Umsonst

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Neulich saß ich im mal wieder im Restaurant dieser schwedischen Möbelhauskette. Das meiste der furchtbar schwierig zusammenbaubaren Möbel kommt aus China, wie eigentlich alles. Mein Favorit unter den vier Berliner Filialen ist die in Lichtenberg. Die erreicht man von Mitte aus am schnellsten. Auch bezaubert die Landsberger Allee mit unstaubarer Vielspurigkeit und einer horizontalen Perspektive in die quasi sibirische Weite des Ostens. Auch das Publikum verkörpert eine Ahnung dieser, von Stasiuk unübertroffen besungenen, optimistischen Aufbruchsstimmung. Neben Marzahner Pegida-Volk frequentieren viele junge Elternpaare das Restaurant, vor allem toll aufgebrezelte Russinnen mit fein aufgemalten Augenbrauen, die ihre Babys nonchalant vor sich auf den Tischen absetzen. Ich konsumiere dort in der Regel – ja, ich bin jetzt öfters dort – weder die berühmten Köttbullar, noch die vegetarische Alternative Grönsaksbullar. Ich konsumierte gar nichts, sofern man Konsum mit Geldausgeben in Verbindung bringt. Aber ich trinke Filterkaffee. Mehrere Tassen. Vier hintereinander, um ehrlich zu sein. Denn ich bin im Besitz der Family-Card und damit gibt es den Kaffee umsonst. Neulich also wie gesagt, ich sitze an dem langen, kess geschwungenen  Tresen, nimmt ein älterer Herr mir gegenüber Platz. Mit einem jovialen „Soll ich Ihnen verraten, wie Sie Kaffee umsonst bekommen?“ beginnt er das Gespräch. Ich winke lässig mit meiner Family Card. Er ist sichtlich angetan davon, in mir eine seelenverwandte Rentnerin gefunden zu haben. Bei Höffi, fährt er nun eilfertig fort, gibt es zum Gratiskaffee noch eine Zeitung dazu. Den Kurier, er nähme den aber gerne wegen dem Kreuzworträtsel mit. „Fragen Sie mich mal, wo ich gerade her komme“. Und? Vom Friseur! Fragen Sie mich mal, was das gekostet hat. Ja, und? Nichts! Hat im Internet gestanden. Testperson für Azubis im zweiten Lehrjahr gesucht. Sieht gut aus, nicht? Wie hat er das gefunden? Wonach sucht man da? Schnäppchen für Menschen mit viel Freizeit? Umsonst.de? Er gehe nicht oft ins Internet, nur heute mal. Er ist 73 und mit dem Fahrrad hier. War im öffentlichen Dienst, bis 63, die Rente langt. „Wie, Sie gehen noch arbeiten?“ platzt es da uncharmant aus ihm heraus. Geld ist nicht alles! Damit verabschiedet er sich, will noch Bärlauch sammeln, er kennt da eine Stelle, nicht weit

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