Lager Luna

 

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Die Beete des Sowjetischen Ehrenmals in der Schönholzer Heide sind frisch bepflanzt. Hier wurden 13200 gefallene Russen beerdigt. Die Namen von 3000 sind auf den Grabsteinen aufgelistet. Blau ist der Himmel über den „von der Sonne gehärteten Quadern“ der stalinistischen Monumentalarchitektur. Die Einschüchterung funktioniert, kein Besucher, der sich hierher verirrt hätte, bleibt. Das Cafe gegenüber hat Schließtag. Der Wilhelmsruher See ist von Blaualgen verseucht. Enten und Seerosenteppiche stört das nicht. Man hat Garagen und Gärten des Grauens an den Einfamilienhäusern Friesenstraße, Ecke Germanen-, Ecke Walhallastraße. Auf der anderen Seite des Sportplatzes VfB Einheit zu Pankow (Verein für Bewegungsspiele, Jugendabteilung) gibt es eine Genossenschaftstraße – Borsig-Werke? In der Schönholzer Heide nördlich davon wurden ab 1942 ausländische Kriegsgefangene nach Nationalitäten getrennt in Baracken untergebracht, im Schloss das Polenlager, sie mussten 60 Stunden die Woche  Zwangsarbeit leisten in der Waffenproduktion und den Elektrizitätswerken. Weil dort 1936 bis 1940 der Vergnügungspark Traumland lag, mit Riesenrad und Gespensterbahn, hieß das Zwangsarbeiterlager bei der Bevölkerung „Lager Luna“.  Übrig sind Gesteinsbrocken, Fragmente von Säulen aus Betonguss, ein Bunker und ein efeubewachsener Friedhof, der  Ehrenhain für die Opfer von Krieg Gewaltherrschaft.  Und ein Lied:

Auf der Schönholzer Heide, / Da jab’s ’ne Keilerei / Und Bolle, jar nicht feige, /War mittenmang dabei, / Hat’s Messer rausgezogen / Und fünfe massakriert. / Aber dennoch hat sich Bolle / Janz köstlich amüsiert.

 

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3 Antworten zu Lager Luna

  1. kormoranflug schreibt:

    Grusel-Story mit realem Hintergrund

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  2. eimaeckel schreibt:

    Sowjetische und deutsche Gruselgärten nebeneinander. Sehr gut verdichtet. Ich hab lange Zeit neben dem Sowjetischen Ehrenmahl in Treptow gelebt und fand den stalinistischen Pomp Anfangs noch amüsant. Aber als dann die Tage des Sieges am 9. Mai mit einem martialischen Zeremoniell von russischen/weißrussischen/ukrainischen Militärs (liegen ja nicht nur russische Soldaten da) zelebriert wurden, wurde es mir auch zu gruselig.
    Aber ich sah auch Brautpaare da. Alte sowjetische Tradition.

    Gefällt 1 Person

  3. docvogel schreibt:

    oh, treptow, die pompanlage, find ich natürlich auch schwerst interessant…

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