Madonna

 

Berlin Friedrichstraße

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Sie wollte nicht, dass ich sie fotografiere. Auf ihrem Schild stand Operation Krebs, sie ist aus Polen und wohnt hier in Berlin bei ihrer Tochter. Vor sich auf einer Decke hatte sie bonbonbunte Plastikhaargummis, eine Taschenlampe und ein Radio, das dödelte. Ich warf zwei Euro in ihr Schälchen, weil ich  mich gerade gegenüber bei Dussmann in der Friedrichstraße bei einem Buffett österreichischer Indie-Verlage umsonst vollgefressen hatte, sie bedankte sich mit zwei Kärtchen, auf denen einmal der Papst, auf dem anderen die Schwarze Madonna von Tschenstochau abgebildet ist. Am Ostkreuz sitzt seit Monaten immer mal wieder ein alte Frau, die ich aufgrund ihrer bunten Röcke als Roma einordnen würde. Sie hockt auf einer Pappe im Dreck bei einem Gebüsch und bindet Sträusschen aus Kornblumen und wildwachsenden Blumen, kleine gelbe Disteln, die sie von den Böschungen und Randstreifen  der S-Bahntrasse geflückt haben könnte. Ich hab ihr im Mai mal ein Sträusschen abgekauft. Sie bindet immer noch Kornblumensträusschen. Die können nicht mehr aus einer auch nur entfernteren Umgebung stammen. Wo bekommt sie die her? Wer besorgt sie ihr? Ist das hier organisierte Bettelindustrie?

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2 Antworten zu Madonna

  1. Lutz Prauser schreibt:

    … und selbst wenn.
    Der Blumenstrauß, das Bild – sie wärmen Seele und Gemüt.
    Es ist ohnehin schon viel zu kalt da draußen.

    Gefällt 1 Person

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