute warte und dabei das Gerät anstiere, zieht sich die Panikwelle wie um Anlauf zu nehmen für einen Tsunami für einen kurzen Moment der Klarsicht zurück: Vor mir liegt der schlammig vermüllte Meeresboden meiner Ängste: Kein Telefon, kein Internet, keine Kommunikationen! Ich gehe runter zu den Nachbarn, die sitzen vor dem toten Fernseher. Ich ziehe auch dort den Stecker raus, dann spielen wir Karten.

Veröffentlicht unter Allgemein, Arbeit, Berlin, Fluss, Kirchen, Mission, Reise | Verschlagwortet mit , , | 2 Kommentare

Zeichen

image

Eidechse auf Berliner Pflaster im November. Ist ja wohl klar, was das heißt. Bei den Dogon, so erklärte mir mal ein schöner Mann, steht die Eidechse für den Menschen. Oder seinen Kosmos? Der Mann nahm ein heißes Bad und wir tauschten Jacketts. Meines war aus billiger saphirgrüner Fliegerseide, auf seinem waren safaribraune Eidechsen gedruckt. Es war mir viel zu groß, sodass ich es nie getragen habe.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, angkor, asien, Berlin, Literatur, Reise, reisen | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Japan

image

 

Das ist kein  Tsunami-Foto. Aber ich lese gerade zu viel darüber.Laurent Mauvignier zum Beispiel. Der Titel seines Buches  heißt „Mit leichtem Gepäck“ (dva) und führt zusammen mit dem Cover aus hellblauen Wellen völlig in die Irre. Oder geht es darum und die Schaumkronen sind eisblau? Lauter Paare treffen sich auf einer Reise und alle verlieren etwas. Sich, das Leben, einander, Wahrheiten. Die Geschichten gehen fließend ineinander über, ein Zurück zu den jeweiligen Protagonisten gibt es nicht. Verstörend nennt man das wohl. Und packend, noch so ein Auf-keinen-Fall-Wort. Amerikanisch, so weit das halt auf Französisch geht. Mauvignier, Jg. 1967, schrieb zuvor „Die Wunde“ über das Trauma des Algerienkriegs.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Arbeit, Armut, asien, Berlin, Errinnerung, Fiction, Literatur, Non-fiction | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Hineni, hineni

image

i want to travel blind

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Errinnerung, Health, Memory, Mission, music, Reise, travel | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Indien?

image

Der Himmel über meiner Schrebergartenhütte in Pankow ist auch Einflugschneise zum Flughafen Tegel. Ich bin mehr für Ausflugschneise, wenn das Blattgold vermodert, ist’s Zeit. Der Reiseblues trommelt,  so zb.:

https://kalabmusic.bandcamp.com/album/ank

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, asien, Berlin, expats, garten, Reise, reisen, Rentner, tourismus, travel | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Madonna

 

Berlin Friedrichstraße

image

 

Sie wollte nicht, dass ich sie fotografiere. Auf ihrem Schild stand Operation Krebs, sie ist aus Polen und wohnt hier in Berlin bei ihrer Tochter. Vor sich auf einer Decke hatte sie bonbonbunte Plastikhaargummis, eine Taschenlampe und ein Radio, das dödelte. Ich warf zwei Euro in ihr Schälchen, weil ich  mich gerade gegenüber bei Dussmann in der Friedrichstraße bei einem Buffett österreichischer Indie-Verlage umsonst vollgefressen hatte, sie bedankte sich mit zwei Kärtchen, auf denen einmal der Papst, auf dem anderen die Schwarze Madonna von Tschenstochau abgebildet ist. Am Ostkreuz sitzt seit Monaten immer mal wieder ein alte Frau, die ich aufgrund ihrer bunten Röcke als Roma einordnen würde. Sie hockt auf einer Pappe im Dreck bei einem Gebüsch und bindet Sträusschen aus Kornblumen und wildwachsenden Blumen, kleine gelbe Disteln, die sie von den Böschungen und Randstreifen  der S-Bahntrasse geflückt haben könnte. Ich hab ihr im Mai mal ein Sträusschen abgekauft. Sie bindet immer noch Kornblumensträusschen. Die können nicht mehr aus einer auch nur entfernteren Umgebung stammen. Wo bekommt sie die her? Wer besorgt sie ihr? Ist das hier organisierte Bettelindustrie?

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Arbeit, Armut, Berlin, fahrrad, Rentner | Verschlagwortet mit , , , , , , | 2 Kommentare

Potlatsch

image

Die Indianer Nordamerikas kannten es, die Eskimos und die Südseebewohner wie die Trobriander und ihre Nachbarn auf den Inseln in den türkisen Weiten des Pazifiks auch. Wo wieder mal die Idee einer evolutionären Verbindung über die Beringsee Sinn machen würde. Potlatsch, umgangssprachlich für sinnlose Verschwendung, das angeberische Raushauen aller Vorräte in einem großen besoffenen Fest, war mal irgendwie dazu da, den sozialen Status (wir hams doch) zu demonstrieren. Mit Schenken hatte das nur oberflächlich zu tun, wie schenken ja immer die Dankbarkeit als Gegengabe erpresst und den Beschenkten verpflichtet. Ja, nehmen ist schon seliger als geben. Die zur Vernichtung der Werte an Futter und Getränken eingeladenen Gäste waren die Statisten eines Rituals der stammeshierarchischen Selbstvergewisserung. Was hat das mit mir zu tun? Im Sommer 2017 wird die Volksbühne Berlin nach 25 Jahrem Castorf abgewickelt, Chris Dercon, ein smarter Ausstellungs-und Eventman, übernimmt die Intendanz, etwa zeitgleich wird Luftlinie etwa 200 Meter weiter auch in der Redaktion der Berliner Zeitung (und des Berliner Kuriers) das Licht ausgemacht. Eine neugegründte „newsroom gmbh“ übernimmt an neuem Standort die Produktion der Titel. In schlichter Kürze heißt das: Betriebsschliessung, Massenentlassung. Ja und was mach ich im Angesicht der drohenden Altersarmut? Ich kauf mir eine sauteure Bluetooth Bose Lautsprecherbox. Zum Trübsal blasen braucht man guten Sound. Yeah.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Arbeit, Armut, Rentner | Verschlagwortet mit , , , , | 2 Kommentare

Geht doch

image

Bild | Veröffentlicht am von | Verschlagwortet mit , , , | 4 Kommentare

Mehr vom künstlerischen Leider

image

Blöde Gans

Frankfurt: Schon am ersten Tag musste ich rauchen. Am zweiten auch. Mit Susanne, mit Melle. Oder wie die Dichterin Iris bemerkte: „Wenn einem so viel Scheiße wiederfährt, ist das schon einen Absturz wert.“ Wieder, sic. Mit dem holländischen Schriftsteller Gerbrand Bakker hatte ich ein unterhaltsames Gespräch  über Psychopharmaka. Ihm ist vor zweieinhalb Jahren sein Hund Jasper gestorben. Darüber geht unter anderem sein letztes Buch, ich habs noch nicht gelesen. Lesen soll man unbedingt dieses Buch: Hier sein, weg sein. 15 von den beteiligten 19 Schriftstellern aus Syrien sind da. Man erkennt sie an den Kopfhörern. Zu allen  Grenzen, die sie überwinden mussten, kommt die Sprachbarriere. Ein Übersetzer jongliert slapstickhaft mit zwei Mikrophonen. In das eine flüstert er, was auf Deutsch gesagt wird, in das andere übersetzt er die arabischen Statements von zwei der Autoren auf dem Podum simultan für uns ins Deutsche. Verstehen kann man da eigentlich vor allem, dass zwei Sprachen gleichzeitig nicht zu verstehen sind. Heinrich Riethmüller, der Vorsteher des Börsenverins, begrüßt die Gäste und fragt rethorisch, „Wie fühlt es sich an, ohne Wurzeln zu sei?“ Boing, da klingelt ein uralter Refrain (Wiederholung) des Nobelpreisträgers hinein: „How does it feel, To be without a home, Like a complete unknown, Like a rolling stone?“ Die inzwischen in Berlin lebende Rasha Abbas ist eine der wenigen Schriftstellerinnen, von der es schon was auf Deutsch gibt. „Die Erfindung der deutschen Grammatik“, bei mirkotext. Was die meisten der übrigen Autoren in ihrer Muttersprache publiziert haben und wie sie schreiben, davon lässt das Buch „Hier sein. weg sein“ Band eine Ahnung aufkommen. „Texte aus Deutschland“ lautet der Untertitel. Das in Windeseile, seit der Idee im Frühjahr dieses Jahres, entstandene Buch versammelt Gedichte und Erzählungen von 19 Schriftstellern, die nach Deutschland geflüchetet sind. Sie sind jung, sie sind alt, sie sind renommiert und berühmt in ihrer Heimat oder sie stehen am Anfang ihrer dichterischen Laufbahn. Bis auf eine Iranerin und einen Jemeniten kommen alle aus Syrien. Der Fotograf Mathias Bothor hat alle wunderschön porträtiert. Und wie immer im kleinen Secessions Verlag ist das Buch wunderbar gestaltet, es duftet nach Druckerschwärze und gutem Papier. Es wirkt kostbar – weil auf jeder Seite Zeilen zu lesen sind, die einen vernichten können. Das habe ich nicht geschrieben. Nur ergreifen. Berühren, schütteln, erschüttern. Gedichte, die einem Gänsehaut machen, Erzählungen vom Krieg, Leid, Flucht. Von Gefängnissen, von Scheiße, von Liebe. Es gibt Humor und Zartheit in den Texten, Zynismus und Realismus, und so unfassbar viel Schrecken. Man möchte zu heulen beginnen beim Lesen. Vielleicht sollte man mehr heulen. How does it feel?

Hier sein, weg sein. Anthologie syrischer Autorinnen und Autoren, Secession Verlag, Zürich/Berlin 2016., 256S., 24 Euro.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Arbeit, Armut, Berlin, fashion, Fluss, Food, Memory, Mission | Verschlagwortet mit , , , , | 1 Kommentar

Mehr Meer

image

Was kann schöner sein, als ein Buch zu lesen? Sich verlieben zum Beispiel. Und zu glauben, dass man die Einzige für den Anderen ist. So wie die junge Dichterin Charlotte Van den Broeck das in einem flüchtigen Bühnenmoment für Arnon Grünberg war. Die bezaubernde Flämin und der Niederländer eröffneten am vergangenen Dienstag Abend die Frankfurter Buchmesse mit einem Dialoggedicht. Darin ging es um das Paradies, in dem die Menschen einst nackt waren ohne Scham, aber eigentlich um das Paradies, das Europa ist. Und dieses Europa der humanistischen Werte wurde selten so innig und staatstragend beschworen in all den Reden vor echtem König und Königin. Ein echt sympathischer Martin Schulz outete sich als Kind einfacher Leute, dem die Welt der Bücher einst das Leben gerettet habe – er ist gelernter Buchhändler – und rief dann dazu auf, den „Aufstand der Anständigen“ anzuzetteln.Ja, ist schon schön, wenn Politiker und Funktionäre solch feine Reden halten. Und es danach belgischr Freibier satt gibt. Noch schöner kann es sein, sich in einen Liegestuhl zu fläzen und aufs Meer zu schauen. Auch dafür war gesort. Im schmeichelnd schummerlichitgen Gastlandpavillon  lief Auf drei Seiten und über 72 Meter eine Videoprojektion der Nordesseküste. Ebbe und Flut, im Zeiraffer. „Every swimmer swims a sleeper further, jedes Dahintreiben, jeder Kraultag…“ Ehrenamtliche Poesieflüsterer trieben sich dort noch herum. „Ich wolle verwirrt sein“, sagt der künstlerische Leider des Gastlandauftritts Bart Moeyaert, „dass nachdenken muss“.

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Arbeit, Mission, Reise | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | 2 Kommentare

Einmachgläser

Es gibt ja nicht bloß wurmstichige und faulpilzige Äpfel bei mir im Garten. Außerdem heißt es Erntedank- und nicht Erntejammerfest. Gelobt sein soll der unermüdlich dicke Früchte tragende Boskopbaum. Besungen und bekniet die Geschenke des Himmels, der Natur oder eines Gottes. Aber wohin jetzt mit dem ganzen Segen? Die Saison für besuchswillige Freundinnen mit geräumigem Fahrradgepäckträger und Hang zum schorfigen Bioapfel ist vorbei. Die Begeisterung der Hilfskindergärtnerin neben der Stadtwohnung ist nach dem fünften vollen Jutebeutel merklich gedämpft. Wird man ja derzeit mit zugeschüttet, sagt eine andere Bekannte und lehnt die Gabe schnöde ab. Den verwöhnten Bürokollegen ist der Apfel eh nur noch in Kuchenform unterzujubeln. Fluten, Schwemme, Überfluss. Egal, ob Flüchtlinge, Informationen oder Fallobst, das Zuviel wird mit Wörtern aus dem Gewässerbereich bedacht. Insofern ist die Anschaffung einer Saftpresse das Naheliegendste. Der Nachbar hat sich ein mechanisches Exemplar besorgt, das aussieht, als stamme es aus dem Museum der ausgestorbenen Hausfrauenquälereien. Mit stolzer Muskelkraft schraubt er die Pressscheibe am lustig rot lackierten Drehhebel in einen hölzernen Eimer, der an ein Fässchen erinnern soll. Unten tröpfelt ein naturtrübes Rinnsal heraus. Man könnte auch in die Mosterei fahren. Aber wir urbanen Hobbygärtner haben es ja lieber authentisch anstrengend. Ich will nur ein paar Zierquitten einmachen. So mühsam ist das Zerkleinern der knallharten Knubbel gar nicht, und wenn man das Kerngehäuse vorher entfernt hat, geht die Quittenmatsche auch gut durch die Flotte Lotte. Die Gurkengläser mit Schraubverschluss sind allerdings schon alle befüllt. Einmachgläser neu zu kaufen, mindestens 65 Cent das Stück, widerspricht der Spar-Ökonomie des Einmachens. Billiger sind volle. Bloß wer soll die eklig eingelegten Rote Beete essen? Es gibt kein richtiges Einmachen im,Falschen…image

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Arbeit, Armut, Berlin, Food, garten | Verschlagwortet mit , , , , , | 5 Kommentare

Erwin!

