ich klein, pengpengpeng

Foyer des ehemaligen Kolonialhotels

Foyer des ehemaligen Kolonialhotels

Als hätte ichs geahnt, dass heute ein besondrer Tag wird, bin ich erst mal umgezogen, Das wahrscheinlich billigste Zimmer von Thaket (Khamouna International Guesthouse) war schon ok, riesige Terrasse ganz für mich, Wasserkocher, kalte Dusche, Fenster zu Dorfjugend und Mopeds, aber mir stand der Sinn plötzlich nach was Besserem. „Francais, ich klein, pengpeng“, sagt der ältere Mann an der Rezeption des ehemaligen Kolonialhotels an der Uferpromenade. Ah, Indochine, seufze ich verlogen und komm mir vor wie in einem Roman von Marguerite Duras. Fünf Meter hohe Decken mit blinden Spiegeln, Fensterläden bis auf den, logo, marmorgefliesten Boden, Teakholzsessel, die nur zum repräsentieren taugen. Das große, spartanische Bad könnte ein wenig Moderne vertragen. Gegen Mittag fühle ich mich langsam auch der angekündigten Mopedsache gewachsen. Zum üben mach ich der paar km entfernten Stupa meine Aufwartung. Auch die ist wieder mal die zweitheiligste Anbetungsstätte des Landes gleich nach Champasack, und da war ich schließlich schon. Frau darf nicht in Hosen rein, also Rock drüber gewickelt, brav Eintritt gezahlt und nach eingehendem Studium der einheimischen Gebräuche auf Knien an den Mönch rangerobbt. Obulus in Geldacheinform in die schon reichlich volle Messigschald getan, offenbar genug für ein doppelt geflochtenes Bändchen, das Mönchlein mir sodann mit hoffentlich segensreichem Gemurmel ums Handgelenk knotet. Und weil ich grad so nett im Raushaumodus bin und es dort, wo ich hinfahren will – mit dem Moped!- Berge hat und kalt sein soll, kauf ich gleich noch eine dicke Jacke auf dem Markt und markier auch bei allen Bettlern den Spendablen. Beim Tempel neben dem Hotel sind über  500 Leute versammelt, die meisten Frauen und Mädchen, alle in Weiß gekleidet, von einer Bühne rapt ein Mönchlein in Orange mit Mikro wie ein Animateur, dankt für Spenden, leiert Gebetsverse, lacht irre. Die Menge hat sich mit Matten, Kissen, Kerzen, Messinggefäßen. Blumengestecken in Bananenblattpyramiden und Zeugs in prallen rotblaugestreiften Plastiktaschen wie zu einem Picknick oder Open-Air Sit-In versammelt. Ein Gespinst aus weißem Garn verbindet sie alle, von der Bühne in die Äste der Bäumen bis zu den geparkten Mopeds hin, einzelne Fäden führen wie Blitzableiter zu den kleinen mobilen Altären der Sitzenden. Gegen dieses monströse und sozial umfassende Netz aus Fäden ist mein Doppelreiher von der Tempelstupa läppische Bändelei. Das bisschen himmlische Nieselei, das nun einsetzt, kann niemanden vom Bleiben abhalten. Nach etwas undurchsichtigem Gewusel sind die Mattenverbände umgruppiert in Gebetssälen, unter Arkaden und Zeltplanen. Schirme, Sonnenschirme, Regenschirme, wo kommen die nun alle her? Als ich schon überlege, mir wenigsten einen weißen Pulli zu kaufen, reicht mir ein Mädchen einen Pappbecher mit heißem süßen Kakao. Und als ob das nicht alles schon längst zu viel des Guten gewesen wäre, treffe ich den alten Schweden wieder. Vor einem Jahr bin ich mal einen Tag in verschiedenen Transportmitteln von Nong Khan nach Loei mit ihm gefahren. Niels ist ein ehemaliger Seemann, jetzt, mit fast 74, geht er am Stock, hat einen Bauernhof in Schweden und reist jeden Winter gut drei Monate hier herum. Thailand, Kambodscha, Laos, Myanmar, Südchina, er kennt die Grenzregionen wie Häfen, schon wegen dem eigenen allmonatlichen „Visarun“, und er mag die Orte des kleinen Grenzverkehrs, an denen man „alles kaufen kann“, wie der alte Freibeuter mit einem weisen, zahnlückigen Lächeln sagt. Ach so, und Happy New Year.

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