Suspended animation

fullsizeoutput_1703

Es riecht nach geröstetem Kaffee am Ufer des Britzer Verbindungskanals. Hier wurde im Februar 1989 der zwanzigjährige Chris Gueffroy beim Versuch der Republikflucht erschossen. 

Auf dem Balkon der Nachbarn flappt ein weißer Sonnenschirm wie ein greiser Albatros mit den Flügeln. Die Albatrosse sind aus der Südsee, sie folgen einem Dampfschiff auf dem Weg nach Samoa. Dort sucht der Tagebuchschreiber Genesung, doch eine Lungenentzündung bringt ihn fast um. Die Samoanerinnen gefallen ihm nicht, das Essen ist eintönig, überall Fliegenschwärme, das Paradies ein Fiasko. Ich füttere die Spatzen und gieße Tee auf. Die Elster holt sich ihre Walnuss. Im Radio läuft Beethoven, das geht jetzt ein ganzes Jahr lang. Verarmt reist der Schriftsteller zurück nach Europa. In Sidney muss er Kaution für die Einreise seines chinesischen Dieners hinterlegen. Stevensons Grab hat er nicht besucht. Aber das Meer leuchtete wie geschmolzener Saphir.

(Marcel Schwob: Manapouri, Reise nach Samoa 1901/1902. Elfenbein Verlag)

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Armut, Bücher, expats, Health, Insel, Literatur, Malaysia, Papua Neuguinea, Trobriand Islands, Kuala Lumpur,, Reise, travel abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s