Schönhausen

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„Poetische Stimmung“ hat der rumänische Bildhauer Anton Ratio seine 1987 im Park Am Fennpfuhl aufgestellte Skulptur genannt. Die lebensgroße Männerfigur, halb hinein geschmiegt, halb heraus gehauen aus einem Block Sandstein, könnte auch einen Dahinsiechenden verkörpern. Die im Park verstreuten Steinplastiken aus den 1980er Jahren sind alle DDR-Kunst-konform figurativ, ein abstrakt gedrungener David sieht aus wie zum Pfosten gehauen, notgedrungen. Die Verwitterung steht den Kunstwerken gut, das Alter ist gnädig zu ihnen, moosige Flechten glätten die Falten ihrer Frühvergreisung. Vom Ufer des Fennpfuhls ziehen Rauchfahnen herüber. Männer stehen am Grill. Mütter sitzen auf Decken, dien junge Frauen auf der Bank. Dazwischen rennen Dutzende Kinder mit Bällen und Reifen herum, sie haben rote und schwarzen Judo-Anzüge mit breiten Schärpen an, Kung Fu Viet Nam steht hinten drauf. Bei den Vietnamesen brutzelt marinierter Schweinenacken überm Feuern, nebenan duftet Lammfleisch und Merkez-Bällchen an Spießen, arabisch sprechende Herren trinken Bier aus Plastikbechern, Frauen tragen Kopftuch und schwatzen am anderen Ende des langen steineren Tisches miteinander. Gestern feierte ein kamerunischer Verein, oder mehrere oder Dorfgemeinschaften, naja, man kennt sich halt und unterstützt zusammen kleine Projekte zuhause in Kamerun, jedenfalls, an die 200 Leute trafen sich zur Grillparty im Stadtpark Lichtenberg. Frauen in knallbunten Sommerkleidern zeigten nackte Schultern, kleine Prinzessinnen  herausgeputzt in Tüll und riesigen Haarschleifen, Sonnenstrahlen durch Baumkronen gebündelt, gebratene Hähnchenflügel, Fettpfützen auf Silberplatten,  Reisberge, Bier und Saft kistenweise, Campingstühle, Sitzgruppen in Baumschatten, Groovemusik, dezent und im schläfrigen Herzschlag des Sommernachmittags. Da hinten sind Angolaner, die kommen jedes Jahr, sagt B. der wie ein Aufpasser am Rand steht und mich einlädt, klar, nun komm schon. Wenigstens ein Hühnerbein auf die Hand? B. wohnt in Moabit, dort darf man nirgendwo mehr grillen. Er hatte mal drei Spätis, einen auch in Friedrichshain, Nachbarn beschwerten sich über betrunkene Touristen. Als ob sich Einheimische nie betrinken würden. Hinter dem Park ist die Bahntrasse. Eine Brache, Container, eine Traglufthalle der Stadtmission, eine Wagenburg, ein Garten voller Giftpflanzen. Sportplätze am Sonntag. Das trockene Rascheln der Pappeln. Sollen sich doch andere an deine Kindheit erinnern

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