Rosen Tulpen Nelken

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Im Pförtnerhäuschen sitzt niemand, die Schranken sind offen, gelbschwarze Bremsbarrieren sind alles, das uns aufhalten könnte. Containermauern, Containergebäude, Lagerhallen nummeriert, der Parkplatz ist weitläufig, zugig und zu groß für unseren Pkw. Wir stellen 12 leere Plastikkisten auf eine Karre, warten im Eingang zur Halle, rechts und links hinter Schiebefenstern zur Einfahrt Frauen an Büroschreibtischen, wir müssen uns nirgendwo anmelden, wie stehen einfach rum und warten auf B., der ist für uns zuständig und wird uns schon bemerken. Er hat ein Klemmbrett mit einer Liste von Abholern, auf der wir den Erhalt unserer Fuhre unterschreiben müssen. Er ist ein großer Mann, das rote Logo-T-Shirt über seinen Klamotten spannt über seinem breiten Rücken, die meisten anderen Männer hier tragen grüne Logo-Shirts, viele haben lange oder schüttere Haare, manche sind spillerig und gebeugt, lässig schieben und tragen sie Kistenstapel mit oder ohne Lebensmittel hin und her, sie rauchen im launigen Westwind vor den Hallentoren, sie sehen cool oder mitgenommen aus, vom Leben, von der Frischluft, die könnten dir was erzählen. Die meisten hier sind Ehrenamtliche, sagt M., mit dem ich hier bin, wie er und ich auch. B. schiebt uns eine beladene Karre hin mit Paletten voll Griespudding Vanillegeschmack, schwäbische Markenware, Mangojoghurt, 2 Karton Biovollmilch, Kisten mit Frisch-Gemüse, unverpackt, Brot, Tomaten, Mandarinen, Blechkuchen, Brot, geschnitten. Zehn Sixpacks Wasserflaschen. In der Toreinfahrt lagern rechts etwa 500 Pfund Feldsalat in Schalen, links ein Haufen Blumensträuße in Zellophanverpackung mit roten Reduziert-Etiketten, für 4,99 laut Preisschild gingen sie nicht mehr weg. Der Januar riecht nach Schneeregen. Der Himmel reißt auf, ein Blau wie im März, doch Blumenberg und Salathügel sehen fertig aus, sie sind am Ende,  düster und todtraurig dämmern sie dem Kompost zu, bloß die Plastikhüllen müssen noch weg. Fünf Sträuße nehme ich, und schäme mich doch ein wenig für meine Gier. Die rauchenden Männer interessiert das nicht, sie gucken in die Pfützen zu ihren Füßen, in denen sich jagende weiße Wolken spiegeln. Rosen Tulpen Nelken. Wirklich jetzt. Und rote Gerbera. 

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4 Antworten zu Rosen Tulpen Nelken

  1. eimaeckel schreibt:

    Ich finde es toll, dass du dich seit einiger Zeit in den Lauf der Welt einmischst, statt ihn nur zu beschreiben. Und ich finde es sehr gelungen, wie du die Welt beschreibst, in die du dich einmischst.

    Gefällt 1 Person

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