image

Wieso Erwin? Das Bakterium, das den fiesen Feuerbrand an Kernobstbäumen verursacht, heißt Erwinia amylovora. Im Apfelanbaugebiet von Südtirol herrscht rigide und weiträumige Rodungspflicht, wenn ein Befall gesichetet wird. Misteln, ein Zwischenwirt oder so, darf man dort überhaupt nicht mehr anpflanzen.Meldepflichtig ist die Krankheit acuh hier. Es gibt nichts dagegen, wär doch was für Bayer/Monsanto. Zuerst die Pflanzen so modifizieren, dass sie dafür anfällig werden, zugöeich.das Medikament dagegen entwickeln und dann als Monopolist teuer verscherbeln.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Berlin, Food, Health, Reise | Verschlagwortet mit , , , , , | 3 Kommentare

Fallobst

 

image

Schon wieder Herbstzeitlose…
Wir haben ein Problem. Ja, wir. Betrifft nämlich auch die allerordentlichsten Gartennachbarn. Zunehmend breiten sich Seuchen aus, da hilft nicht Zaun noch Hecke, schon gar nicht die penibelst gestutzte. Der Feuerbrand ist eine bakterielle Krankheit, 1957 erstmals in Europa gesichtet, meldepflichtig!, seit 10 Jahren vernichtet sie die Obstbäume bei uns. Die gemeine Fruchtfäule Monilia ist dagegen ein fast harmloset Pilz, der Kernobst vor der Zeit noch am Ast faulen und schimmeln und schwarz verknubbeln lässt. Der Faulpilz dringt über winzige Verletzungen ein, wächst kreisförmig um Wurmlöcher und Wespenbisse und überzieht sie mit weißgrauen Schimmelpolsterketten. Das sind die Sporenlager für das gnadenlose Überleben. Gesunde Bäume tragen gesundes Obst? Klar, Herr Nachbar. Meine Bäume sind alt und gebrechlich, sie jetzt noch mit einem Schnitt auf jung zu trimmen, wäre das grobe Ende, sie haben den Rost in den Knochen, den Schwamm im Holz. Kriegt man nicht mehr weg. Wie Nagelpilz bei alten Leuten. Früher hat man Fungizide gespritzt, Kupfersulfate, inzwischen verboten. Jetzt soll man die befallenen Teile „entsorgen“. Auf den Kompost sollen die fauligen Äpfel und die am Baum verschrumpelten Fruchtmumien nicht, weil der Pilz drin überwintert. Verbrennen wär gut, auch verboten. Restmülltonne, zu weit weg. In unserer ordentlichen kontrollierten Kolonie sowieso nur noch zu ausgesucht ungünstigen Stunden zugänglich. Ich könnte BSR-Plastiksäcke kaufen für 3 Euro das Stück und die dann zum Straßenrand schleppen, aber dafür Sonntagvormittag in die Vereins-Sprechstunde dackeln? Da heb ich lieber eine tiefe Grube für die Moderknubbel aus und hopse dann den Grabhügel platt.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Arbeit, Armut, Berlin, Food, garten, Genozidmuseum, Health | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Frauenfüße

 

image

Sechs Tage Tourist im Zwischenreich. Blaue Flecken an den Armen. Alte Frauen mit offenen Beinen stöhnen im Schlaf. Eine hat Plastiktüten an den Füßen und raucht im Hof, eine weint im Flur. Sie sorgt sich um ihren Mann, mit dem sie seit 1950 zusammen ist. Am Hauptbahnhof wird Schokolade ausgegeben.

Veröffentlicht unter Allgemein, Arbeit, Berlin, Food, Food, Blog, Health, Fashion,, Health, Reise, tourismus | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Charity

image
„Ihr, die ihr hier eintretet, lasst alle Hoffnung fahren“. Ganz so pathetisch wie Dantes Hölle, die ja schlussendlich eine Komödie ist, ist es nun auch wieder nicht. Aber schon irre, wie schnell das Krankenhaussystem einen auf die Größe eines Fliegenschisses zurechtfaltet. Krank? Sie warten schon vier Stunden? Die Ärzte hier haben wichtigeres zu tun. Feierabend, Mittagspause, Visite  – die dauert dann bei mir,  -wir haben jetzt gut 24 Stunden später, ich hab in einem frisch bezogenen Bettchen geschlafen – etwa 20 Sekunden. Wie gehts Ihren Schmerzen? fragt der Obermufti mit einem Gefolge aus einem Dutzend Studenten.  Dazu zückt er eine aufklappbare Lupe aus der Weißkitteltasche und glotzt mir auf die „Stelle“ im Gesicht. Welche Schmerzen? Ach dann ist ja gut  tschüss. Hä? Dafür gibt es ein herrliches Frühstückstablett mit jenem köstlichen Dreieck Schmelzkäse, das es nur noch in ganz speziellen Pensionen der Erinnerung gibt. Wie, Sie sind gar nicht Frau Krausnick? Vielleicht könnte man von meinen Abertausend Märkern, die ich als treuer Kassenpatient jahrzehntelang eingezahlt hab, dem renommiertesten Universitätskrankenhaus der Hauptstadt mal ein Computersystem spendieren? Müssten sie einem auch nicht mehrfach die selben Fragen stellen – trinken Sie Alkohol? – oder Blut abzapfen, wobei der Famulant (schönes Wort, hübsches Kerlchen auch!) das Venenzerstechen geradezu liebevoll zaudernd praktiziert und die blauen Flecken beim dritten erfolglosen Versuch des Nadellegens echt ganz winzig bleiben. Ja bei irgendwem muss er das ja mal üben dürfen!

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Arbeit, Berlin, Food, Blog, Health, Fashion,, tourismus | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 6 Kommentare

Sie haben Post

image

„Nutzen sie diese eigenartige Gelegenheit, unsere Generika Potenzmittel Testpackung auszuprobieren.“ Ich finde es nett von diesem Al Logo, dass er mir das zutraut. Vorgestern fashionblogger, heute Potenzmitteltester. Könnt ich nicht mal Kurklinikkritiker werden?

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Arbeit, Berlin, Mission, Reise, Rentner, tourismus | Verschlagwortet mit , , , , , | 3 Kommentare

Sonnenallee 13o

image

Der heutige Preis für die schönste location gebührt Jörg Sundermeier. Für seine Buchvorstellung hat er den Späti 130 auf der Sonnenallee 130 ausgewählt. Dreierlei Tapeten, Kaffeesahne, Resopaltische. Der Verleger des Verbrecher Verlags hat ein Buch im be.bra Verlag veröffentlicht. Es heißt Sonnenalle und geht über die gleichnamige, aus Literatur, Film und Fernsehen berühmte Sraße in Neukölln.Täglich erfahren hat der Autor sie mit dem 41er, nach seiner Lesung überredet er – ganz „Wir sind hier in Neukölln“ Kiezhistoriker  mit Konnections – im Ernst Alek dazu, sein Fahrrrad mit in den Bus zu nehmen. Den Slapstick hab ich mir leider nicht angeguckt. Ebensowenig die nächste Buchvorstellung am Kotti, „Votzenfenderschweine“ aus Jörgs Verlag, das Buch der Musikerin Almut Klotz, das diese kurz vor ihrem krankheitsbedingten Tod vor drei Jahren in einem Rausch, Rutsch, runtergeschrieben hat.

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Arbeit, Berlin, Reise, reisen, tourismus, travel | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Mode und Verzweiflung

image

Ich als Fashionbloggerin, stand in der Einladungsmail,und allein deshalb ging ich hin. Und ein wenig auch, weil ein Besuch im Hotel Adlon am Brandenburgertor schon auch schick ist.  Zog dann aber doch die schon etwas angeschmuddelte Jeans, Hemd und eine kurze Lederjacke an, die ich von einer Freundin geerbt hab, die sie wiederum von einer befreundeten Künstlerin geerbt hat. Und bingo, zuerst gabs einen Run von Lagerfeldklamotten, und die sahen genau so aus, wie das was ich anhatte. Das Publikum, zumeist sehr vornehm gekleidete Chinesinnen, wussten anfangs nicht, ob sie lachen sollten. als da männliche Models mit Dutt in Jeans, man trägt weiterhin enge Röhren, dunkelblauem Pulli und Turnschuhen über den Laufsteg schlenderten. Paar Frauenkostüme in asphalt oder gedecktem moderlilabraun gabs auch, und auch hier beruhigend: weiterhin flache Schuhe. Die  Chinamodels führten dannallesamt lange Abendroben in Kolonialstyle vor, papageinbunt schillernde Seide, zu kostbar,  um sie nur als Nachthemden zu tragen. Die, bzw zwei davon wurden versteigert, der Erlös ging an ein bestimmt nettes eherenamtliches Projekt zur Flüchtlingshilfe in Westend. Die Initiatoren waren da und erzählten sympathisch engagiert von ihren nachbarschaftlichem Plänen, Cafe, Bibliothek, Begegnungsstätte, Handwerkswerkstätten usw. Die Initiatoren der Veranstaltung hatten sich das am Vortag angeguckt, also die Bambuspforte Gesellschaft für Deutsch-Chinesischen Kulturaustausch, mit der bezaubernden Liu  -wir haben auch Migrationshintergrund – und selbst die Modeschöpferin. Yang Minming, die ein silber glitzernd besticktes kanariengelbes Gewand,trug, das 30000 Dollar kosten würde. Am Schluss erbarmten sich zum Glück zwei chinesische Damen je ein Kleid für etwa 750 Euro zu ersteigern. Dann bekamen wir alle einen scheusslichen Schlüsselanhänger von Swarovski und ein Freigetränk. Sekt oder O-Saft. Puh, ich glaub, ich will doch keine Fashionbloggerin werden.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Armut, asien, Berlin, Mission | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | 2 Kommentare

Goethes Gartenhaus

image
Gärtner brauchen ja keinen Urlaub. Schon gar nicht im Sommer. Ich jedenfalls vermisse jedes einzelne Wochenende, das ich nicht in meinem Schrebergärtchen sein kann. Meine Nachbarn hingegen müssen die Schulferien ausnutzen, um mit ihren Kleinfamilien wegzufahren. Mein Glück, da ist mal für drei Wochen Ruh mit dem Kindergekreisch und dem Grillmeistergemacker. Das irre aber ist, dass ihre Beete ganz ohne Betreuung wie im Bilderbuch daherwuchern. Schulterhohe Tomatenstöcke voller dicker Dinger, Bohnen ranken ins Himmelblaue und knallpralle Erbsenschoten lugen bis über den Gartenzaun zu mir. In Nachbars Garten auf der anderen Seite sind die Kohlköpfe zu exaltiertem Gewölk erwachsen, das jeden Ikebanastecker blassaussehen liesse, Kürbisse wie Medizinbälle. Die Kartoffeln will man lieber gar nie sehen. Bei mir haben die Schnecken sogar das im Fachhandel vorgezogene Sixpack Selleriepflänzchen auf Stumpf und Stiel aufgefressen. Roten Bete und Mangold haben es nicht mal in meine ferne Erinnerung geschafft. Tomatenanbau hab ich schon lange aufgegeben. Ich mag auch keine Tomaten. Anfang August hab ich mich immerhin noch mal durchgerungen, den struppigen Teppich aus bitteren Rauken, wilden Möhren und zierlichem Fenchelgegakel aus einem Beet zu rupfen, verirrte Akeleien gleich mit. Dann vorschriftsgemäß Spinat und Feldsalat ins frisch planierte „Herbstbeet“ gesät, Samen in Rillen gedrückt, und Eimerweise schummriges Wasser aus der Regentonne apportiert, um die fiederigen Triebspitzen, ja sie guckten kurz raus, zu gießen. Und nun? Nix mehr da. Ein Wochenendtrip nach Weimar hat gereicht, auf einer Holzbank dem Rauschen uralten Parkbäumen gelauscht, Goethes Phloxrabatten und sein rosenberanktes Gartenhaus besucht. Rosen, ach je, gehen bei mir auch nicht. „Weit und schön ist die Welt, doch o wie dank ich dem Himmel, dass ein Gärtchen beschränkt, zierlich, mein eigen gehört. Bringet mich wieder nach Hause! Was hat ein Gärtner zu reisen? Ehre bringt’s ihm und Glück, wenn er sein Gärtchen versorgt.“ Sagte Goethe – bevor er nach Italien reiste.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Arbeit, Berlin, garten, Reise, travel | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | 2 Kommentare

Goethe

 

image

Weimar wieder. Im Park spielen sie Federball, das blonde nackte Kind, eine Flasche  Prosecco an den Bauch gedrückt, rennt über die Wiese. Ich lümmel auf einer Holzbank im Schatten. In meinem Buch geht es um Heimweh nach einer Zukunft, die längst verpasst ist. Auf dem Marktplatz ist Weinfest. Alle Tische und Tresen sind voll. Auf dem Mäuerchen ist kein Platz mehr. Bänke und Hocker sind im Boden verschraubt. Vor den Mülltonnen, Weimar ist sauberer als Singapur, ist einer frei. Eine Frau setzt sich zu mir, rücklings, wir ruckeln, sodass wir beide Platz haben, ohne uns zu berühren. Nachdem ich mir ein neues Bier geholt habe, setzen wir uns parallel nebeneinander. Angelika war Kindergärtnerin, ist Rentnerin und mit dem Fahrrad da. Sie trinkt Wasser aus ihrer Flasche und raucht Discounter-Zigarrillos. Ihr Telefon klingelt, ja, sie sitze jetzt noch auf dem Weinfest. Wartet jemand auf sie.Sie ist ein Nachtmensch, schon immer gewesen. Ein Typ drängelt sich an unsere Rücken auf den Hocker. Mädels, sagt er, gibts hier auch einen Puff. Wir sind zu sprachlos, um ihn zu bewchimpfen. Erfurt, sagt Angelika, da sei es auch schön. Rauchen wir noch eine zusammen?

