Kaputtkitsch

fullsizeoutput_12b6

Puh, das fängt ja schon gut an. Drei mal die Überschrift tippen, bis sie keinen Fehler mehr hat. Grassiert in Kleinbloggersdorf eigentlich gerade der Bloggersblock? Oder kommt mir das nur so vor.  Mich hat er jedenfalls erwischt. Bann tut Not. Ich hätte nur weitere Spaziergänge durch unspektakuläre Randzonen und urbane Industriebrachen  – also bitte: Westhafen! – oder über Friedhöfe zu referieren. Friedrichsfelde Ost, gleich drei dort, der mit dem Rosa-Luxemburg-Denkmal und anderer Helden war der falscheste darunter. Alles Fake! Repräsentation und faule Eingemeindung noch im Grab. Irmtraud Morgener neben Käthe Kollwitz? Ein Typ mit wadenfreien Turnhosen gewährt seinen kläffenden Pitbulls freien Auslauf bis an meine Beine und macht mich noch an, weil ich nicht auf dem Betonweg gehe. Ein Rosa Winkel auf einer Stele für die Opfer des Nationalsozialismus, die hier, bis in die 2000er Jahre (!?)  begraben wurden. Auf einem Friedhof in Neukölln waren damals Zwangsarbeiter interniert, ein Denkmal informiert darüber. Sie mussten ein O für Ostarbeiter tragen, Gartenarbeiten verrichten und  Gräber schaufeln. Dort gibt es heute eine Wiese für die Grabstellen von Aleviten. Pinkfarbene Gartenstühle. Reden wir nicht über Beerdigungen. Gestern einen Apfelkuchen fürs Obdachlosencafe gebacken, heute zwei Bücher gekauft (William T. Vollmann: Arme Leute / Stasiuk: Der Osten), und eine gelbe Cordhose. Geschirrspülen, Klos putzen, Gemüse schneiden mit Gummihandschuhen. Kältehilfe für die Seele.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Allgemeines, Armut, Bücher, Berlin, Errinnerung, Geschichte, Reise abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Antworten zu Kaputtkitsch

  1. Anhora schreibt:

    Mir persönlich gefallen die kleinen Beobachtungen im Alltag ja mindestens genauso gut wie aufregende Erlebnisse. 🙂
    Deine Aufzeichnungen zeichnen ein düsteres Bild von Berlin. Es gibt auch eine bunte, quirlige Seite, die kennt man aus unzähligen Filmen, Dokus, Erzählungen und eigenen Erfahrungen. Aber dir fällt jetzt eben etwas anderes auf, und das ist doch interessant!
    LG Anhora, derzeit auch ein bisschen inspirationslos beim Bloggen …

    Gefällt 2 Personen

  2. docvogel schreibt:

    Ehe-ohne-Trauschein-Ring hört sich super an. Hab völlig vergessen, worum es bei Frischs Stück ging…

    Gefällt mir

  3. eimaeckel schreibt:

    Ich mag das Unspektakuläre an deinen Orten und Beschreibungen, die doch immer einen großen Horizont eröffnen. Als mich mal das Gefühl beschlich, dass ich immer nur über das Gleiche schreibe, hat mich der Kommentar eines Bloggers gefreut, der meinte, es komme nicht darauf an, das Spektakuläre zu berichten, sondern die kleinen Beobachtungen und Veränderungen. Alltagsarcheologie nannte er das.
    Und wenn du dich für Obdachlose engagierst, dann dürfte dir das Projekt von Susanne Haun gefallen, einer Malerin und Bloggerin aus dem Wedding.
    https://susannehaun.com
    Ich freu mich auf weitere Streifzüge von dir.

    Gefällt 1 Person

  4. docvogel schreibt:

    Oh vielen Dank für den schönen Tipp! Leider hab ich die Suppenküche gestern verpasst, ich guck bestimmt mal dort und den anderen damit vernetzten Orten vorbei. Und danke sehr auch für die ermutigenden Worte! Ein leider schon verstorbener Freund und Mentor sprach von Alltagsethnologie und den „Sensationen des Gewöhnlichen“ .

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s