Noch lange nicht genug

Am Nachmittag ist die Uferpromenade am Mekong knallvoll. Und das ist toll. Der kleine goldene Buddha auf der Bootsinsel ist eingeschneit. Am Geländer muss man anstehen, um ein Drei-Meter-Stück mit Frontalblick in die Sonne zu bekommen. Zwei blonde Polizistinnen bewachen halbherzig eine neue rotweiße Flatterleine zum Ufer-Gras, das hält zum Glück niemanden davon ab, aufs Eis zu gehen. Auf den Terrassenplanken vom Kanuverleih steht einer Thermoskanne. Am Kai vom Paul und Paula warten die Uniformierten resigniert auf ihren Schichtwechsel, danach sollen sie weiter zum Orankesee, der sei zwar noch sicherer zugefroren, aber es gehe eh mehr ums Versammlungsverbot. Ach so. Eistänzerinnen mit den heuer obligatorischen Pelzersatz-Bommelmützen ziehen grazile Schleifen, steife Herren probieren steife Langlaufskis aus, Fahrradartisten führen Tricks vor, Angeber fegen mit meterlangen Hockeyschlägern das Eis, eine Schöne in bauchfreiem Glitzertop zu Leggings posiert vor Kerl hinter Kamerastativ, dann drückt der einen vietnamesischen Popsong an, hechtet zu ihr und beide wiegen sich in leidenschaftlichen Rhythmen geschmeidig um einander herum. Einen Lehrerin packt bunte Eisklötze mit darin eingefrorenen Blättern aus einem Beutel und stapelt sie wie Glasbausteine in der Sonne. Der Schönling mit Hut ist nirgends zu sehen, Luis Trenker mit dem Zwillingskinderwagen auch nicht. Dafür entsteigt eine Göttin in weißem Schneeanzug dem glitzernden Gegenlicht, einen altrosa Kaschmirschal zum Schador geschlungen, silberne Schuhe, silberner Haaransatz, dazu professionell dezenter Catwalk-Gang. Hammer. Eine junge Frau in weißem Faschings-Tütü über Wollstrumpfhose schlenkert ihre Schlittschuhstiefel. „Fällt jetzt eigentlich auch die Fastenzeit aus?“ (Gehörter Witz) Im Ernst hätte ich nichts gegen ein wenig Gebrannte Mandeln, rotglasierte Äpfel, Budenzauber, schlechte Musik, Zuckerguss, Glühwein! Beim Betondrachen vor dem China-Restaurant verräumt ein Mann Mandarinen und andere Lebensmittel in seine verschiedenen Einkaufsbeutel. Siebzig sei er, ruft er mir fröhlich zu, und wenn er mir mal was sagen dürfe, also ich müsse Brokkoli essen, Corona sei wie ein Schuss durchs Hirn, durchlöchert, zack, alles Kalzium weg, deshalb viel Brokkoli, und täglich Fisch, oder eben Linsensuppe, das Wasser trinken, überhaupt die Wasser, vor allem aber das Linsensuppenwasser.

Nichts bleibt wie es ist

Das ist ein Neubau. Gestern stand dort die Feuertonne, in der ein junge Mann in Sicherheitsweste ein Feuer schürte. Die Tonne bekam einen Kamin und wurde zum Ofen, Wände drum herum, Dachplane drauf, fertig ist das 1A-Shack. Über Nacht, fast ein „Gecekondu“. Wieso können die Seurity-Typen das eigentlich so gut? Hatten sie Helfer? Sub-Unternehmer? (Sag nie mehr Schwarzarbeit.)

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