Scheiterhaufen

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Im Wald liegt ein burmesischer Tempel. Er ist ganz aus Holz. Gut dreißig verschieden gefiederte Hähne spazieren herum. Ein Mönch bearbeitet mit einer Spritzpistole ein geschnitztes Relief, das wohl zur Dekoration an die große Glocke soll. Sie ist eingerüstet, zwei andere Möche werkeln darauf herum. Breite Treppen führen zum Flussufer, an dem drei Jungen baden. Wo ein Bach in den Fluss mündet, steht eine Bank aus Bambus für mich. Kühe grasen im Stroh abgeernteter Reisfelder. Am Abend ist die Dorfstraße für den ohnehin spärlichen Verkehr gesperrt. Fressbuden reihen sich aneinander, auf dem Holzkohlegrill rösten köstliche Kokosplätzchen und braune Fladen aus Perillasamen, sollen omega gesund sein, sie werden in einem zum Schälchen zusammengetackerten Bananenblatt mit Sirup gereicht. Zwei Bands machen schaurigschöne Popmusik. Ein Mann mit Haarknoten und Sumoringerfigur spielt E-Gitarre und singt so unwiderstehlich inbrünstig mit einer gebrochenen Stimme wie einst Anthony. Die Spenden für die Musiker gehen an ein Projekt für Flüchtlingswaisen. Das scheinbar so traditionelle Karen-Dorf Pa la tha liegt 30 km hinter drei Bergen und dem „glatzköpfigen Felsen“ entfernt, aber die im Lonely planet versprochenen Elefanten gibt es dort nicht mehr, man hat Trecker und die grüne Einheitsmülltonne (wer hat dafür eigentlich das Patent?). Danach beginnt wieder das von Menschen bereinigte Unesco-Naturschutzgebiet, die Straße geht in einen zerfurchten Schotterweg über, auf dem das Rollerfahren, zumindest für mich, voll bescheuert ist. Nach ein paar Stunden und weiteren hübschen Serpentinen ist die Tankfüllung fast alle und ich liefere das Gefährt wieder ab. Im Dorftempel ist aufgetafelt, alte Weiblein wollen mich zum essen nötigen, das muss gut für die Seele eines Verstorbenen sein. Zu seiner Einäscherung errichten Männer daneben einen riesigen, mit bunten Papiergirlanden drapierten Scheiterhaufen. Der lachende Mann aus dem Bus ist auch wieder da und zeigt sein strahlendes Pferdegebiss.

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6 Antworten zu Scheiterhaufen

  1. richard majchrzak schreibt:

    so viel ich mich erinnern kann, kommt die einheitsmuelltonne aus old Germoney.

    Liken

  2. hajoschneider schreibt:

    Hat Da jemand gerade was von Neo-Kolonnialismus gesagt!?

    Gefällt 1 Person

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