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Arbeit, garten, Reise | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Vollzeit

image

Halb elf am Morgen. Als ich nach der Arbeit wieder am Ostkreuz vorbeikomme, ist er gerade aufgewacht: ein hübscher Junge, er blinzelt in die schräge Sonne und wundert sich darüber, dass er im Schlaf sogar Geld verdient hat.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Arbeit, Armut, Berlin, garten, Mission | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Ausgang

 

image

Psychodelisch pinkeln in Friedrichshain. (Foto und Ausgehanimation  Povl)

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Berlin, Fotografie, reis, travel | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Das Tier am Bier

 

image

und hier noch die angekündigten Witzsätze aus Selim Özdogans  Roman „Wieso Heimat, ich wohne zur Miete“:

Egal wie jung du bist, Judas war Jünger.Egal wie dicht du bist, Goethe war Dichter.
Egal wie gut du fährst, Züge fahren Güter.Egal wie viel Curry du isst, Freddy ist Mercury. Egal wieviel Hering du fischst, Helene ist Fischer.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Arbeit, Armut, Berlin, katze, Mission | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Neben der Spur

image

Auch in Berlin lässt sichs gut obdachlos sein. Alte Jakobstraße, gute Adresse. Krankenkasse und Discounter nebenan. Hier, im Text, also nicht dort, wo jede Pizza-to-go-Bude den Standort geradezu zum gesellschaftlichen  Hotspot aufwerten würde, müssten mal ein paar Witze her,  solche wie im Buch von Selim Özdemir mit dem schon mal ziemlich witzigen Titel „Wieso Heimat, ich wohn zur Miete“. Buch ist leider grad im Büro

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Arbeit, Armut, Berlin, Fotografie | Verschlagwortet mit , | Kommentar hinterlassen

Auf der Zeil

image

Silvio ist Romani. Die Passanten in der Fußgängerzone finden seinen Sandhund süß und wollen ein Foto machen. Gerne mit dem Enkelkind drauf. Dafür lassen sie dann ein paar Münzen springen. Ich auch. Die Eiscafes und Fressbuden der Frankfurter Zeil sind gut besucht, in den Kaufhäusern ist schon Sommerschlussverkauf. Ein Flaschensammler steckt bis zum Schulterblatt in einer Mülltonne. Einer trägt einen grauen Schlafsack offen wie eine Braut ihren Schleier. Wie zusammengefaltete Monoliten kauern dunkel verhüllte Kopftuchfrauen einzeln auf dem Boden. Ein Mann sitzt in einem Rollstuhl, wo seine Beine nicht sind, steht ein kleiner Lautsprecher, braunkarierte Hosenbeine sind um seine Stümpfe gesteckt. Er hat graublonde Haare und Bartstoppeln in einem zerfurchten schmalen Gesicht. Auf einer Laute zupft er eine orientalische Mollmelodie. Dann singt er, auf kurdisch oder arabisch, was auch immer, es ist ein Klagelied, er hat die Liebe oder die Welt verloren. Ich bleibe in der Nähe stehen, trau mich aber nicht, ihn anzusprechen. Eine zu stark geschminkte junge Frau in zu engen Klamotten und zu hochhackigen Schuhen eilt in ein Billigmodekettengeschäft, macht an der Tür kehrt, kramt in ihrem Handtäschchen, kommt zurück und wirft dem Mann einen Silberling in den Lautenkoffer. Als ich nach einer Weile weitergehe, hört er auf zu singen.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Arbeit, Armut, Fotografie, katze, Reise, Trauma | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | 3 Kommentare

Bücherflucht

 

image

Eigentlich sind ja Bücher gut dafür, sich aus der Wirklichkeit zu stehlen. Bei mir sind es gerade zu viele, weshalb mir die Wirklichkeit schon fast abhanden kommt. Man könnte auch sagen, ich  erlebe nix mehr, weil ich nur noch Bücher lese. Ab morgen sollte sich das wieder etwas ändern. Da fahr ich nach Frankfurt, auf der Fahrt dorthin werd ich im Bordbistro haufenweise Kaffee trinken und im Tolino, so heißt dieses schicke Lesegerät, ja, lesen halt. Vielleicht guck ich auf dem Rückweg nur noch aus dem Fenster. Oder ich belausche Gespräche Fremder, oder, noch wahrscheinlicher, bin genervt von solchen und stöpsel mich wieder in ein Buch ein.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Arbeit, Berlin | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentar hinterlassen

Sommer

image

Das ist ein Gruß nach Tel Aviv. Der Baum voller Sauerkirschen steht in meinem Schrebergarten in Pankow. Ich warte auf die Brombeeren, um die Kirschen wieder mit Chili einzumachen. Aber wenn die Brombeeren reifen, beginnt der Herbst. Dann ist schon wieder ein Jahr rum. Wie dumm.

Veröffentlicht unter Allgemeines, Berlin, Fotografie, garten, kampot, Tempo | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentar hinterlassen

Schrebergarten

image

Was Nachbarn angeht hab ich echt ein Sauglück. Die einen haben zwei kleine Kinder. Die kriegen ab und zu Zähne.Braucht der Mensch. Auch Wasser, im Sommer besonders in aufblasbaren Plastikpools, erzeugt es bei kleinen Menschen zwingende Kreischgeräusche. Dagegen hat Misanthropie  keine Chance. Nachbarnhass? Da gibts ganz andere. Die,die keine Geräusche machen. Sie sind noch nicht.tot, sie bewirtschaften ja immer noch ihren Garten, seit vierzig Jahren bestimmt, oder siebzig, Geschichte, vergiss es, jedenfalls vorbildlichst, machen nie Lärm oder Rauch, bloß an den Zaun, an die Mauer stellen, das täten sie  uns jederzeit.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 2 Kommentare

blöde Kunst

 

image

Oberbaumbrücke, East Side Gallery, Spreeufer. Leicht bekleidete Eingeborene. Für junge Berlinbesucher ein Muss, mit Sefie vor den Grafitti auf denMauerresten. Jetzt sind 340m der über 1,300 laufender Graffitobildmeter überklebt mit Fotos vom Krieg. Kobane in Schutt und Asche zerschossen, versehrte Menschen. Kinder ohne Beine, Männer mit verschobenen Gesichtern, Mädchen mit Handprothesen. Kein Blut, kein schreiender Schmerz, Wunden sind vernarbt, die Stümpfe versorgt. Der Fotograf Kai Wiedenhöfer hat mal in Damaskus arabisch studiert, auch die letzten Jahre war er mehrmals länger dort. Seine Fotos sind brutal, die von ihm fotografierten Opfer des Krieges setzen sich frontal in Szene, ein kurzer sachlicher Text berichtet,  wer sie sind, wo und wie sie verletzt wurden und wie sie jetzt leben. DieBilder sind krass und agitativ, sie nötigen einen zur Stellungnahme. Dazwischen.9 m lange Landachaftspanoramen, Ruinen in blendend weissem Sonnenlicht. Irgendwo darin wie vergessene Statisten in einem Filmset ein paar herumstreunende Jungs oder Männer um ein Müllfeuer herum. Zur Eröffnung der temporären Fotoausstellung über Syrien hatten einige Künstler der East Side Gallery (jener unsäglichen, aber als Citybranding und bei Touristen ungeheuer beliebten Mauergraffitis) die Fotos aus dem Bürgerkrieg bereits abgerissen, um ihre (kurzfristig überdeckte)  „Kumst“ wieder frei zu legen. Wie blöd können Künstler eigentlich noch sein?

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Armut, Fluss, Fotografie, Genozidmuseum, Insel, Memory, Mission, tourismus, Trauma, travel | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Ich sehe rot

image

Feuerwanzen an der Hermann Hesse Ecke Tucholskistraße. Das kann man nicht erfinden, ist so. Gegenüber steht ein Umspannhäuschen, was ist das überhaupt, in mannshohem Unkraut und sehr lila mit einer Szene aus Tschaikowskis Ballett Schwanensee bemalt.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Arbeit, Armut, asien, Berlin, Fotografie, garten, reisen, Rentner | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Amsel im Spechtloch

 

imageDieser gutgelaunte Musiker im U-Bahnhof Moritzplatz kommt aus Benin.

Der Apfelbaum hängt wieder voller knopfgroßer Früchtchen. Im letzten Jahr hatte eine Windböe die Hälfte des alten, vom Rostpilz geschwächten Baumes abgeknickt. Vor Schmerz hatte der versehrte Riese daraufhin die frugale Fortpflanzung eingestellt. Zum Glück ist er nicht nachtragend, dieser Herbst verspricht wieder eine fette Boskop-Ernte. Zunächst aber dient der knorrige Greis einem Amselpärchen zur Fortpflanzung. Der Buntspecht hat schon mal ein paar getränkedosengroße Löcher in den Stamm gehackt, eines davon hat sich das Amselweibchen als Nest ausgeguckt. Praktisch, denkt sich das dumme Gör und apportiert emsig Blättchen zum Auspolstern des Fertigbauheims. Oh weh, oh weh, das ist zu klein, zwitschere ich warnend. Aber natürlich versteht mich das Tier nicht. Erinnert es denn keine seiner Artgenossinnen daran, dass im vorigen Jahr die winzigen Küken eins nach dem anderen aus dem Spechtloch plumpsten und auf dem Erdreich jämmerlich ihr Lebenslichtlein aushauchten? Wie groß war das Geschrei der Eltern damals! Bis in den Herbst hinein jammerte das Pärchen gar gotterbärmlich und krächzte sein Leid – mit Lied hatte das nichts mehr zu tun – stundenlang vom Apfelbaum aus in den Abendhimmel. Nichts vom möglichen Unheil ahnend plustert sich der Amselerich jetzt dort auf dem höchsten Ast auf und trötet den Stolz auf seine fleißige Braut und den geplanten Nachwuchs in den höchsten Tönen in die Schrebergartenwelt hinaus. Er zetert und kollert und keckert und trillert, er schnattert und quasselt, dass es nur so seine testosterongeschwellte Bewandtnis hat. Führt er Selbstgespräche, flirtet er noch, oder nervt er die Eroberte schon mit besserwisserischen Ratschlägen zum Innendesign der Nestgestaltung? Protzt er bereits mit dem Gymnasium, auf das die Kinder sollen, oder schwingt er nur Angeberreden, um das Revier zu behaupten? Für den großen Überblick propellert er eine kurze Runde in die Höhe, dann thront und trällert er wieder.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Berlin, Errinnerung, garten | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 2 Kommentare

Heimspiel

image

Die Klassiker für den Anfänger: Zwei Sixpack mit Petunien aus dem Baumarkt zum Sonderpreis. Alle knallbonbonrosa, haben die vier laufenden Meter Balkonkasten optimal ausgenutzt. Invasiv, könnte man das schon nennen. Die Geranie hält mit massenhaften Blütenstraußen in Puffrot dagegen. Die ausgesähten Tagetes dazwischen haben es schwer, den widrigen Umständen zum Trotz fahren sie zähe knopfgroße Blüten in Dottergelb auf. Einer von vier aus dem Supermarkt  geretteten Petunienkrüppel blüht jetzt samtig lila und fügt sich, der Schlampenerotik seiner wie Sommerröcke wehender Trichterblüten bewusst, kommentarlos in die vulgäre Farborgie ein. Sogar die blassblaue Glockenblume hat einen Hau ins Kitschige gekriegt. Und ja, der Fleck dahinten ist der zunehmende Mond.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Berlin, garten, Insel, Mission | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Künzelsau

Xxximage

Am oberen Bach wurden ein paar Dinge gerettet.

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Fluss, Reise, reisen, Rentner, Rote Khme, salz, Tempo, tourismus, Trauma, travel | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen

Sharing economy

image

Dieser Baum steht im Goethe Park von Weimar. Schlechtes Wetter, Regen, grauer Himmel, hat  seine guten Seiten. Vernebelung, obfuscation. Ich kenne einen Fotografen, dessen beste Bilder bei Nebel, im Rauch, im Regen oder nachts entstanden. Sonne never. Tageslicht trüb. Südafrika eben. In Weimar hat es auch geregnet. Das Goethe Institut hielt dort ein Kultursymposium ab. Thema teilen und Tauschen.  Sie zahlten mein Hotel, das war super und lag hinter dem Baum im Park.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines | Verschlagwortet mit , , , | 3 Kommentare

Späti crawl

image

ist da ne Demo? Fußball? Aufruhr, Party? Freitag Nacht um halb Zwölf ist unsere historisch belanglose Seitenstraße plötzlich voller Leute. Sie stehen herum, sie reden, sie lachen, sie vermengen sich in ungeordneten Gruppen. Alle haben eine Pfandflasche in der Hand. Nach einer viertel Stunde ist der Spuk vorbei, der Pulk zieht weiter. Waren alles Ausländer, sagt der türkische Spätiinhaber. Türkischer Späti, mahnt mich Bloggerin Daggi Dinkelschnitte ab, sei selbst rassistisch, weil Späti in Türkisch ja wohl Kiosk heißt. Das interessiert den türkischen Kioskbetreiber wenig. Mehr als ein halbes Dutzend Biere hat er nicht verkauft, die meisten hatten ihr Wegbier schon, aber man freut sich ja auch über wenig, sagt er.. Früher hat er mal ein Casino gehabt, aber das wär jetzt eine andere Geschichte. Was wir gerade gesehn haben, ist ein „Späti Crawl“. Der muntere Mob kommunikationsfreudiger junger Menschen mit nichtdeutschem Hintergrund, man nennt sie auch Touristen, ist ein modernes urbanes Phänomen. Man verbredet sich im Internet, hier war es die Plattform von couchsurfing, zu einem feierabendlichen Stadtspazierung, gerade ist Friedrichshain „hip to the hop“. Knapp vier km lang war die Route vom Freitagabend, los gings am U-Bahnhof Frankfurter Allee,Treffpunkt Südausgang, im Zickzack durch die Straßen – die Ecken sind das entscheidende – zügig über die Modersohnbrück, die  Oberbaumbrücke bis zum Endpunkt Skalitzerstraße. Die Zusammenrottung von Dutzenden einander zunächst fremder Leute zum geführten Ausgehen ist quasi social media analog. Getrunken wird dabei gemäß dem Motto: Ein Bier in der Hand ist so viel wert wie zwei in der Kneipe. Denn das betreute Trinken findet nicht in Clubs oder Bars statt, sondern auf den supersexy Straßen von Berlin. Das ist lustiger und billiger. Eingekehrt wird bei dem international als kultig geltenden Berliner Späti. Sterni für 60 Cent. Bei sechs Spätis, sagt einer der Mitläufer, hätten sie schon angedockt. Er kommt aus London, war ne anstrengende Woche, er ist müde, er bleibt am Holztisch von unserem Kiosk sitzen, seine neue Bekanntschaft aus Australien, oder war’s Bulgarien, auch. Sie hat glitzernde Augen und Haare und sieht überhaupt nicht müde aus. Couchsurfing sag ich da nur. Die JuLis, das sind die,Jugendlichen der FDP,.hatten übrigens am Sonnabend zum Späti Crawl in Mitte aufgerufen. Als Demo zum Schutz der Spätis.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Berlin, fahrrad, Reise, reisen, tourismus, travel | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | 5 Kommentare

