Entsorgen kostet

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Am 29.Mai sind die ersten Fledermäuse da. Eine kleine, räudige Meise gockelt im Gras herum. Die Gartenrotschwänzchen machen sich rar. Drei Tage hintereinander war eine  sehr zierliche Brandmaus da, holte Knäckebrot und Käse im Gras unter meinem Stuhl.  Hab ich sie überfüttert und die Katze sie sich geholt? Leider schon lange keine Igel mehr, eigentlich nur einen Sommer gabs Igelbesuch. Das war großes Schrebergartenkino. Sie haben einen unfassbar langen und anstrengenden Paarungstanz, bei dem der Mann laut hechelnd wie ein Irrer im Kreis um die Dame herumrennt. Sie dreht sich auch, aber auf der Stelle, bis ihr so schwurbelig ist, dass ihr der hechelnde Kerl wie ein Igelprinz vorkommt. Am 30. soll Weltuntergang sein. So steht es in einem Gedicht  im Glaskasten der Gartenwirtschaft. Ein Lied, wie ich lerne, vier Strophen, gereimt, geschrieben auf schwarzem Karton. Die Kröte weiß nichts davon. Sie unkt auch nicht, sondern ratscht. Es soll hier bald Plastikverbot geben: für Trinkhalme und Luftballonhalterklemmen. Ist das jetzt Fake-news? In Ruanda, wo Plastiktüten schon ewig verbannt sind, soll bald auch der Import von unseren alten Secondhandklamotten verboten werden. Wer was loswerden will, soll dafür bezahlen. (In Anverwandlung des Högeschen Anarcho-Mottos: Wer schreibt, der zahlt.) „Schenken“, das nur dem Ausmisten des eigenen Überflusses dient, müsste Gebühren kosten, statt auch noch ein gutes Gefühl zu verschaffen. Nicht Anschaffen, Loswerden der Dinge muss vergütet werden. Müll- statt Mehrwert-Steuer. Eine Art Negativzins auf Dinge. Ver-Gütung, Ent-Sorgen. In Neukölln gibts schon gebrauchte Rollatoren im Trödel. Der Vollmond geht auf.

 

 

 

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3 Antworten zu Entsorgen kostet

  1. kormoranflug schreibt:

    weg mit dem Mist – bevor noch andere Hand anlegen.

    Gefällt 2 Personen

  2. Jules van der Ley schreibt:

    „Am 30. Mai ist der Weltuntergang“, ist ein Karnevalslied von 1954 https://www.youtube.com/watch?v=ADTgRuUcv3Y

    Gefällt 2 Personen

  3. docvogel schreibt:

    Oh, Danke! Solch kulturelles Wissen ist in Berlin selten vorhanden…

    Gefällt 1 Person

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