Spazieren gehn geht noch

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man sollte ja jetzt wieder mehr über Bücher schreiben, oder zuerst welche horten, solange die Bibliotheken und Buchhandlungen noch offen sind. Seit einigen Abenden freue ich mich an Laurie Lee, dessen Buch ich allein wegen seinem schönen Titel bewahrt habe. „An einem hellen Morgen ging ich fort“, ein Reisetagebuch seiner Wanderung als 21 jähriger Mann durch Spanien in der Vorkriegszeit 1935/36, publiziert 1969, wiederveröffentlicht 2016 im Wiener Milena Verlag. Mit einem Nachwort des immer inspirierenden Robert Macfarlane. Der junge Engländer wandert, wie sein Landsmann Patrick Leigh Fermor kurz zuvor, ab 1933 durch ganz Europa, als Vagabund mit leichtem Gepäck durch ein sonnenverbranntes, sturzarmes Spanien der Arbeitslosen und Hoffnungslosen, verdient sich manchmal ein paar Groschen mit seiner Geige als Straßenmusikant, schläft auf Feldern und in Billigpenssionen, gesellt sich zu Landstreichern, am liebsten aber streunt er allein durch die herben Landschaften der Sierras, der Weizenfelder bis zum Horizont, steigt über Gebirge und sieht zum ersten Mal das Meer. Ein träumerisches Buch, voll melancholischer Leichtigkeit, aus einer Zeit, in der europäische Grenzen noch kaum ein Thema schienen. Bis auf Gibraltar, da bekam der Brite sicherheitshalber eine Pritsche in einer Gefängniszelle zugewiesen, mit Speck- und Spiegeleifrühstück. Tagsüber hatte er freien Auslauf in der merkwürdig nebelverhangenen Enklave.

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6 Antworten zu Spazieren gehn geht noch

  1. wildgans schreibt:

    „An einem hellen Morgen ging ich fort …“ Was für ein reinziehender Beginn…!

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  2. kormoranflug schreibt:

    Bald werden wir nur noch in den Büchern reisen.

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  3. Anhora schreibt:

    Hab grad ein bisschen reingelesen in dieses Buch – und dann bestellt. Es klingt so richtig nach in eine andere Welt eintauchen, das Richtige in Corona-Zeiten. 🙂

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  4. docvogel schreibt:

    freut mich, ist für mich auch ein wunderbares Buch, sehr schön erzählt, irgendwie zart und sorglos…

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  5. genova68 schreibt:

    Spazierengehen geht noch, aber vielleicht nicht mehr lange und vielleicht sollte man da auch heute schon nicht mehr tun. Immer im Haus sitzen kann aber auch nicht gesund sein. Vielleicht sollte man das so regeln, dass nur bestimmte Leute stundenweise raus dürfen. Dann kommt man sich nicht zu nahe. Jetzt ist es wohl von Vorteil, auf dem Land zu wohnen.

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