Der Wandermönch und die Waisenkinder

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Die Wolken hängen zu tief für das Flugzeug, das ansonsten einmal am Tag von hier aus nach Chiang Mai abhebt. Ostwärts hinter der Landebahn führt die Straße noch etwa drei Kilometer sanft ansteigend durch den Wald, an einem kleinen Stausee parken drei Mopeds, drei Männer sitzen am Ufer unter Sonnenschirmen und angeln. Der Fahrer eines Pickups mit drei orangegewandeten Novizen drin bietet mir einen Lift an. Freiwillig zu Fuß gehen macht hier für niemanden einen Sinn, aber Blätter fegen im Wald! In einer magischen Baumkathedrale schwingt ein Mönch den Besen an einer Flußbiegung, gegenüber am Felsen klebt der mit Tüchern,verhüllte Eingang zu einer Höhlenbehausung. An einer flachen Furt grunzen Schweine, danach öffnet sich das Gelände zu einem gepflegten Amwesen, ein Schild mahnt anständige Bekleidung an. Die Dhammagiri Foundation wurde 2010 als Waisenhaus und buddhistisches Zentrum von einem Wandermönch aus Malaysia eröffnet. Ajahn Cagino, mit Preisen ausgezeichneter Fotograf, lebte hier in den Wäldern, schlief in Höhlen, meditierte an Wasserfällen und wurde durch die Großzügigkeit von zwei Aids-Waisenkinder so gerührt, dass er diese Stiftung gründete. Ein S-förmiges, nach vorne hin offenes Langhaus aus Beton schmiegt sich elegant ins Tal, zunächst halte ich es für eine riesige Kleiderkammer, aber es sind die auf Drahtbügel gehängten Besitztümer der rund 60 Kinder und Jugendlichen, die hier auf dicht aneinander gereihten Stockbetten wohnen. Zwischen dem Mädchen-und Jungentrakt liegen die Gemeinschaftsräume, Küche, Bibliothek, ein lichter Versammlungsraum. Im Internetcafe telefoniert ein Mönch, ein freundlicher Mann mit besticktem Ethnohemd bremst mein Herumschnüffeln aus, indem er mich zum Mitessen einlädt, was ich aus misanthropischer Skepsis (bei Stiftungen ist nie was umsonst) dankend ablehne. Er ist aus Singapur und macht dort was mit IT, hier ist er für zehn Tage zum mal rauskommen. Eigentlich hatte er ein tudong, eine neuntägige buddhistische Pilgertour durch die Wälder mit den Mönchen gebucht, das wurde aber wegen Regenfluten und Kälte (Taifun nennen sie es auf ihrer website) abgebrochen. Es sind Schulferien und die meisten „Waisenkinder“ zuhause bei ihren Familien, in den Dörfern – manche, so der Singapurer IT-Experte, kommen aus so ärmlichen Verhältnissen, dass die Eltern sich nicht leisten können. sie zur Schule zu schicken. Hier kriegen sie Unterkunft und Verpflegung, gehen zur staatlichen Schule, lernen buddhistische Werte und Disziplin, werden in Hygiene und Agrikultur eingewiesen. Die terrassierte Reisfelder der Foundation wirken allerdings ziemlich verkrautet, ich kenn mich ja nicht aus, vielleicht liegen sie gerade brach, aber die Äcker der Dörfler sehen anders aus, ein paa Salatbeete wirken eher wie Meditations-Deko, es gibt hübsche Bambuspavillons „zum ruhen“, ein mehrstöckiges Haus für Gäste ist im Bau. Unterhalb von schicken Apartments mit bodentiefen Fenstern – für Sponsoren? – bauen Frauen mit den Händen im Matsch ein Natursteinmäuerchen. Sie wohnen im Dorf auf der gegenüberliegende Seite des Bachlaufs. Eine Frau, so erloschen wie der Stumpen in ihrem zahnlosen Mund, kratzt sich den verlausten Kopf, sie sitzt zusammengefaltet auf einem taschentuchgroßen Stück Erde, geringer als der Hund, der sich im Sonnenfleck auf der Gasse räkelt. Ein vom Alkohol zerrütteter Mann taumelt im Schatten einer Plastikplane. Die Straße endet hier, danach kommt der Urwald. Ein Mann sägt Bauholz, sein Begleiter bringt mir „Danke“ in der Sprache der Karen bei. Sie haben keine Felder zum bestellen.

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4 Antworten zu Der Wandermönch und die Waisenkinder

  1. eimaeckel schreibt:

    Sehr widersprüchlich dein Bericht diesmal. Und lustig zu lesen, dass du schon so weit weg bist, dass du die englischen Begriffe eins zu eins ins deutsche übersetzt. Agrikultur, da dachte ich zuerst an irgendwelche fernen Riten und Gebräuche, bis ich merkte, dass du Ackerbau meinst. Grüße aus der fernen Heimat und ein gutes neues Jahr.

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  2. docvogel schreibt:

    Ackerbau! genau, das wars. bin bei,solchen Waisenhäusern immer eher skeptisch,,das war mir auch echt zu schick alles, und die Stockbettenarchitektir wie ein Lager..Es gibt ja eigentlich bei traditionellen Großfamilien, Dorfgemeinschaften, „Stammeskulturen“, keine Waisen.. aber was weiß ich schon. Alles Gute auch Dir, im Wedding wird bestimmt übel geballert, mir gefällt das ja…

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  3. schlingsite schreibt:

    Heute wird nur geübt. Morgen geht`s dann wohl richtig los auf`m Wedding.

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  4. …terrassierte Reisfelder… sehen …ziemlich verkrautet.. aus, wenn der Ackermann oder da macht es ja die Frau, staunt, dass der Scheiß, den MonsantoBayerWallSteetDax- die Top-Terroristen halt- nur für eine Ernte reicht. Da legst du nix auf die hohe Kante für das nächste Jahr zur Aussaat, die nicht keimen wird, wenn sie nicht monetär freigeschaltet wird.
    Der Inder ist da weiter. Der hatte einst 5000 Reissorten. Für jedes Wetter, für jeden Tag. Fruchtfolge hieß das einst. Jetzt heißt es: kein Saatgut= Freitod. Die Märkte halt, Mutti braucht es. Und die Börse vor 8.

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