Pflanzen, Tiere, Sensationen

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Der Garten sei der Spiegel der Welt, lese ich in einem preisgekrönten Büchlein. Das Paradies, das eingehegte Wilde, die gestaltete Natur. So wie ich mich in ihm und zu ihm verhalte, so bin ich zur Welt. Zwanghaft, pingelig, dominant oder demütig, geduldig, stoisch oder irgendwas dazwischen. Kooperation (mit der Natur) zahlt sich aus, das hat Erfahrung und Evulotion gezeigt. Unter dem etwas großmäuligen Titel „Philosophie des Gärtnerns“ versammelt das Buch des mairisch Verlags – dieser wunderbafe Name entammt dem hessischen Wort für Vogelmiere – dann doch eher bodenständige Aufsätze zu Theorie und Praxis des modernen Hobby-Gärtnerns. Überschriften wie „Learning by Digging“, „Gardening is commoning“ und, ja, „Let it grow“, lassen schlimmes befürchten. Vielleicht dienen die anglizistischen „Skills“ auch nur dazu, die Erdverbundenheit des Handwerks zu entnationalisieren. Man wird jedenfalls in keiner Hinsicht enttäuscht, es geht nicht ans Eingemachte, dafür von japanischen Moosgärten bis zu antikonsumistischen Heilsversprechen der „Selbstversorgung“. Da retten Gelbe Rüben, die auf dem Mittelstreifem der Stadtautobahn gezogen werden, die Menschheit, mit der Angst vor dem Chaos überwinden wir die vor dem Tod und mit Unkraut lernt man,“das Fremde“ zu tolerieren. Super. Auf unseren süddeutschen Latifundien musste ich leider dem Kahlfraßmassaker des Buchsbaumzünzlers mit einem Kahlschnittmassaker des Buchsbaums kontern. Wer Krieg säht…Der Zünsler ist ein unscheinbarer. nachtaktiver Schmetterling, sagen wir ruhig Motte dazu, beziehungsweise seine sehr hungrigen, sich sieben mal verpuppenden Raupen. Er kommt aus Ostasien, wurde 2006 zum ersten Mal in Rheinnähe, Containerhafen?, gesichtet, hat keine Feinde hier und ernährt sich von Buchs. Der ist giftig und der Amsel wird schlecht, wenn sie die gelbgrüne Raupe frisst. Ganze Alleen mit altem Buchbaum- und Heckenbestand in württembergischen Barockgärten sollen ihm schon zum Opfer gefallen sein. Verbrennen soll man den Pflanzenabschnitt! Oder auf Sonderdeponien entsorgen, die nur Mittwochs und Freitags kurz geöffnet sind. Das schaff ich nicht, aber in Plastiksäcke und zuknoten, muss sein. Eingehen sollen sie. Zum Genozid am Zünsler bereit, bin ich auch brutal fremdenfeindlich. Gartennazi, wie das mal in einem deutschen Schlager hieß. Ist doch echr Mist.

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2 Antworten zu Pflanzen, Tiere, Sensationen

  1. Hier im „Mühlengrund“ soll Kirschlorbeer gerupft werden, las ich auf der Befehlstafel am Garteneingang. Auch so ein Asiat, der alles platt macht. Stand da. Ca.

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  2. docvogel schreibt:

    ein asiatischer Kirschlorbeerfresser? Auch nicht schön, jaja. so können wir wieder mal super Globalisierungsgegner sein

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