Genscherismus

image

Die sagenhaften und die furchtbaren Geschichten aus der georgischen Vergangenheit füllen Romane, Bibliotheken und Archive. Das nationale Zentrum für Manuskripte liegt ziemlich versteckt in einem Wohngebiet – zumindest für den Fahrer unseres Kleinbusses. Vielleicht ist das aber auch ganz gut so, denn hinter den Eisentüren und zugebauten Fenstern bergen die Räume unfassbare museale Schätze. In langen Holzregalen und ein paar Vitrinen lagern armenische, griechische, türkische, georgische Handschriften, Korane, persische Miniaturen, orthodoxe Bibeln in allen Größen, Codices auf Pergamentrollen und kostbar verzierte Ausgaben des georgischen Nationalepos vom Recken im Tigerfell. Auch das Kühlsystem sieht ziemlich museumsreif aus, aber die Hüterinnen des Wissens – die Archivarinnen und Professorinnen wieder allesamt weiblich – hoffen auf einen baldigen Umzug ihres Instituts.
Auf einer Baustelle – ganz Tiflis scheint sich im permanenten Prozess aus Verfall und Restauration zu befinden – empfängt uns danach der Künstler Vato Tsereteli. Weil die hiesige Kunstakademie ausnahmsweise noch nicht der Erneuerung durch lauter junge Frauen in Führungspositionen unterzogen wurde, hat der in Antwerpen ausgebildete Künstler eine alternative Kunstschule gegründet. Statt klassischem Kunstunterricht gibt es dort Schulungen in Projektentwicklung, Sponsoring und Marketing, ein Videoarchiv wird aufgebaut, eine Buchreihe zur georgischen Kunstgeschichte aufgelegt, in einem „Archive of Transition“ wird die Stadtgeschichte als persönliche künstlerische Erzählung aufbereitet, ein nachbarschaftliches Urban-Gardening-Projekt erforscht den Kräutergarten Medeas. Drei Jahre lang hat das deutsche Auswärtige Amt und das bei zivilgesellschaftlichen Kunstprojekten immer hilfreiche Goethe Institut die Aktivitäten unterstützt, nun ist auch hier Zeit, auf eigenen Füßen zu stehen. Was unsere Dienstreisendelegation dazu ermuntert, endlich auch mal ein paar Meter auf Füßen durch die Stadt zu gehen.
Unsere Gastgeber haben unser Besuchsprogramm so perfekt durchorganisiert, dass wir langsam leichte Anfälle von Genscherismus verspüren: Immer wartet schon der Bus, um uns zum nächsten Termin zu chauffieren. Keine Chance für Souvenirshopping oder individuelles Herumstreunen. Zum Glück gibt es in Tiflis kein ernstzunehmendes Ladenschlussgesetz, so dass wenigstens der Erwerb von grüner Pflaumensoße und des weltberühmten Cognacs drin sind.

image
Die Nahrungsaufnahme in edlen Restaurants wird immer damit verbunden, dass wir zwischen Walnussaubergine und Grillfleisch einen oder mehrere echten Schriftsteller kennenlernen. Genau, all die …schwilis und …dzes. Die Endung …schwili/shvili bedeutet Kind von dem oder jenem Vater, …dze steht für Sohn von. Die Krimis von Abo Lahagashvili, der im Brotberuf Bergführer ist, werden im Berliner Verlag FotoTapeta erscheinen. Ein Roman von Nana Ekvtimishvili, die 2013 als Regisseurin auf der Berlinale mit ihrem Film „Die langen hellen Nächte“ Furore machte, wird bei Insel erscheinen. Im verwunschenen Gartencafé des Schriftstellerhauses erzählt die in in Babelsberg studierte Autorin, dass entgegen all unserer Wahrnehmungen die georgischen Frauen immer noch in streng patriarchalischen Familienverhältnissen leben. Die kettenrauchende Ana Kordzaia-Samadashvili widerspricht dem ein wenig, sie scheint aber auch die einzige, die nicht ungebrochen für ihre Regierung und nicht voller Aufbruchsenthusiasmus ist. Die Zeiten des Chaos in den 1990ern bis 2004, in denen es so gut wie keinen funktionierenden Staat und oft nicht mal Strom gab, sind der sarkastischen Autorin, Jelinek-Übersetzerin, als Sommer der Anarchie in Erinnerung. Damals war die uralte georgische Kulturtradition des Kiffens noch nicht verpönt, raunt sie und bietet mir eine ihrer Superslim Zigaretten an. Dass die Georgier, insbesondere die georgischen Kulturschaffenden viel Wein trinken, können wir nicht bestätigen, dementieren aber auch nicht. Zuhause beim  historisch doppelt vertriebenen Schriftsteller Giwi Margvelashvili stehen die Champagnerflaschen wie vergessene Trophäen im Buchregal.  Der fast 90 Jährige philosophiert über Heidegger, wir mümmeln dazu Erdbeeren.

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Berlin, Kirchen, Reise, reisen, tourismus, Trauma | Verschlagwortet mit , , , , , , | 4 Kommentare

Das goldene Fleece

 

image

Um neun Uhr früh holt uns Salome ab und bringt uns zu Medea. Also echt. In einem Land, in dem die Frauen solche Namen haben, muss man doch vergangenheitsirre werden. Dass die Hellenistin Medea auch noch aussieht wie eine griechische Göttin auf Highheels, und eine tolle Armada höchst qualifizierter, junger Amazonen in ihrem Organisationsteam hat, macht die sachliche Berichterstattung nicht gerade leichter. Medeas Tochter heißt übrigens Helena.
Der Grund für diesen georgischen Hang zur Mythologie ist einfach die Geschichte mit dem Goldenen Vlies. Das ist nichts mythologisch verschwurbeltes, sondern was ganz simpls un das kommt von dort. Auf der Suche nach dem sagenhaften Teil schipperte der Argonautenführer Jason nach einigen Umwegen übers Schwarze Meer und landete, wo sonst, in Georgien, das sich an dieser Ecke damals Kolchis nannte. Dort, das wusste schon der Grieche, gab es unermessliche Goldschätze. Die wurden nicht nur aus Minen in der Erde geborgen, sondern auch mit Schaffellen aus den Bergbächen gesiebt. Die Methode hört sich selbst schon ziemlich paradiesisch an. Man hängte die Felle über Nacht in die fließenden Gewässer, trocknete sie am kommenden Tag auf der Wiese und bürstete die Goldpartikel heraus.
„The Golden Fleece“, wie es auf den englischen Schautafeln im Nationalmuseum heißt, meint also schlicht so ein filziges Fell, in dem sich der Goldstaub verfangen hat. Vitrinen voll filigran gearbeiteter, kostbarer Geschmeide aus homerischen Zeiten sind im Nationalmuseum ausgestellt. Durch das führt uns am Nachmittag eine (natürlich weibliche) Archäologin, die so ansteckend begeistert ist von ihrer Sammlung, dass sie ab und zu verzückt die Augen schließt.
Ach ja, und im großzügig umgebauten Foyer des Museums grinst ein zottiges Pärchen von der Wand. In Georgien wurden auch noch die Knochen der ersten aufrechten Hominiden auf unserem Kontinent gefunden, 1,8 Millionen Jahre alt, nur wenig jünger als die äthiopische Lucy. Weil ein Schädel einen zahnlosen Unterkiefer hat, der „abgekaut“ ist, mutmaßt man, dass es sich hierbei um einen der ersten Beweise für Altenpflege handelt. Ein Mann versucht, uns einen Strauß Margariten zu verkaufen.
Doch zurück zu Medea, nicht jener seinerzeit in Jason verliebten Königstochter, sondern der gegenwärtigen, wegen der, beziehungsweise deren Aktivitäten wir schließlich in Georgien sind. Medea Metreveli ist die Leiterin des Nationalen Buch Centers, das dem Kultusministerium untersteht. Sie verantwortet das Projekt, Georgien im Jahr 2018 auf der Frankfurter Buchmesse als „Gastland“ zu präsentieren. Mit einer Energie, der wir trotz zugeflößtem Instantkaffee kaum folgen können, rattert sie Fakten, Zahlen, Namen, Erfolgsmeldungen, Ziele und Pläne herunter, springt auf, holt neue Bücher aus neuen Regalen, wedelt mit Broschüren und Flyern, in denen wir alles zu Autoren, Büchern, Übersetzungen, Symposien, und sonstigen Aktivitäten nachlesen können. (https://book.gov.ge)
Georgien hat 200 Verlage, sie produzieren 4000 Buchtitel pro Jahr, mit einer verkauften Auflage von 5000 hat man einen Bestseller, das Land gibt 18 Millionen Laris jährlich für Kultur aus, etwa zwei Prozent des Staatshaushalts. Die georgische Literatur speise sich aus „viel Verrücktheit, Wein und Talent“, nur ein bisschen ironischer, so Medea, dürfe sie noch werden.
„Wir sind Enthusiasten und uns fehlt immer Geld“ , legt Tako Tashvili nach. Dass die Direktorin des staatlichen Filmcenters ebenfalls jung, charmant, eloquent, schnell im Kopf und nebenbei unverschämt gut aussehend ist, versteht sich wohl von selbst.
Umgehauen von dermaßen viel Frauenpower, ist es fast eine Erholung, als wir danach in einem viel zu großen holzgetäfelten Versammlungsraum, der an ein muffiges Klassenzimmer erinnert, einer Riege überwiegend männlich zerknitterter Verleger gegenübersitzen. Bei einem, von unserer Seite etwas matten, Frage- und Antwortspiel bekommen wir immerhin eine Ahnung davon, dass „unabhängig“ in unterschiedlichem Kontext Unterschiedliches bedeuten kann.
Weil wir arg schwächeln, erlaubt uns Salome eine kurze Espressopause im Garten des Schriftstellerhauses. Eine Jugendstilvilla, in der sich einst, im Terrorjahr 1937 ein berühmter Dichter sich das Leben… die Geschichte lässt eien nicht los hier.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Kirchen, Memory, Mission, Reise, reisen, tourismus, travel | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Zwischen Stalin und Steinmeier

image

Prométheus? Ja, der auch noch. Der sagenhafte Feuerbringer soll hier im Kaukasus angeschmiedet gewesen sein. Am Horizont gleißen schneebedeckte Gipfel des Gebirges, das Georgien von Russland trennt. Im Park vor dem Stalinmuseum von Gori sitzen ein paar Veteranen auf Bänken, einer hat all seine Orden an die abgetragene Anzugjacke geheftet. Auf den Treppen der Säulenhalle des neoklassizistischen Kastens bietet ein Rentner in einem Pappkarton Streichholzschachteln feil, die mit fotokopierten Stalinbildchen beklebt sind. Frauen mit beschädigtem Lächeln klettern die Stiegen des gepanzerten Eisenbahnwaggons hinauf, in dessen Einbaumöbeln aus Zarenzeit der flugängstliche Stalin herumreiste.
Eine Museumsmitarbeiterin auf gefährlich hohen Absätzen schließt für einen kurzen Einblick die Tür des Geburtshauses des Schustersohnes auf. Das ganze baufällige Lehmhäuschen wird von einer pavillonartigen Ummantelung geschützt. Um die zentrale Stellung des Wallfahrtsorts auch topografisch zu markieren, wurde die halbe Stadt um die armselige Behausung herumgruppiert.
Ein Supermarkt wirbt mit einem riesigen bunten Stalin-Poster, daneben eine Sexbar, es ist, als befänden wir uns in einer Filmkulisse. Aber alles ist ernst gemeint. Im Museumsshop gibt es Stalinbüsten in vergoldetem Gips, die freundlichen Museumsdirektorin schenkt jedem von unser deutschen Journalistendelegation einen Stalinwimpel aus Fabrikbrokat und ein Heftchen mit Gedichten des berühmtesten Sohns dieser Stadt. Was für uns ein schräges Souvenir darstellt, ist von ihr ganz ohne Ironie gemeint.

image
Und der Terror? Die Millionen Toten, die auf Stalins Kosten gehen? Die Opfer der stalinistischen Säuberungen von 1937 an, auch gerade unter den Georgiern, die bis heute die Wiederkehr der Russen fürchten müssen? Der uns begleitende Historiker Lasha Bakradze, Direktor des Literaturmuseums in Tiflis, arbeitet seit Jahren an einem Konzept nach dem Vorbild der Berliner „Topografie des Terrors“. Er ist schon dafür, das seit dem 100. Geburtstag Stalins (der war am 21. 12. 1879, Danke lieber Leser!) unveränderte, also selbst historisch gewordene „Museum eines Museums“ zu erhalten. Aber dass es bisher noch nicht einmal eine historische Kommentierung des ungebrochenen Personenkultes gibt, das ist schier unglaublich.
Auf dem Rückweg nach Tiflis weist Lasha uns auf Flüchtlingslager in den grünen Ebenen hin: bescheidene Neubau-Siedlungen für Tausende nun landlos vor sich hin darbende georgische Bauern aus Abchasien und Südossetien, wo die russischen Besatzer die Grenzen schleichend, oftmals über Nacht, verschieben. Das ist nicht Geschichte, das ist die Gegenwart.
Die Probleme der georgischen Kinderbuchillustratoren kommen uns nach dem Ausflug in die georgische Psychopathologie zwischen Stalinismus und drohendem Putinismus vergleichsweise läppisch vor. Ja, bei einer Bevölkerung von etwa 3,7 Millionen Einwohnern (mindestens eine Million sind in den vergangenen 25 Jahren ausgewandert) mit einer eigenen Sprache und einem eigenen Alphabet, dürfte ein lokaler „Kinderbuchmarkt“ illusorisch sein. Deshalb soll es die ganze Welt sein. „Number One“ international könnten die georgischen Buchillustratoren werden, das wünscht sich der väterliche Otar Karalashvili. Dazu hat der Deutsch sprechende Bartträger ein gutes Dutzend schweigsamer, aber äußerst aparter Künstlerinnen und Designerinnen mit blauen Haaren um sich geschart. Als mutmaßliche Einmann-NGO hat er sie ausgebildet und mit ihnen und einer deftigen Förderung des Goethe Instituts, zunächst 100 000, dann 200 000 Euro, eine kleine Buchmesse ins Leben gerufen. Unglücklicherweise ist in diesem Jahr die Unterstützung aus Deutschland ausgeblieben. Warum? Geht die nun eher in die Ukraine? Oder ist das ein politisches Anzeichen für etwas, das wir noch nicht wissen? In Tiflis begrüße gerade blaue EU-Fahnen den Wegfall der Visapflicht.

 

Veröffentlicht unter Allgemeines, Fotografie, Kirchen, Memory, Reise, reisen, tourismus, Trauma, travel | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Stalin forever

image

Das ist die Gräzistin Maja mit den berühmte Brühe-Täschchen.

