Paradise Service

 

Die Stadt Losuia wird nir „Station“ genannt. Sie besteht aus einem Pier, an dem die Boote von den Nachbarinseln oder Buchten anlegen und eine Handvoll Laster anfährt, um Ladung zu löschen, einem Laden für alles, einer Gundschule, einer Polizeistation, zwei Krchen, einem Bolzplatz, und ein paar großen Bäumen. In ihrem Schatten findet der Markt statt. Frauen und Männer mit Kleinkindern auf dem Schoß kauern auf der Erde und bieten auf einem Lappen oder einem Fetzen Pappkarton ihre Waren feil. Süßkartoffeln, Yams, Brotfrucht, Kürbisse, Wassermelonen, eine Hand voll grünlicher Tomaten. Männer verkaufen Tabak, zu Zöpfen geflochten, in Häufchen und in Zeitingspapier zu Zigareten gerollt. Die Hauptwaren aber sind Betelnüsse und die als Wirkungsverstärker dazugehörigen Stengel mit Mastix. Sie machen die Zähne rot, solange noch welche da sind, färben  die abgefaulten Stummel und das Zahnfleisch. Fast alle hoer kauen Betel, Männer, Frauen, auch Kinder schon, denen die Miöchzähne wegfaulen. Stat aufzuputschen, scheint das Betel die Leute in eine zeitlose Apathie zu schicken. Sie sind gelassen bis zur Teilnahmslosigkeit, hinüber im dumpfen Nirgendwo.
Auch der Häuptling interessiert sich nicht besonders für unseren Besuch. Der Paramount Chief, also der alleroberste Häuptling Daniel Pulayasi sitzt auf einem Stuhl und hat seine dünnen nackten Beine untergeschlagen. Hier ist gar niemand mehr fettleibig. Für uns wird eine Bastmatte auf den Bodengeworgen, auf der wir uns zu seinen Füßen niederlassen dürfen. Dummerweise haben wir keine Gastgeschenke zu offerieren, dabei habe ich doch extra seidig glänzende Tücher für die erste oberste Chefgattin aus hundertprozentigem Polyacril in Bangkok erstanden. Aber noch am selben Abend, bevor wir noch den schlappen Hunderter (Euro!j) für den halben Tag Auto mit Fahrer abgedrückt  haben, wird unser Führer das einfordern, sonst drohe ihm schließlich ein magischer Fluch des Chefs. Um das faktisch zu untermauern, apportiert er den Lonely Planet, dort stünde das doch schon drin mit den obligatorischen Gastgeschenken.

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