vanishing cultures, ach was

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Bananen haben Kerne. Man bekommt sie nur im Bündel, 16 bis 18 Stück, halb so groß wie die bei uns. Am Sonntagsmarkt kauf ich bei einer schönen Frau vom Stamm der Shan ein etwas gammeliges Bananeblattpäckchen, darin sind noch gammeligere Sojabohnen, bestimmt eine Art lokaler Spezialität. Mit soviel Wegzehrung mache ich auf vom Ort nach Süden zu einer Quelle im Wald, biege dann aber doch ab Richtung „Long Neck Village“, das nur noch sieben km entfernt sein soll. Das ist eine der hiesigen Touristenattraktionen, man bucht eine Tour, bezahlt Eintritt, damit fühlt man sich berechtigt, die „Giraffen-Frauen“ mit ihren metallenen Halsringen und gewebten Zotteltrachten zu fotografieren. Zugleich weist ein Schild darauf hin, dass das kein Themeparc ist. Natürlich wollt ich da gar nicht nie hin, dann doch, um das voll erwartbar als ekelhaften Menschenzoo zu geißeln, nicht ohne anzumerken, dass diese ethnische Minderheit ja davon lebe, was übrigens alle darüber schreibenden Besucher tun. Nun, nichts auslassen war ja auch eine Devise. Die Straße windet sich wieder durch einen zauberischen Wald, Bachgemurmel, smaragdgrüne Tümpel, Altäre mit lebensgroßen hölzernen Pferden, verblichenen Papierblumenketten und Plastikflaschen mit granatroter Limonade, saphirblaue Vögel, einsame Rufe, Echos in der Stille. Die sieben Kilometer ziehen sich Richtung zehn, ein Mann auf der Ladefläche eines weinroten Toyota winkt, lässt den Wagen stoppen und mich einsteigen. Nach sieben „wet crossroads“ passieren wir die parkenden Kleinbusse der Pauschaltouristen, kein Eintritt heute für uns. Dafür gleich mal den teuersten, aber echt tollen Espresso aus scheinbar hier angebautem Kaffeebohnen. Die Frauen und Mädchen haben zum Glück gar keine unnatürlich langen Hälse, obzwar schon Metallringe drum, auch an den Knöcheln und Waden, man kann die Schmuckstücke auch gleich kaufen, sie sind hinten offen zum zubinden (selbes Prinzip, Fabrikat? wie bei den Kwa Ndebele). Die Stände, dicht an dicht, bilden eine enge Gasse, es gibt auch genau das gleiche wie überall sonst, Tigerbalm, Fake-Jade-Schmuck, Sesamöl, bestickte Massenware-Klamotten, fast wie eine Shoppingmal, wär da nicht der hubbelig matschige Erdboden und der insgsamt leicht schrottig pittoreske Armutslook und: der Elefant! Fotos gemacht, Souvenir gekauft, lokale Wirtschaft unterstützt, und wiede losgelaufen, zurück, Straße endet hier. Über sieben Brücken,nein siebenmal durchs flache Wasser mit den welthässlichsten und besten Latschen gepatscht, einen Hügel hoch geschnauft, eine sonnenbeschienene Talkurve entlang, dann liest der weinrote Pickup mit der freundlichen Familie mich wieder auf. Wir machen Selfies mit unseren Telefonen und tauschen facebook-Adressen aus, happy new year.

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10 Antworten zu vanishing cultures, ach was

  1. Andiau schreibt:

    Probiere mal den „Blue Mountain“-Kaffee, oder den vom „Doi Chaang“, exquisit! Glückliches Neues Jahr 2561!

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  2. eimaeckel schreibt:

    Aha, „nichts auslassen“ ist dein Reisemotto. Ich dachte, du lässt dich treiben. Aber nur von Teibenlassen kommt man ja nirgendwo hin. Ich finde es beruhigend zu wissen, dass die Messingringe wieder aufgebunden werden können. Ich hab mich immer gefragt, wie die Frauen die wieder los werden. Bei dir müsste es fast schon Neujahr sein. AIch wünsche dir ein gutes neues Jahr!

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  3. kormoranflug schreibt:

    Wenn die Metallringe den Hals nicht mehr halten fällt er kraftlos zur Seite. Pass auf Dich auf und einen guten Rutsch nach 2018.

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  4. docvogel schreibt:

    ach nö, die haben das hier inzwischen eher als folkloristisches fashion item an, der hals hält da noch von selber….auch Dir nur das beste für 2018, hier sind,wir ja schon drin.

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  5. J. Kleeberg schreibt:

    na ich hab sowas ähnliches hinter mir, die Frauen mit den längsten Haaren Miao;) in erster Linie von chinesischen Touristen frequentiert, für extra Geld gibts Foto mit Haare offen. menschliche Touristenattraktionen, sonst bleibt ihnen keine Lebensgrundlage mehr:(

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