Von der Frühstücksterrasse blicken wir über einen sanften Hügelteppich verschachtelter, silbergrauer Dächer. Vom Talgrund aus sticht ein verspiegelter Monolith mit Knick in den Himmel. Alle Tifliser, die wir darauf ansprechen, sind empört über das Monster, niemand weiß, wer es gebaut hat oder was einmal darin beherbergt werden soll. Aber in unserer frischgebackenen Verliebtheit in die Stadt finden wir sogar den Wolkenkratzer toll, der besser nach Dubai passen würde: Tradition und Moderne! Nostalgie und Neubauten! Futurismus und Verfall, hier ist alles bei- und übereinander.
Doch bevor wir weiter in oberflächliche Urbanismus-Beschaulichkeiten abdriften können, geht’s in die viel ältere Geschichte Georgiens. Wir, die deutsche Journalistendelegation, sollen schließlich den ganzen kulturellen Reichtum dieses kleinen Landes kennenlernen, das 2018 bei der Buchmesse in Frankfurt das Gastland sein wird und uns deshalb zu einem viertägigen Besuch eingeladen hat. Eine zierliche junge Frau, die sich in bestem Deutsch als Gräzistin Maja vorstellt, verfrachtet uns in einen Minivan, mit dem wir zu kulturell wertvollen Ruinen kutschiert werden.
Der quadratschädelige Steuermann Timur düst mit robustem Durchsetzungsvermögen durch die engen Gassen, führt haarsträubende Überholmanöver auf der Schnellstraße vor, verpasst den Abzweig zur Zielkirche, kurvt eine erneute Runde in der Landschaft herum, bis wir bei der ältesten orthodoxen Klosterkirche auf einem lieblichen grünen Hügel ankommen. Auf dem Parkplatz sind Andenkenartikel auf Autokühlerhauben drapiert, es gibt coole Lederarmbänder mit orthodoxen Kreuzen und moppartige Schaffellmützen, die ich  leider nicht kaufen kann,  weil ich noch kein einheimisches Bargeld habe. Im Tal liegt die Stadt Mtskheta mit einer steinalten Kathedrale samt putziger Fußgängerzone im Dreieck zweier Flüsse. Von hier wurden laut einer Legende zwei Juden nach Jerusalem geschickt, um Jesus mit zu verurteilen. Als sie dort ankamen, war der schon gekreuzigt, weshalb die georgischen Juden an seinem Tod unschuldig seien und es deshalb hier so gut wie keine Judenverfolgung gegeben habe.
Das alles erzählt uns der Historiker Lasha Bakradze. Dann korrigiert er die Mär, dass das georgische Alphabet von ein und demselben Mönch im 3. Jahrhundert, kurz nach dem kyrillischen, erfunden worden sei. Ansonsten aber gibt er uns vor allem zutiefst antikommunistische Einführungen in die uns bisher ziemlich fremde, um nicht zu sagen gleichgültig gewesene jüngere Vergangenheit unseres von den Russen gequälten Gastgeberlandes. Drei Jahre Unabhängigkeit (von 1918 bis 1921) hat das Land genossen, noch 2008 bombardierten die Russen die Hauptstadt und bekräftigten die Okkupation Südossetiens. 2003 gab es eine Rosenrevolution, die zu Schewardnadzes Rücktritt führte, und seither, so jedenfalls unser Eindruck, sind alle Positionen in kulturellen Einrichtungen mit hoch qualifizierten und extrem gut aussehenden jungen Frauen besetzt.

image

Die hat die Schlüssel vom Stalinmuseum.
Der rosenbestandene Park eines Cognac-Barons ist ein Restaurant geworen. Tkemali, eine Sauce aus grünen Pflaumen, eher Mirabellen, Knoblach und Koriander, muss definitiv auf die Liste schützenswerter Kulturgüter. Aber wenn ich jetzt genauer auf die  luftigen Käsefladenbrote, die mit Walnusspaste gefüllten Auberginen, die Tomaten-Gurken-Petersielie-Salate einge würde, würde keiner mehr glauben, dass ich auf einer anstrengenden Dienstreise bin. Trotz des schon in der lauen Mittagssonnr kredenzten Weines – Kelterkunst nachweislich seit 8 000 Jahre – , bestet unsere Gruppe darauf, das Stalin-Museum in Stalins Geburtsstadt Gori zu sehen.Das steht nicht auf unserem dicht getakteten Programm, auf diesen Teil der Geschichte hätten die Georgier gerne verzichtet. Seit 1979,Stalins 100. Geburtstag, ist das Museum unverändert geblieben: ein Museum des Personenkults. Die Pfeifen des Diktators. Die ganze Stadt wurde brachial axial auf Stalins Geburtshaus umgelegt. Im Hintergrund leuchten die Schneegipfel des Kaukasus. Prometheus?!

 

 

Veröffentlicht unter Allgemeines, asien, expats, Genozidmuseum | Kommentar hinterlassen

literaturexpress nach tiflis

 

image
Atatürk hatte acht Adoptivkinder. Eines davon, Sabiha Gökçen, wurde die erste türkische Pilotin und weltweit die erste Kampfpilotin überhaupt. Wahrscheinlich, so der 2007 in Istanbul auf der Straße erschossene armenische Journalist Hrant Dink, war sie armenischer Abstammung und 1915 beim Völkermord an den Armeniern Waise geworden; 1937/38 beteiligte sie sich als Bomberpilotin im Dienst des türkischen Militärs am Massaker an den Kurden. Nach Sabiha Gökçen jedenfalls ist der zweite, kleinere Flughafen Istanbuls benannt. Er liegt ziemlich abseits im asiatischen Teil, in  einer Landschaft gesichtsloser Hochhaussiedlungen. Wie der Atatürk-Flughafen hat er eine tolle Raucherterrasse, die wie ein vergitterter Käfig an der Außenfassade des Betonklotzes hängt.
Aber erstens rauchen wir so gut wie nicht, und zweitens hat das alles gar nichts mit unserer Dienstreise nach Georgien zu tun. Wir sitzen dort nur ein paar Stündchen Verspätung aus und lesen dabei im sehr lustigen Roman „Literaturexpress“ von Lasha Bugadze. Den hat uns die Frankfurter Verlagsanstalt dankenswerterweise zur Reisevorbereitung geschickt. Übersetzt hat diese Satire über 100 dienstreisende Schriftsteller aus Georgien, Armenien, Russland, Lettland usw., die einzige georgische Schriftstellerin, die wir kennen. Allerdings lebt Nino Haratischwili schon lange in Hamburg und schreibt auf Deutsch, weshalb sie gar nicht als georgische Schriftstellerin zählt.
Wir, fünf Medienfuzzzis aus Deutschland, sind eingeladen vom National Book Center Georgiens. Das Goethe-Institut in Tiflis, geleitet vom schwäbischen Schriftsteller Stephan Wackwitz, zahlt auch was. Der bleibt dor.

image

Als wir vom Flughafen in Tbilissi abgeholt werden, ist es weit nach Mitternacht. Im Scheinwerferlicht sehen wir rissige Fassaden, alte Straßenbäume, neonleuchtende Digitalanzeigen von Wechselstuben, gelbliche Späti-Buden, kurvige Gassen, postsowjetische Hülsenarchitekturen, steile Wolkenkratzer, futuristische Glasröhrenbauten, am Hügel eine angestrahlten Ritterfestung. Wir sind auf der Stelle verliebt. Eigentlich bräuchte es gar kein ausgefuchstes Bestechungsprogramm mehr, damit wir das Lob auf unsere Gastgeber singen. 2018 wird Georgien guest of honour der Frankfurter Buchmesse sein. Das bietet die Chance, sich auf der Landkarte der internationalen Aufmerksamkeit zu positionieren,  nicht nur seine Autoren, Bücher und Verlage, ein bisschen Kunst, Küche, sonstige Exportartikel und touristische Attraktionen bekannt zu machen, sondern sich überhaupt ins Gespräch und politische Bewusstsein zu bringen. Das ist bei diesem bayernkleinen Land zwischen Schwarzem Meer und Kaukasus, vor allem aber zwischen Russland, Türkei, Armenien und Aserbaidschan ziemlich existenziell. Um den Frankfurter Auftritt optimal auszunutzen, stellen besonders die kleineren Länder ihren Kulturministerien meist einen sehr üppigen Werbeetat zur Verfügung. In den vergangenen Jahren ließen Island und Finnland legendäre Pressereisen springen, an die wir uns sehr gerne erinnern. 2018 ist zwar noch ein wenig hin, aber wir sind nicht die ersten deutschen Gäste auf Rechnung der georgischen Regierung. (Wer regiert da eigentlich gerade?) Vor uns war gerade eine 15- köpfige Delegation aus Museumsleuten da, im letzten Jahr ein Haufen Verleger. Die müssen rechtzeitig davon überzeugt werden, dass ihnen bis dahin völlig unbekannte Autoren mit völlig unaussprechlichen Namen (Island, Finnland!) super interessant sind, und es sich lohnt, deren Bücher 2018 herauszubringen. Weil die Übersetzungen ins Deutsche vom Gastland übernommen werden und die Schriftsteller dann auf Kosten Georgiens zur Buchmesse antanzen dürfen, ist das wiederum besonders für arme kleine Verlage ziemlich attraktiv. Doch bevor wir Dienstreisenschnorrer die ersten echten Schriftsteller treffen, gibt es erst mal einen Ausflug in die Geschichte Georgiens. Und die ist sehr sehr lang.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, asien, Berlin, Genozidmuseum, Reise, reisen, tourismus, travel | Verschlagwortet mit , , , , , , | 1 Kommentar

Stalin

image

Personenkult? Ja, wenns gut gemacht ist. Gori, die Geburtsstadt von Stalin, hat ein herrliches Museum, das im originalen Zustand von 1979 belassen wurde. Stalins Nerzmantel, Stalins Pfeifen, Stalins Stiefel, Stalin auf Gobelins,in Holzintarsien, in Öl.Die ganze Stadt, ursprünglich um eine Burg angelegt, wurde achsial auf Stalins Geburtshaus ausgerichtet. Ein paar ordenbehängte Veteranensitzen auf Bänken herum. Sie sind arm. Ein alter Mann verkauft Streichholzschachteln,die mit kopierten Stalinbildchen beklebt sind. Die Museumsdirektorin schenkt uns Heftchen mit Stalins Gedichten. 9.Mai, das Ende des 2. Weltkriegs, wurde heute hier mit einer kleinen prorussischen Demonstration begangen. Wir erinnern uns nicht.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, asien, Fluss, Fotografie, Genozidmuseum, Memory, tourismus | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Ausflug

image

Die Raucherterrasse am neuen Flugafen Istanbuls, auf der asiatischen Seite, umgeben von uniformen Hochhausgebieten, ist ein Freiluftkäfig mit einem dünnmaschigen Zaun und Blick auf die Landebahnen. Die Damen im Vordergrund saßen Stunden dort und rauchten Kette, wollten das aber nicht fotografiert haben. Mit fünf Kollegen bin ich für eine Dienstreise auf dem Weg nach Georgien, das 2018 Gastland der Buchmesse in Frankfurt sein wird. Wir kommen nach einem Reisetag und zwei Studen Verspätung nach Mitternacht in Tbilissi an.Zwei freche Zigeunermädchen (?) zupfen an den  Afrodreads des männlichen Kollegen herum, bis er ihnen irgendwelche Münzen gibt. Bucklige Häuser mit Rissen, kurvige Gassen, Geldwechselverschläge mit roten Digitalanzeigen, prächtig angestrahlte  Burgen und zweibeltürmige Märchenkirchen, Hülsenarchitekturen aus Betonguss, neonerleuchtete Modernismen am Fluß, ich finde die Stadt schon jetzt zum verlieben schön. Die Minibar im Hotel, jaa, so was gibts hier noch, also dieser kleine Kühlschrank unterm Flachbildferseher, hat eine gläserne Tür. Drin gibts Löwenbräu in der Dose. Muss das sein?

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, asien, Kirchen, Reise, tourismus, travel | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Vatertag

 

image

Ostkreuz. Fünf langhaarige Männer stehn vor einem Kiosk an der Ecke Kinzinger. Ellbogen, Bierflaschen und Teller ? auf einem Umspannhäuschen abgestellt. Am Bordstein zur Scharnweber schmurgeln marinierte Nackensteaks auf dem Grill. Als ich anhalte, weil ich das Topmotiv  knipsen will, hauts mich vom Fahrrad. Nicht metaphorisch, sondern blöd. Im Stehen! Die Eckengriller stürzen mir sofort zuhilfe, stellen Fahrrad und mich wieder hin, tupfen mir den Staub von der Jacke, den Rotz von der Backe, gucken nochmal besorgt und geben mir Tipps, wie ich ihren Grill am besten fotografiere. Auf dem Spielplatz eine Ecke weiter kiffen sechs übergewichtige Jugendliche mit Kapuzen und Migrationshintergrund, den sie lautstark artikulieren. Beim türkischen Späti nebenan schüttelt ein kaukasischer Vater das brüllende Baby im Gehänge vor seiner Brust. Der Vater geht auf und ab und wiegt das schlafende Kind.image

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Arbeit, Berlin, fahrrad, tourismus | Verschlagwortet mit , , , , , | 3 Kommentare

Neue Heimat

 

image

Lass mich bloß mit Nomadismus in Ruhe. Umziehen ist Flüchten auf hohem Niveau. Die Schlepper sind viel preigünstiger, netter sowieso, weil Opfer ohne Mindestlohn. Die Zieladresse ist aufnahmebereit, die Reduktion des Gepäcks fällt unter Psycho-Katharsis.Ballast abwerfen ohne Not. Down sizing. Hat nichts mit ersaufen zu tun. New Minimalism, ist gerade schick. Gibt schon Coaches fürs Wegschmeissen. Könnt ich jetzt auch gut ratgebern. Bestimmt wird das Archiv bald wieder das neue Ding.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Arbeit, Berlin, Fotografie, Reise, reisen | Verschlagwortet mit , , , , , , | 1 Kommentar

