Charity

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„Ihr, die ihr hier eintretet, lasst alle Hoffnung fahren“. Ganz so pathetisch wie Dantes Hölle, die ja schlussendlich eine Komödie ist, ist es nun auch wieder nicht. Aber schon irre, wie schnell das Krankenhaussystem einen auf die Größe eines Fliegenschisses zurechtfaltet. Krank? Sie warten schon vier Stunden? Die Ärzte hier haben wichtigeres zu tun. Feierabend, Mittagspause, Visite  – die dauert dann bei mir,  -wir haben jetzt gut 24 Stunden später, ich hab in einem frisch bezogenen Bettchen geschlafen – etwa 20 Sekunden. Wie gehts Ihren Schmerzen? fragt der Obermufti mit einem Gefolge aus einem Dutzend Studenten.  Dazu zückt er eine aufklappbare Lupe aus der Weißkitteltasche und glotzt mir auf die „Stelle“ im Gesicht. Welche Schmerzen? Ach dann ist ja gut  tschüss. Hä? Dafür gibt es ein herrliches Frühstückstablett mit jenem köstlichen Dreieck Schmelzkäse, das es nur noch in ganz speziellen Pensionen der Erinnerung gibt. Wie, Sie sind gar nicht Frau Krausnick? Vielleicht könnte man von meinen Abertausend Märkern, die ich als treuer Kassenpatient jahrzehntelang eingezahlt hab, dem renommiertesten Universitätskrankenhaus der Hauptstadt mal ein Computersystem spendieren? Müssten sie einem auch nicht mehrfach die selben Fragen stellen – trinken Sie Alkohol? – oder Blut abzapfen, wobei der Famulant (schönes Wort, hübsches Kerlchen auch!) das Venenzerstechen geradezu liebevoll zaudernd praktiziert und die blauen Flecken beim dritten erfolglosen Versuch des Nadellegens echt ganz winzig bleiben. Ja bei irgendwem muss er das ja mal üben dürfen!

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6 Antworten zu Charity

  1. Ärzte sind dazu da, die Patienten so lange zu unterhalten, bis die Krankheit wieder weg ist.
    Oder auch: als in England die Ärzte streikten, haben die Bestatter demonstriert, weil ihnen der Nachschub ausblieb.

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  2. Herzog Samuel schreibt:

    He, was machst du denn im Spital? Und was für eine Stelle im Gesicht?

    Ich wurde letzten Donnerstag – nicht aus dem Spital, aber aus der NZZ – entlassen – und bin überglücklich darüber. Sitze jetzt auf einem göttlich öden Luxus-Kreuzfahrtschiff vor Halifax und saufe literweise von deinem Tee (schwarze Packung, köstlich). Wenn wir uns das nächste Mal in Papua Neu Guinea sehen, haben ich dann hoffentlich auch mehr Zeit.

    Drück dir meinen Daumen in den Dreieckskäse – das hilft fast immer und gegen alles.

    S.

    Samuel Herzog Neue Zürcher Zeitung Feuilleton Falkenstrasse 11 CH-8021 Zürich Switzerland +41 (0)44 258 11 11 (standard) +41 (0)44 258 11 72 (direct) +41 (0)44 252 13 29 (fax) +41 (0)79 608 80 31 (mobile) s.herzog@nzz.ch

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  3. katrin eissing schreibt:

    Schönes Bild. Toller Käse und mit Apfel! … War noch keine Äpfel holen. Alle beballern einen ja gerade mit Äpfeln . Boskop ist natürlich Luxus. Versuchs heute mal. LG

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