Letzter Aufruf Nirgendheim

Marzahn-Hellersorf vom Großen Ahrensfelder Berg

Einen Berg bestiegen: S-Bahn Station Mehrower Allee, Plattenbauriegel mit Balkonfassaden, Grünflächen mit leeren Kinderspielplätzen, ein ranziger Supermarkt, die Parkanlage Fortuna hat beschilderte Obstbäumchen, drei Senioren an Rollatoren nehmen das Bankangebot wahr. Haben sonst alle hier Arbeit? Jenseits der Kehre vom Blumenberger Damm führt ein Trampelpfad durch Gehölz zum Großen Ahrensfelder Berg hinauf, die Aussichtsplattform hat einen Mülleimer und Natursteinumrandung, kniehoch blüht die Wiese, Graukresse und Rübsam, weiter Lufthoheits-Blick über Hochhaussiedlungen von Marzahn und Hellersdorf. Wilde Mirabellen und Pflaumen sind reif. Brombeeren unten im Wuhletal, Algengrütze auf Tümpeln und verwunschenen Totholzecken.

TXL

Einen Flughafen besucht: Am seit fast einem Jahr geschlossenen Flughafen Tegel findet ein kultursenatsgefördertes Klangkunst-Festival statt (Sonambiente bis 5.9.). Blixa Bargeld hat dafür historische Lautsprecher-Ansagen mit poetischen Zitaten zu einer nostalgischen Collage abgemischt. Abendsonne schraffiert wie fadenscheiniger Vorhang die verwaisten Wartezonen. Erich Mühsam soll sich zum Einstieg nach Monte Verita über Ascona begeben, Erst Bloch wird seinen Flug nach Nirgendheim in Utopia verpassen und auch unsere Reise nach Tahiti verspätet sich auf nimmerwieder. Um Laurie Andersons Videokabuff mit Digitalbrille anzusehen, müsste man lange anstehen, draußen versucht eine Frau lauwarmes Bier in Plastikbecher abzufüllen. Ein Besucher kotzt Bratwurst. Det iss Berlin.

Wuhletal Kaulsdorf

paar Bücher gelesen:

Richard Powers: Erstaunen. (origibal: „Bewilderment“). Mutter tot, Vater Astrobiologe und neunjähriger Sohn hypersensibler Aspergersyndomer mit Greta-Mission, zelten, Milchstraße gucken und gemeinsam anstrampeln gegen die Zerstörung der Welt. Sehr aktueller Öko-Fantasieroman des Pulitzerpreisträgers (Echo der Erinnerung) , S.Fischer.

Helen McDonald: H wie Habicht „Welche verlorenen Leben haben wir verpasst?“ Der Raubvogel und die Zähmung der Einsamkeit, Ullstein TB

Rachel Carson: Der stumme Frühling, 1962, schon damals all das Wissen über DDT und die universelle Skrupellosigkeit von Chemiekonzernen, Lobbyismus, Politik, gleißend deprimierend. CH Back TB

Gabriele von Arnim: Das Leben ist ein vorübergehender Zustand. Pflegt ihren Mann zehn Jahre lang. Kühl und klug, trotzdem hab ich nix gelernt, Rowohlt.

Jeremy Reed: Rimbauds Delirium. Der 17 jährige Schüler schlägt sich durch nach Paris, 1870, da ist Krieg, Dichtung als systematischer Versuch des „Verlumpend“, Jeremy Reed ist selber einer, Radikal Bio, Bilger Verlag, Zürich.

Ulrich Woelk: Für ein Leben. Toller Überraschungsroman, alles drin, was wir kennen, von zauseligen Eso-Hippies und dem Wedding der 90er an, CH Beck.

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2 Antworten zu Letzter Aufruf Nirgendheim

  1. Heinrich schreibt:

    Schöne Impressionen und Lesetipps. Danke!
    Gruß Heinrich

    Gefällt mir

  2. docvogel schreibt:

    Danke zurück und immer gerne, lg sabine

    Gefällt 1 Person

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