Umsonst

image

Neulich saß ich im mal wieder im Restaurant dieser schwedischen Möbelhauskette. Das meiste der furchtbar schwierig zusammenbaubaren Möbel kommt aus China, wie eigentlich alles. Mein Favorit unter den vier Berliner Filialen ist die in Lichtenberg. Die erreicht man von Mitte aus am schnellsten. Auch bezaubert die Landsberger Allee mit unstaubarer Vielspurigkeit und einer horizontalen Perspektive in die quasi sibirische Weite des Ostens. Auch das Publikum verkörpert eine Ahnung dieser, von Stasiuk unübertroffen besungenen, optimistischen Aufbruchsstimmung. Neben Marzahner Pegida-Volk frequentieren viele junge Elternpaare das Restaurant, vor allem toll aufgebrezelte Russinnen mit fein aufgemalten Augenbrauen, die ihre Babys nonchalant vor sich auf den Tischen absetzen. Ich konsumiere dort in der Regel – ja, ich bin jetzt öfters dort – weder die berühmten Köttbullar, noch die vegetarische Alternative Grönsaksbullar. Ich konsumierte gar nichts, sofern man Konsum mit Geldausgeben in Verbindung bringt. Aber ich trinke Filterkaffee. Mehrere Tassen. Vier hintereinander, um ehrlich zu sein. Denn ich bin im Besitz der Family-Card und damit gibt es den Kaffee umsonst. Neulich also wie gesagt, ich sitze an dem langen, kess geschwungenen  Tresen, nimmt ein älterer Herr mir gegenüber Platz. Mit einem jovialen „Soll ich Ihnen verraten, wie Sie Kaffee umsonst bekommen?“ beginnt er das Gespräch. Ich winke lässig mit meiner Family Card. Er ist sichtlich angetan davon, in mir eine seelenverwandte Rentnerin gefunden zu haben. Bei Höffi, fährt er nun eilfertig fort, gibt es zum Gratiskaffee noch eine Zeitung dazu. Den Kurier, er nähme den aber gerne wegen dem Kreuzworträtsel mit. „Fragen Sie mich mal, wo ich gerade her komme“. Und? Vom Friseur! Fragen Sie mich mal, was das gekostet hat. Ja, und? Nichts! Hat im Internet gestanden. Testperson für Azubis im zweiten Lehrjahr gesucht. Sieht gut aus, nicht? Wie hat er das gefunden? Wonach sucht man da? Schnäppchen für Menschen mit viel Freizeit? Umsonst.de? Er gehe nicht oft ins Internet, nur heute mal. Er ist 73 und mit dem Fahrrad hier. War im öffentlichen Dienst, bis 63, die Rente langt. „Wie, Sie gehen noch arbeiten?“ platzt es da uncharmant aus ihm heraus. Geld ist nicht alles! Damit verabschiedet er sich, will noch Bärlauch sammeln, er kennt da eine Stelle, nicht weit

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Armut, Berlin, fahrrad | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Lüften

image

Man könnte sich einfach mal wieder in ein Straßencafe setzen und Leute beobachten. Wenig ist unterhaltsamer, als den Berlinern bei ihrem explosiven Exhibitionismus zuzugucken. Sonne raus, Hosen runter, Haut muss an die Luft. „Die Schachtel lüften“ nannte Sevgi Emine Özdamar einmal in einem Roman das Spazierengehen von Freundinnen. Auf der Frankfurter Allee, ehemals Stalin, dann Karl Marx Allee, hat man als Fußgänger die breiten Bürgersteige für sich allein. Im eingezäunten Rosengarten harken Azubis herum, im Biergarten werden Holzmöbel aufgestellt, Cafes gibts hier fast keine. Dafür ist der Luftraum frei und leer wie ein unbeschriebenes Blatt.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Berlin, Fotografie | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Bordbistro

 

 

image

Da sind wir wie alle Touristen: Bordbistrobesucher begrüßen es, wenn sie die einzigen  im Bordbistro sind.  Theoretisch. Praktisch macht die res publica des öffentlichen Raumes aus, dass dort Leute verkehren. Manno, was für Vorlagen!  Menschen mögen kommen und wieder gehen. Wir schauen gerne zu. Heute war es deluxe. Das ist ein Wort aus dem Roman von Thomas von Steinaecker, mit ae, den ich auf der Fahrt nach Frankfurt, 6,04 ab Berlin Hbf., las. Sein Erzähler, Heinz der Honk, (geht da nicht grad schon wieder was durcheinander, Honka Strunk?) hats viel mit so foxy  „Altwörtern“. Hallo Schriftführer! Auf der Rückfahrt tranken im Bordbistro fünf Leute Bier und alle lasen Bücher. In Papier.Nur ich tapperte orientierungslos auf dem neuen e-reader rum, auf dem ich jetzt dank einer netten Mitreisenden vorgespeicherte  Zeichentrick-Filme kann. Bloß wie krieg ich die wieder weg?

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Arbeit, Berlin, Fotografie, Reise, reisen, Tempo, tourismus | Kommentar hinterlassen

Ostermontagsdemo

 

image
Wie? Fugen begrünen? Im Gartenfreund, unserer Verbandszeitschrift für das Kleingartenwesen, heißt es in der Märzausgabe: „Unkraut jäten, ade! Begrünte Fugen sind pflegeleicht und attraktiv“. Soll man darin den längst überfälligen Paradigmenwechsel im Kleingartengewese ausmachen, oder was jetzt. Bei mir hat der Garten das Denken übernommen. Und der sagt: Unkraut jäten, ole. Die zierlichen Schösslinge, die man herausreisst, sind nur leicht verwurzelt, der Boden krümelig, da krallt noch nichts. Die Grasbüschel im Beet sind wehrlos, jetzt kriegt man sogar die überwachsenen Beetränder kurz freigelegt, zur Erinnerung, dass es da Ränder gibt. Noch bevor ich den Rucksack an der Hütte abgelegt habe, häng ich schon gebückt überm Beet. Auf einen Schlag hat die Saison der Vernichtung wieder eingesetzt. Ab sofort bin ich die Sklavin dieses Wucherers, dazu verdammt, den Wildwuchs immerzu einzudämmen. Ich sage nur Rasenmähen. Hecken hacken, abschneiden, rausrupfen, mit Stumpf und Stiel ausmärzen. Löwenzahn, Ampfer, Vogelmiere, Pfennigkraut, Schuttkresse, Vergissmeinnicht nicht zu vergessen. Fast alle essbar. Da wären die blaugrünen Blättchen der Brennesseln, die an unterirdischen Tentakeln hervorspitzen. Ungezähmt wachsen die sich später zu einem meterhohen Horst aus. Und natürlich der Giersch. Man nehme die noch gefältelten Blatttriebe, wie alle jetzt sprießenden Grünpflanzen als würzige Salatbeigabe, gehäckselt zu Kräuterquark, in Pesto, als Spinat oder igitt, in pürierten Mixgetränken. Man verhindere aber auch mit allen anderen Mitteln jegliches Ausbreiten dieser würgenden Wurzelthiszoms. Eine anständige Portion frischer Gierschspitzen holt man sich eh besser in Parks und lichten Wäldern, wo er hellgrüne Teppiche bildet. An Gebüschrändern und an der Pankeaue wächst auch das winzige Scharbockskraut in rauhen Mengen. Meist direkt daneben steht eine Art Bärlauch und die blauen Szillas. All das junge Grünzeug ist voller Mineralien und Vitamine, die säuerlichen Note steht für C wie Zitrone, der knoblauchige Duft für keimhemmende Wirkung, bitter für giftig. Alles super gegen Arthritis, Arthrose, Prostatakrebs, Gicht, Rheuma, bloß bei Rücken hilft nichts.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Arbeit, Sport | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Osterspaziergang

 

image

Kein Selfie, Foto von mir in meinem echt scharfen Auto,  geschossen, wie man ja heut eher ungern sagt, von der großen nomadischen Velocity-Künstlerin R.R. aus ihrer Atelierwohnung im Wedding. Erster Stock, Panoramaview auf die Kreuzung, Brunnen Ecke Luisenbad. Das ist Getto. Hier tragen alle Frauen  Kutte,  die Kerle kratzen sich am Sack. Nein, die sind nicht nett. Außer wir handeln mit ihnen, also zahlen. Der Wedding ist das einzige, das sie von Berlin nicht vermissen wird, sagt R. Am Donnerstag muss sie alles geräumt haben. Entmietung. Sechs Tage Zeit. Ostersonntag. Wir holen Kartons aus einem Lager, das liegt im vierten Untergeschoss eines Hotels an der Landsberger Allee, danach kommt Ikea in Lichtenberg. Mit der Family Card gibt es dort Kaffee gratis. In der spooky Tiefgarage des Hotellagers sind wir leider zu verängstigt, um Fotos zu machen.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Armut, Errinnerung, expats, Fotografie, Mission, salz | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Chasing shadows 1

 

 

image

On a wing and a prayer. Ostern 1996 fing diese Geschichte an. Das sind Möwen über Robben Island, nur damit das klar ist. Könnten ja auch welche über den Rieselfelden bei Frohnau sein. Robben Island, bytheway, ist die Insel vor Kapstadt, auf der Nelson Mandela 27 Jahre im Gefängnis saß, davor war es eine Leprakolonie. Jetzt gibt es dort Elche. Hat jemand aus Leichsinn mal dort ausgesetzt, hatten keine Feinde.Sehr groß, aber scheu. Sonst wohnten auf der blanken Insel nur Museumswärter und ein paar Historikerinnen, die Chris Ledochowski kannte, über die wir einen Bungalow mieten konnten. Und das Inselauto. Gibt es Rieselfelder überhaupt noch? Dort hat man früher die Stadtgülle hinge- rieselt? Geflutet? Das Ufogewölk auf dem Bild ist die Spiegelung meiner  Lampe an der Zimmerdecke.  Das Glas über dem Foto ging kaputt. Wie? Warum?

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Arbeit, Errinnerung, Fotografie, Kirchen, Memory, Reise, travel | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Angst

 

image

Berlin Pankow. Wer  Angst hat, macht sich zum Opfer. Der Tiger riecht deinen Angstschweiss, mach Dir einfach noch in die Hosen.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Arbeit, Armut, Malaysia | Verschlagwortet mit , , | 4 Kommentare

buchblogs

image

so stands am Donnerstag in der FR
[http://www.fr-online.de/literatur/mit-innerem-mummpitzometer,1472266,33957960.html]

und so in der Berliner Zeitung:

Mit innerem Mumpitzometer

Zu wenig Buchrezensionen? Zu wenig Literaturkritik? Ein Blick in die weite Welt der Literaturblogs

Nein, das wird hier keine kulturpessimistische Litanei über den Niedergang der Literaturkritik im Zeitalter der digitalen Transformation. Im Gegenteil: Um festzustellen, dass die klassische Literaturrezension weder qualitativ noch quantitativ am Verkümmern ist, genügt ein Blick ins Netz. Die Millionen Auftragsrezensionen bei Amazon lassen wir getrost beiseite, obwohl selbst da nicht nur Gefälligkeitsmist drin steht. In der Wildernis des World Wide Web haben sich inzwischen individuelle Formate entwickelt, auf denen der guten alten Buchrezension gehuldigt wird.

