Griechischer Wein

Bier ist unterm Tisch

In Pankow ist Musik. Eine laue Samstag Nacht, die Gartenwirtschaft offen, am Himmel ein Komet. Die Tage werden wieder kürzer. Der Ballermann will trinken, feiern, saufen, tanzen, grölen, grillen, lachen, die Frau auch, wer will es ihnen verübeln? Einer darf den DJ machen. Die Playlist ist vorgegeben. Ich kann die Sehnsucht nach „Griechischer Wein“ voll nachvollziehen. Udo Jürgens Mega-Schnulze von 1974 handelt – Liedtext Michael Kunze – von Einsamkeit und Heimweh griechischer Gastarbeiter im Ruhrgebiet. Zu „Simply the best“ nicke ich rhythmisch mit dem Kopf. „Geh nicht vorbei, als wär nichts gesehen, es ist zu spät, um zu lügen…“ Christian Anders, 1969: „Willst Du mit mir gehen und die Welt wird schön.“ Bei „I can’t get no…“ nehm ich Ritalin. Später, zuhause im wlan, lade ich Landkarten hoch (down), aktualisiere die mapp-mich-app mit Detailkarten aus Italien. To start with. Tessin, Kärnten, Slowenien, Kroatien. Bis auf Bosnien-Herzegowina so, wie meine Eltern in den Wirtschaftswunderjahren den Radius ihrer Urlaubsziele erweiterten. Zunächst hing es am Fortbewegungsmittel, mit dem Opel über den Brenner?, den Rahmen stecken die eigenen Verhältnisse. Krönung des Luxus hieß „Freie Getränkewahl“, d.h. jedes Kind durfte seine eigene Limo bestellen. Wir stiegen auf ins weiße Hotel am Gardasee. Die letzte Familienreise schon mit dem Flugzeug nach Mallorca, Spaziergangsfotos mit Eseln und Sombrero aus Cala Ratjada. Mit mutterlosem All-inclusive auf Djerba überschritten wir die Grenzen von Europa. Wahrscheinlich waren wir damit die ersten unseres Clans. Wer von den Großeltern hat je das Meer gesehen? Ein Onkel machte den Segelflugschein. Der Adler kaufte einen VW-Campingbus. Mit dem fuhren dann wir nach Griechenland. Jetzt bleiben wir hier.

Berlin und die Welt wird schön

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8 Antworten zu Griechischer Wein

  1. eimaeckel schreibt:

    Bolle kam ja auch nur bis Pankow. Wunderbares Bild, das ganz unten.

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  2. Schönes Foto. Dass die Berliner offensichtlich das Talent haben, es sich an jedem Ort der Welt bequem zu machen, hat mir immer gefallen. (Berlin fehlt auch in diesen Zeiten, aber nicht so sehr wie das Meer.)

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  3. Lhaustein schreibt:

    Das Foto ist fantastisch. Der Text überirdisch surreal.

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  4. juergen61 schreibt:

    Stimme Rolf zu, Text super und das untere Foto 🙂 Da fehlt nur die Pulle Bier oder das Glas Retsina …griechischer Wein geht immer ! Herzlicher Gruss vom Balkon vulgo Home Office von Jürgen

    Gefällt 2 Personen

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