April

 

imageDieser April macht seinem TS Eliot alle Ehre. Es blüht wie verrückt und dazu schneits. Im Sauerland hatten sie vorgstern 10 cm geschlossene Schneedecke. Das lässt uns Frostbeulen dankbar die lange Unterhose anziehn, gebietet dem nackten Treiben in der Natur aber keinen Einhalt. Aus dem Garten unserer leicht verwahrlosten Latifundien im Süddeutschen sammelte ich Anfang April mindestens zwei grüne Mülltonnen voll vor Fruchtbarkeit strotzender Ahronsamen und entsorgte knapp eine Million seiner lebensgierigen Miniaturschösslinge auf dem Komposthaufen, die am Folgetag durch eine aus der Reserve rekrutierte Invasionsarmee ersetzt schien. Danach verbrachte ich in Pankow ein meditativ gebeugtes Wochenende auf Knien, um den zierlichen Giersch mitsamt seinem bleichen Wurzelrhizom am und unterm Maschendrahtzaun zur Nachbarin ellbogentief zu entfernen. Jedes Fitzelchen der Pflanze hat alle Erbinfos und den nötigen Schub, ihrer Gattung das Überleben zu sichern.  Den unwirtlichen Samstag drauf verbrachte ich gut geschützt am Grund der mit lachsroten Blüten und Dornen gespickten Zierquittenhecke bei dem Versuch, die spargelzarten Triebspitzen des Hopfens mit Stumpf und Stil herauszureißen, dabei seinen eimergroßen Wurzelknollenknoten zu zerhacken, zu zerstückeln, seine meterlangen gummiartigen Tentakeln im Untergrund zu zerfasern, zu zerfleddern, durchzubeißen, wie Sehnen aus einem  monströsen, gesamtuntererdigen Körper zu ziehen. Dem schien das Massaker nicht das geringste auszumachen. Rekelte aich und schickte vielleicht eine Flotte Buchjecken los. Und Ahorn gibts auch hier. Cruel. Sag ich doch.

PS: The waste land, von,T.S.Eliot, 1922, beginnt so:
April is the cruellest month, breeding
Lilacs out of the dead land, mixing
Memory and desire, stirring
Dull roots with spring rain.

übersetzt von Norbert Hummelt (Suhrkamp 2008):

April ist der übelste Monat von allen, treibt / Flieder aus der roten Erde, mischt / Erinnerung mit Lust, schreckt / Spröde Wurzeln auf mit Frühlingsregen

und hier die wilde Übersetzung von Eva Hesse:

April, der ärgste Monat, heckt
Flieder mit der toten Flur, verquickt
Erinnern und Verlangen, langt
Taube Wurzeln an mit Frühlingsregen.

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3 Antworten zu April

  1. dagehtwas schreibt:

    Dein Gartenmassaker, wie du es selbst nennst ;-), hast du sehr gut in Worte gekleidet.

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  2. docvogel schreibt:

    Oh, wie nett, Danke!!! aber es muss natürlich T.S. Elliott heißen, hab seine berühmten Anfangszeilen aus dem grandiosen Langgedicht „Waste Land“ noch nachgeliefert..

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  3. pflanzwas schreibt:

    Ich kanns mir bildlich vorstellen, haha – sehr schön 😉 Du scheinst eine ganze Armee monstertentakelmäßiger Gewächse im Garten zu haben ?!! Naja, das bringt bestimmt Muckis 😉

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