1 108 Buchblogs hat der Buchblogger und „Softwaregeek“ Tobias Zeising derzeit auf seiner Seite „Lesestunden.de“ gelistet, auf „bloggerei.de“ sind es 400, die Literaturagentin „SteglitzMind“ stellt unzählige bibliophile Blogs in Kurzinterviews vor, der „Kaffeehaussitzer“ empfiehlt ein paar Dutzend Lieblingsblogs von „aus.gelesen“ über „Buchguerilla“ und „Flatter Satz“ bis „Zeilensprünge“, und bei fast jedem Blog gelangt man über eine Leiste zu anderen Buchbloggern. Vernetzung und Austausch gehört zum Selbstverständnis.
Professionell im Sinn eines Berufs- und Erwerbsbegriffs ist fast keines der Blogs. Im Gegenteil, die Literaturblogs insistieren auf ihre kommerzielle Unabhängigkeit, auf der radikalen Subjektivität ihrer Buchauswahl und auf ihrem Recht zu Geschmacksurteilen. Die großen Verlage haben das Werbepotenzial der Literaturblogger erkannt, das zeigt ein Portal von Random House, auf dem sich Buchblogger anmelden können, um Rezensionsexemplare zu bestellen. Der Carlsen Verlag umwirbt Blogger als Multiplikatoren, besonders im Fantasy-Genre, und kürt den Blogger des Monats. Eine Ehrung besonderer Art erhielt Mr. Rail, der Betreiber von „AstroLibrium“: Der „Berufsoffizier im Sanitätsdienst“ wurde letztes Jahr zur Mitarbeit beim Blog der Leipziger Buchmesse eingeladen.
Worum geht’s, wie finde ich’s?
Was die Blogger auszeichnet, ist ihre Leidenschaft fürs Bücherlesen und ein ebenso passionierter Mitteilungsdrang. Ulrike Sokul etwa hat den Grünen Gürtel in Jiu Jutsu und den grünen Daumen beim Gärtnern, lebt in Solingen und möchte in ihrem Blog „vor allem Bücher loben und bejubeln“. Für Verrisse ist ihr und den meisten Freizeitrezensenten die Zeit zu schade. Und auf vergleichende Literaturwissenschaft hat auch keiner Lust. Formale Analysen von Stil und Aufbau oder Kanoneinordnungen gehören nicht zu den vorrangigen Kategorien. Worum geht’s, wie finde ich’s? Inhaltsangabe und der Freundinnenton genügen meist als Entscheidungshilfe für oder gegen ein Buch.
Eines der ganz wenigen Blogs, das sich finanziell trägt, ist Brain Pickings Weekly der 32-jährigen Maria Popova aus New York. Aus einer 2006 gestarteten wöchentlichen Mail an Freunde entwickelte sich der Einfrauenbetrieb – Kennzeichen fast aller Blogs – zu einem sonntäglichen Newsletter. Optisch erinnert er ein wenig an das Magazin des New Yorkers. Eine ausführliche, mit langen Zitaten durchsetzte Hauptrezension zu aktuellen oder alten Titeln und lebensweltlichen Themen (Liebe, Tod, Schlaflosigkeit, Kinder) wird ergänzt durch Randkolumnen und ein Archiv von A bis Z. Ein lustiges Gadget ist die literarische Jukebox mit swingenden Literaturzitaten. Seit 2012 ist Brain Pickings auf den Webseiten der Congress Library integriert.
Hausfrauenfeuilleton
Das Blog ist anzeigenfrei, um der über allem stehenden Unabhängigkeit willen. Allerdings läuft jede vom Blog aus getätigte Buchbestellung über Amazon, und von dort fällt dann ein Groschen an die Blogbetreiberin zurück.
Die Macherin selbst stellt sich mit einem gezeichneten Porträt vor. Überhaupt ist bei den Literaturbloggerinnen eine überproportionale Selfie-Foto-Verweigerung auszumachen: Karikaturen, Kinderfotos, Kopfausschnitte, was Abstraktes oder gleich gar kein Bild. Bei den männlichen Buchbloggern ist das anders. Die zeigen sich gerne als Eierkopf mit Brille, Bart auch.
Im Gegensatz zum Erfolgsmodell aus den USA kommen deutsche Literaturblogs optisch bescheidener daher. Sehr beliebt als „Header“, das fotografische Motto des Blogs, sind Fotos von ledergebundenen Buchrücken. Wie in einem gut sortierten Buchladen stehen etwa in Ulrike Sokuls Blog „Leselebenszeichen“ darunter die Knöpfe für Autoren A-Z und Titel A-Z. Im Seitenstreifen kann man durch Kategorien von „Abschweifung“ bis „Zwischen den Jahren“ scrollen. Im entspannten Leserrhythmus von ein bis zwei Wochen blogpostet sie kenntnisreich geschriebene Rezensionen zu Neuerscheinungen der Saison.
Dass sich das manchmal etwas buchhändlerisch liest, liegt daran, dass sie eine ist: „Sie wissen schon: Diese akut vom Aussterben bedrohte altmodische Berufsgattung, die mit großem Idealismus für kleines Geld arbeitet.“ Ihren „Leseeinladungen“ folgen derzeit 435 Personen, mit denen sie ein munteres Kommentarpingpong unterhält.
In der Rubrik „Buchbestechung“ dankt sie Verlagen für Besprechungsexemplare – mit Links zu ihrem Programm. Fischer, Rowohlt, Suhrkamp fehlen, was nicht heißt, dass von denen keine Bücher auftauchen. Die leiht sie sich in ihrer Lieblingsbuchhandlung (Link). Ganz unten erklärt sie , woher sie ihren Strom bezieht (Link). Im Dunkeln liest sich’s schlecht.
Buchhändlerin ist auch Petra Wiermann, die sich für ihren Sachbuchblog „elementares lesen“ seit Jahren durch neue Bücher und Themen von „Mikrokosmos bis Universum“ und „Urknall bis Universum“ pflügt. Bei ihr passiert es schon mal, dass ein Werk als „etwas oberflächlich“ abgekanzelt wird.
Aber wie gesagt, Kritik und akademische Analyse sind nicht das Hauptanliegen von Literaturblogs. Ihre Qualität ist Empathie und Authentizität. „Alles selbst gelesen“, schreibt Jarg und hat dafür in fünf Jahren 1 000 Follower eingesammelt. Unter Massenhaftigkeit („am Anfang mehrere am Tag“) leiden allerdings auch die Rezensionen des „Berufsverleihers“.
Freier, anarchischer und mit individuellem Sound spielt „Drittgedanke“ mit der klassischen Buchrezension. Bloggerin Sonja Grebe aus Hannover mischt ihre Buchbesprechungen mit Filmschnipseln, Fotos und besonders ans Herz gelegten Musikclips. Dazwischen stehen schräge Berichte über ihre Selbstversuche mit therapeutischen Youtube-Videos. Ihr Genremix ist neben dem klassischen Buchregal von A bis Z nach assoziativen Oberthemen und Roten Fäden sortiert. In denen stellen sich überraschende Kreuzungen aus Sinn, Bezügen und Verbindungen her.
Jede Menge Freiheit
„Drittgedankes“ inneres Mumpitzometer garantiert Skepsis, Urteilsschärfe und witzige Formulierungen. Und eine Runde Captain Beefheart hat noch keinem geschadet. Sporadisches WLAN dem Blogger dagegen schon. So steht da plötzlich ein Aufruf „an all jene, die gerade anderweitig nichts Dringenderes zu tun haben: Fallen euch spontan Titel ein, die ihr mir vorschlagen könntet? Nicht dass ihr nicht ohnehin jeden Tag Empfehlungen veröffentlichen würdet …“ Sogleich treffen tolle Buchtipps ein, und die Tippgeber tauschen sich untereinander über ihre Lieblingsbücher aus. Interaktion und Partizipation ist ja geradezu der Grund zum Bloggen. Nicht selten ist die lange Liste der Kommentardialoge am interessantesten.
Was das für Buchrezensionen bedeuten könnte, bringt die Autorin so auf den Punkt: „Das Blog-Wesen mag mitunter als ,Hausfrauenfeuilleton‘ beäugt werden, doch als Spielwiese für unprofessionalisiertes Schreiben bietet es eine Menge Freiheiten, um sich auf seine eigene Art mit dem, was einen beschäftigt hat, auseinanderzusetzen. Gerade wegen dieser Freiheiten hat es mit dem Feuilleton nicht sonderlich viel gemein – und das hat durchaus seine schönen Seiten. Vor allem beantwortet sich, indem Blogger ab und an auch etwas über sich und ihre Art zu lesen, ihre Hintergründe, ihre Bücherlisten mitteilen, ein Stück weit eine ganz interessante Frage, die in Großmedien meist nur als Randerscheinung auftaucht: Wer sind eigentlich die, die all jene schönen Bücher kaufen? Und lesen? Bei wem also kommen die Bücher an, und wie kommen sie an?“

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Arbeit | Verschlagwortet mit , , , , , | 2 Kommentare

Vertikale

 

image

Im Deutschlandradioläuft die zweite Folge einer analogen Meditation. Eine getragene weibliche Stimme gibt Anweisungen dazu, ein Spiegelei zu braten. Ich fasse es nicht.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentar hinterlassen

Eingenordet

image

I love Berlin

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Arbeit, Errinnerung, Fotografie, Reise | Verschlagwortet mit , , , , | 2 Kommentare

Die Teekanne

…im Bauch der Kanne ist eine Garage. Allerdings sieht das Auto drin nicht mehr fahrtüchtig aus. Sitzen ist eh besser als fahren.

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, asien, Errinnerung, Memory | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Augen zu

image

Es gibt keine Bilder zur Zeit. Sogar der Garten sieht aus wie ein schlechtes Schwarz-Weiß-Foto. Keine Kontraste, keine Komposition, keine Regung. Die Nuancen im Grau spült der Nieselregen zu Moder, klamme Unbewohnheit kommt aus den aufgeräumten Nachbarsgärten. Wir bleiben auch nicht lange. Kein Licht. Wir hätten die Augen zu machen sollen. Wie gut, dass man den  Speicher im Kopf nie entrümpeln muss.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, asien, Errinnerung, Fotografie, Memory | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen

Saltational!

image

 

Mit dem chinesischen Neuhjahrsfest hat das Jahr des Affen angefangen. Weil es im Zeichen des Feuers steht, was nicht alle Jahre vorkommt, verspricht es ein besonders hitziges und sprunghaftes zu werden. Unberechenbar. Skittish, saltatory oder saltational heißen tolle Wörter im Englischlexikon dafür. Höchste Zeit zum Anlauf nehmen, wir wollen viele Sprünge und Saltos machen. Geschirr zerdeppern ist auch eine Lösung.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, asien, reisen, Sport, travel | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen

Der Pullover

 

image

Da kannst Du Dir jetzt selber was dazu denken.

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, asien, Errinnerung, Fotografie, Mission, reisen, travel | Verschlagwortet mit , , | 1 Kommentar

Die Küchenzeile

image

Während Tage überschritten an der Küche entstand Senke für Funktionen auf Kosten der sieht aber die neuesten Waschbecken Designs einen langen Weg, seit damals zurückgelegt haben und die neuesten Designs können sehr künstlerisch sowie die Beibehaltung der funktionalen Qualitäten, die ihre wichtigsten waschen Aufgaben erforderlich sind. Die Verwendung von Kunststoff statt Keramik oder Edelstahl als Basis Rohstoff für die Herstellung der Senke wird immer beliebter. Die jüngsten Entwicklungen in Materialien konnten die fertige Senke, die eine sehr glatte Oberfläche haben, hat eine starke Oberfläche, die im allgemeinen kratzt nicht und behält seine ursprüngliche Darstellung im Laufe vieler … Tage, Wochen, Jahre? Hier bricht das Prosastück über eine Küchenspüle leider ab. Aber welch literarische, kreative, ja inspirative Tiefen so eine profane Senke haben kann – maßstabsetztend!

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Arbeit, asien, Errinnerung, Insel, Malaysia, Papua Neuguinea, Trobriand Islands, Kuala Lumpur,, reisen, tourismus, travel | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 2 Kommentare

Der Unsterblichkeitstee

image

 

Es gibt ihn wirklich. Er heißt  Gynostemma pentaphyllum, ist eine Wucherpflanze aus der Kürbisfamilie und soll Wunder bewirken. Steht bei wikipedia. Als man vor einigen Jahrzehnten danach forschte, warum so viele Leute in Regionen Südchinas und drumherum über 100 Jahre alt werden, fand man heraus, dass die alle diesen Kräutertee trinken. Er schmeckt etwas süßlich und ein wenig bitter. Gewöhnungsbedürftig. Ich habe schon vor einem Jahr ein Pfund aus Thailand mitgebracht, wusste aber nicht was es für ein Kraut war und mochte das Gebräu nicht besonders. Jetzt fand ich den Tee auf dem Markt in Chinatown und verstand, dass es der sagenumwobene Unsterblichkeitstee ist. Seither weiß ich ihn zu schätzen. Wertschätzung hat mit Wissen zu tun. Und de Umgangssprache enthält dieses Wissen. Die Katzen, sagte ich, haben die Sessel belegt. Bei den Katzen in Bangkok stimmte das, weil von denen keine saß. Und einen Stuhl besetzten oder besitzen, ist was anderes, als sich draufsetzen. Das kommt davon, wenn man wochenlang mit niemandem richtig spricht. Selbstgespräche sind nicht gleich Denken, wo hab ich das jetzt bloß aufgelesen?

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, asien, Errinnerung, Memory, reisen, tourismus, travel | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Upcycling

image

Berlin hat Fön. Der Winter ist ein Vorfrühling, die Wohnung kalt. Jetzt mal die Erinnerungen warmhalten und die Augen offen. Das Leben ist ein Hamsterrad. Das Bierdosen-CDscheiben-Wasserrad befindet sich in den Teebergen von Mae Salong im Norden Thailands. War ich dort wirklich vor einer Woche noch?

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Arbeit, asien, Errinnerung, reisen | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 2 Kommentare

Ich ist ein anderer

image

Wenn man von Rimbauds Satz den männlichen Universalismus herausnähme, also „Ich ist eine andere“ oder, noch besser, „Ich ist was anderes“ sagen würde, dann verliert er gleich sein Pathos. Rimbaud verbrachte die letzten Jahre seines kurzen Lebens als Händler für Kaffee, Waffen, Sklaven in Harar im südöstlichen Äthiopien. Ein schönes kleines Museum erinnert an den Dichter, der dort keiner mehr war, man muss einfach nach „Rambo“ fragen.  In das seinerzeit abgeschottete, unabhängge Emirat Harar hatte es als einziger Reisender aus Europa zuvor der „Weltensammler“ ( Ilija Trojanow) Richard Francis Burton geschafft, verkleidet als ein anderer. Ich zieh jetzt die Thrombosesocken an und fahr zurück in mein „anderes“ Leben.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Fotografie, Reise, reisen, tourismus, travel | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentar hinterlassen

Where do they all belong

so geht das Beatleslied von „all the lonely people“ auch weiter. Wie man in die Welt hinausguckt, so guckt sie zurück. Man könnte also alles zum Spiegel seiner eigenen Stimmungen machen. Damit wäre mal wieder das Dokumentarische, die Wahrhaftigkeit der Wahrnehmung, des Zeigens zumindest, ausgehebelt. Ja, wenn das Milchkännchen berichten könnte..

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Armut, asien, Errinnerung, Fotografie, Reise, reisen, tourismus, travel | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentar hinterlassen

Himmelslöcher

ist wirklich nicht so, dass ich kunst machen will. ist das „feature“ des blogs, das unter „gekacheltes mosaik“ solche zufallskombis erstellt. Der Rest ist Bangkok, Chinatown as usual, das einen zu  dauernden staunen anhält. Und manchmal bleibe ich wirklich einfach nur stehen, um zu spüren, wie es mich umtost. Und Schwapp bin ich mitten in einem Tempel, ach was einer wuselige Kleinstadt. Familien strömen rein und raus, kaufen rotgoldene Girlanden und Papierschachteln, die Luft ist verräuchert, in riesigen Schalen werden Räucherstäbchen abgefackelt, ältere Frauen ruhen unter einem Dach auf stoffbezogenen Stühlen aus, links in einem Saal wird gekniet, gebetet, ein Mönch sermoniert, ein Video überträgt die Litanei samt Gebimmel,, Blumengebinde säumen eine Fotogalerie, in der immer derselbe Mönch großformatig bei allerlei Tun zu sehen ist. Ist er tot? Rechts in einer Halle stehen die Leute in Schlangen und beschreiben rosafarbene Zettel, die in nummeriertem Kästchen stecken und umsortiert werden. Wetten, Wünsche, Horoskope? Hinter riesigen Glasfronten stehen zu jeder Seite eines rotbeschwelltem Durchgangs monströse Wärterfiguren mit goldenen, jadegrünen und teuflich braunen Fratzen. Im zentralen Tempel, ist das eine Pagode?, Geschnitze und Golddekor, noch mehr Rampampam-Gesinge von noch mehr orange gekleideten Mönchen und kahlgeschorenen Buddhistlein-auf-Zeit, manche der Jungs etwas zappelig bei der Stillhalteperformance, aber alles in allem vor den neonbunt illuminierten Goldbuddhas ein knallender Sound-und Farbenrausch, gleich dahinter und im Säulengang daneben wieder umtriebiges Zettelbeschreiben und bündelweise goldenes Papiergeld kaufen. Lässige  Jungmönche lassen das dann feierlich ins Feuer einer Blechtonne segeln. Mädchen posieren für Selfies. Essen gibts auch. Kirmes, Beerdigungszeremonie -Sterben ist Anlass für ein Fest, es geht ja schließlich in ein besseres Leben, noch besser ist nur das Nirwana – oder Vorbote des baldigen chinesischen Neujahrsfestes? Schwupp, Zeit für ein Schälchen Hongkong-Nudelsuppe.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, asien, Fotografie, Reise, reisen, tourismus, travel | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentar hinterlassen

Die Katzen von Bangkok

 

Die geschätzt 17 Katzen haben alle Sessel, Tische und Blumentöpfe des kleinen Vorgartens meines Guesthouses belegt. Es liegt direkt am Hauptbahnhof Hua Lampong in einer stillen Sackgasse. Ich habe das schönste Zimmer mit Fenster zur Gasse bekommen. Sogar ein Balkon ist davor. Ein Wäscheleinenriegel mit leeren Flaschen. In der Nacht gingen mehrere schöne Frauen in eleganten Seidenkleidern vorüber und verschwanden hinter einer Gittertür in Wellblechgehäusen. Im Gasthaus gegenüber übt ein junger Mann in nachtblauem Kimonoanzug Schwertfechten. Ein Fernseher quieckt, danach läuft eine Kompilation  von „Music, I never wished to hear again“, wie das Bill Bryson in seinem Reisebuch über „Down under“ schrieb. Das zerfleddete Exemplar dieses lustigen Buchs hab ich im Guesthouse in Chiang Rai mitgehen lassen und werde es wohl in die ansehnliche Bibliothek hier einspeisen. Wie gut, dass es heute regnet in Bangkok.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, katze, reisen, tourismus, travel | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

All the lonely people

image

 

Man kann jede Stimmung eines Filmes völlig verändern, indem man einen anderen Soundtrack darüber legt. Das hat der Berliner Elektromusiker Frieder Butzmann mal in einem wie immer bei ihm köstlichen Performance-Vortrag gezeigt. Die Liedzeile „… where do they all come from?“ stammt aus dem Beatlessong „Eleanor Rigby“, das sie 1966 auf dem Album „Revolver“  veröffentlichten. Manchmal reicht eine Nacht in einem eisgekühlten Überlandbus, in dem der ersehnte Schlaf sich in verbogenen Gliedern und Wehwehchen verflüchtigt. Die eigene Verwundbarkeit reisst die Wahrnehmung für das Leid der anderen auf. Am Morgen sieht die ganze Welt müde aus, die Leute abgearbeitet und endlos traurig. Als wäre all ihr Mühsal in ihren Gesichtern und Körpern zu Tage gekommen, im Schatten zwischen dem Glitzern des Marktes scheint der Kampf um die schiere Existenz auf, jedes Lächeln entblößt Zahnlücken, Versehrungen der Armut. Und dann saugt es einen doch wieder ein, nimm mich mit, nimm mich auf in den Fluss des Lebens. Und über den schmutzstarrenden Knäueln der Stromleitungen und Reklameplanen geht ein blasser Vollmond auf. All das ist wahr und geschieht genau so.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, asien, Errinnerung, Fotografie, Memory, Reise, travel | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Marktlücken

 

 

Des Lebens ganze Gülle, oh Fülle natürlich. Ich kann mich nicht satt sehen. Und essen will ich auch alles, Fettküchlein, panierte Hühnerbeine, Schwarzer Klebreis in Bananenblättern, Ananas,  Nudelsuppe mit eingelegtem Kraut, komische Früchte, die wie Äpfel schmecken, Leber am Spieß, warme grüne Sojamilch, geröstete Erdnüsse mit Limettenblättern und Chilii, geringelte Schweineschwarten, gehackte Insekten in Koriander, Bananenchips…

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Fotografie, reis, Reise, reisen, tourismus, travel | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Erleuchtungen

 

kann man das Glück des Reisens bewahren, in dem man es in tausenden Momentaufnahmen festhält? Nach drei Fahrten mit den zu Bussen umgebauten Pritschenwagen lande ich in Chiang Rai. Dort, in enem Wäldchen am Fluss, hat ein König mal seinen entlaufenen Elefanten gesucht und statt dessen einen Ort gefunden, den er so schön fand, dass er ihn zum Nabel der Welt erklärte und Muang Chiang Rai nannte. Heute erinnert eine Plattform mit Lotosblüten aus Beton daran, dort verschüttet man Wasser, um selber ein wenig Teil des Nabels der Schönheit zu sein. Ein Schild bittet darum, an diesem heiligen Platz nichts zu rauchen, keinen Alkohol zu trinken und nicht zu fixen. Mein familiäres Guesthouse wird von monströs buschigen gelben Katzen und einem monströs verspielten Mops im Wams dominiert.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, asien, Errinnerung, Fluss, Fotografie, Memory, Reise, tourismus, travel | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentar hinterlassen

Im Tee

Wenn die Eindrücke überhand nehmen, wird der Kopf still.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, asien, Fluss, Reise, reisen, tourismus, travel | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Der Weg

 

image

…ist das Ziel. Klar, aber ich habe einen Weg gesehen, auf der anderen Seite des Tals, der einem Traumbild entsprungen ist. Er windet sich in weiten Kurven steil bergauf,   zwei Bäume stehen wie Wächter eine Pforte, fast an einem Ziel, an dem der Weg sich irgendwohin verliert. Aber es gelingt es mir am ersten Tag nicht, den Weg zu erreichen, er ist von fast überall auf meiner Wanderung in der Ferne zu sehen, ich überquere Bäche, aus denen ich trinke, Brücken aus Bambus, steige Hängr hinauf, werde von unternehmungslustigen, alten Frauen zum shoppen in ihre hühnerstallgroßen Stelzenhütten eingeladen. Die meistem Dörfler sind damit beschäftigt, aus dem feinen Gras der Schilfes Besen zu binden, andere arbeiten in den terassierten Teeplantagen. Vier kleine wilde Pferde grasen am Bachufer, ein wilder Bauer liegt bei ihnen im Gras. Pfade verschlingrn sich, enden unversehens, undurchdringliches Schilfgestrüpp zwingt mich zum umkehren, ich wate den Bach ein Stück entlang, finde Furten, klettere durch abgeerntete Maisfelder bergan und da ist mein Weg. Natürlich war er aus der Ferne schöner, wie das Unerreichbare immer das Naheliegende übertrifft. Aber ich bin dennoch glücklich, zwischen den beiden Wächterbäumen an der Pforte zum Nirgendwo für eine Weile auszuruhen.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, asien, Fotografie, Memory, Mission, Reise, reisen, travel | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Ahnung von Kälte

image

Mae Salong liegt hoch in den Bergen, nah an der Grenze zu Myanmar. Das Dorf ist chinesisch geprägt, geflüchtete Kuomintang haben es gegründet. Mein Gasthaus ist wieder das Shinsane, es gibt zwei dicke Bettdecken für die Kälte der Nacht.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Arbeit, Fluss, reisen, travel | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Tee kaufen?

image

Oder spazieren gehen? Berg rauf und runter? komische Frauen knipsen, die einem handgemachte Beutel aufschwatzen wollen?

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Armut, asien, Mission, Reise, reisen, tourismus, travel | Verschlagwortet mit , , , , , , | 2 Kommentare

was mache ich hier?

image

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein, asien, katze, Memory, Reise, reisen, tourismus, travel | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Alter Schwede

image

Reisegefährten.  Was heißt hier Gefährten? Nach all den gestrigen Verallgemeinerungen dürfte heut mal wieder etwas Genauigkeit angesagt sein. Ich nehme also um 11 den green bus (clean bus), zuvor haben mich im Guesthose abernoch zwei Gäste vom eigentlich angepeiltem Ziel abgebracht. Was nicht schlimm ist, denn der Bus fährt heute eh anders. Der indisch-thailändische Fotograf, der tagelang kaum aus seinem Zimmer kommt, wo er Fotos downlädt und an Agenturen verschickt, und ein Holländer, der nach Udon muss, weil er dort „die boys“ treffen will, was er oft genug wiederholt, damit auch ich kapiere, dass er schwul ist, jedenfalls sind die.beiden sich einig, dass ich nach Loei soll, wovon selbst das thai tourism boatd sagt, es hätte rein gar nichts zu bieten. um den Touristen zum bleiben zu bewegen. Im Bus nach Loei sitzt ein alter Schwede, sorry, ich weiß seinen Namen nicht und er ist 73. Er geht am Stock, ich trag seinen Rucksack  beim Umsteigen auf einen Pritschenwagenbus, in Loei am Busterminal teilen wir ein Taxi ins Zentrum, als zwei alte Falangi werden wir eh als Paar wahrgenommen. ich nehm ein Zimmer in seinem sturzbilligen Hotel, Suppe am Nachtmarkt essen wir auch gemeinsam. Er war Seefahrer, seit er mit 60 in Pension ist, reist er jedes Jahr drei Monate hier herum, zuhause hat er einen Bauernhof, auf dem die Kühe des Nachbarn weiden. Endlich mal wieder ein gelungenes Leben. Gut, dass man es nicht in echt teilen muss..

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, fahrrad, Fluss, Fotografie, Laos, Reise, Rentner, tourismus, travel | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Müßiggang

image

Ich bin etwas leergeschrieben, weil ich die letzten fünf Tage auf der Verande das alten Holzhauses den Papua-Text fertig gesamplet habe. Nachdem er heut früh versendet ist, radle ich 30 ode 40 kilometer, immer schön gemächlich den Mekong emtlang. Jede Sackgasse trägt zur Verlangsamung bei, jedes dead end öffnet Blicke in Höfe, Gärten, auf Reisfelder und dümpelnde Fischzuchtbecken. Die Dörfer sind sehr hübsch. Überall Blumen, in Töpfen, Autoreifen, Mauerritzen. Alle Thais tragen schlabberige T-Shirts und Gummilatschen. Alle Hängematten sind mit schläfrigen Menschen belegt. Selbst die kleinen Tempel dösen vor sich hin. Trockene Blätter wehen in ihnen herum. Die Fahrräder haben keine Schlösser. Man bezahlt sein Zimmer, wann man gerade Lust hat, Quittungen braucht niemand. Morgen nehm ich vielleicht den „clean bus“, meint den „green bus“, das asiatische Ding mit dem „r“.  Fahrkarten  wird es auch irgendwo geben. Die Luft ist wie Seide, das Leben ebenso leicht. Nicht nur mich als Touristin, die sich jederzeit jede Schale köstlicher Suppe leisten kann, niemand wirkt auf den ersten Blick des Passanten elend und verzweifelt. Auf der Uferpromenade flanieren Hunderudel, die Leute gehen spazieren und schwenken dazu parallel ihre Arme vor und zurück, das ist gerade die angesagte Gymnastik. Selbst wenig zu haben, es ist genug. Wer nichts hat, bettelt nicht vergeblich. Lächeln ist umsonst.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Armut, asien, fahrrad, Fluss, katze, Reise, travel | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Der Stoff der Träume

 

image

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Arbeit, asien, Reise, tourismus, travel | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Dis-Orient-ation

image

Der Mekong ist hier nicht romantisch. Was für eine blöde Erwartung auch an einen Fluss. Er ist eine Wasserstraße, die hier hauptsächlich als Resource für Sand dient, der von klotzigen  Baggerschiffen hochgepumt wird. Sand soll ja einer der nächsten Rohstoffe sein, die bald knapp werden. Was ich für die Busstation halte, ist ein großes Tempelgelände.  Busse halten hier auch, ansonsten bieten Buden Naturmedizinwurzeln feil, Tigerbalm in fünf Farbvariationen und Tiegelgrößen, industriell gewebte Ethnostoffe für Wickelröcke, T-Shirts mit glitzernden Eulenapplikationen. Die Nase führt mich zur echten Busstation, die neben dem Morgenmarkt liegt. Der Duft von Koriander und von Fischen, deren beginnende Verrottung mit Wasserschläuchen in den Gulli gespritzt wird, gerade an der Grenze zwischen verführerisch und abstoßend. Eine Plastikschale voll köstlichem Green Curry mit Brocken geronnenem Blutes drin zum Frühstück. Danach übernimmt das Fahrrad dem Tag. Es fährt mich am Ufer entlang, unter der von Australien gebauten Friendship-Bridge nach Laos hindurch, über die Touristen, Kommerzramsch und Aids ins bis dahin sozialistisch abgeschottete Land kamen. Bei einer Anwältin, die mal zu einem Seminar über Menschenhandel in München war, und nun einen Laden im gedeckten Markt betreibt, kaufe ich ein kitschiges Seidenhemd, das ich nie anziehen werde. Sie verkauft auch handgenähte Beutel mit Eulenmustern drauf, um die Bergvölker im Goldenen Dreieck von Laos, Thailand und Myanmar zu unterstützen, damit die ihre Mädchen nicht mehr an die Sexindustrie verkaufen.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, asien, fahrrad, Fluss, Laos, Reise, reisen, tourismus, travel | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Honigkuchenpferdmodus

image
Das vielfach empfohlene Mut Mee Garden Guesthouse am Mekong ist voll. Mein Glück. An der Rezeption arbeitet eine nette Berlinerin mit ungesunder Haut. Die Zimmer liegen in einem wundervoll schattig zugewachsenem Garten. Viele Gäste sind  Langzeitpatienten, Winterflüchtlinge wie ich. Im luftig offenen Restaurantpavillon an der Uferpromenade wird deutsch gesprochen, oder sächsisch? Ergraute Langhaarige mit Plautze und ihrer ekligen Selbstgerechtigkeit genehmigen sich schon am Vormittag  ein Bier zum Müsli. Fast alle Gästehäuser am Pier sind ausgebucht. Manche bieten fensterlose Rattenlöcher im Keller – I mean it- zu Preisen an, für die man am Nachtmarkt drei Armbanduhren kriegt. Wo ist die Busstation? Am Ende der Uferpromenade frage ich bei einem unscheinbaren Flachbau aus gelbem Beton an. Und Bingo. Zimmer im Holzhaus dahinter mit allem. Heißwasserdusche, Wasserkocher und Veranda,  von der man sogar den Mekong sieht. Und Fahrrad. Zehn Kilometer weiter den Strom hinunter kaufe ich einen wagenradgroßen Hut, weil er aus echtem Stroh und handgemacht ist,  mach mich zur Vollheidi und ernte dafür noch breitere Lächeln, esse auf dem Feuer gesottenen Klebreis in duftenden Bananenblättern, finde Schatten in abgelegenen Tempelchen. Honigkuchenpferdmodus, yeah.

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, asien, fahrrad, Fluss, Laos, Reise, reisen, tourismus, travel | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Reisefreiheit

image

Nachtzug Bangkok-Nong Khia

Mehr individuelle Freiheit, mehr Müll. Diktatoren mögen keine Slums, sie sind Brutstätten unkontrollierbarer Ideen und Bewegungen. Nur wie verbietet oder verhindert man illegale Besiedlungen? Authoritären Regimes mit konstitutioneller Monarchie scheint es zu gelingen. The benevolent dictator. Ohne (Bewegungs-) Freiheit keine informellen Siedlungen. Und ohne Privateigentum keine Müllhaufen. Man schmeißt nichts hinter die Hecke, wenn das Land dahinter der Familie, allen und so auch einem selbst gehört. Man entsorgt seinen Mist nicht beim Nachbarn,wenn der zur Familie gehört. In Sinaket auf den Trobriand Inseln war der Sand bis hin zur Meereskante gefegt:Das ist unser Zuhause, sagte die Frau des Fischers.

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Allgemeines, Armut, asien, Insel, reisen, travel | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentar hinterlassen