kochkultur

 

Bisher gab es jeden Tag salzlos gedämpfte Knollen, Yams und Süßkartoffeln, Reis, Kürbis und Kochbananen. Dazu ein blasses Stück gekochtes Huhn für mich, das nicht jünger wurde. Kulinarischer Höhepunkt waren ein paar kaufeste Blätter Wildspinat oder ein Maiskölbchen. Ok, für die anderen gab es gedünsteten Fisch und knallorangene Riesenkrabben, für mich Allergiker leider tabu. Das die Grundnahrung der Bevölkerung, es wächst im Garten und schwimmt im Meer, es hat alles nötige und reicht zum Sattwerden. Kochkultur ist was anderes. Aber Kultur hat was mit der Idee von Verbesserung, Verfeinerung zu tun, dafür fehlt in diesem Paradies der Lethargie einfach die Energie. Wieso hochklettern, wenn die Kokosnüsse auch von selber runterfallen? Neugierde, die expansive Gier nach Neuem, ist eine europäische Eigenschaft. Zusammen mit der christlichen Überheblichkeit wird sie zum besitzergreifenden Imperialismus. Dem sind die sanften Insulaner völlig wehrlos ausgesetzt. Ebenso wie der damit einhergehenden Geld-Ökonomie, das macht sie vielleicht so absurd. Vielleicht ist der Kualring sogar dar vwrantwortlich, dass sie der Kapitalzirkulation gegenüber verwundbar sind.
Aber heute findet ein Kochwettbewerb statt. Zwei Gruppen von Frauen schnibbeln den ganzen Tag auf zwei überdachten Podesten im Garten, gekocht wird heute ausschließlich über Feuern im Freien, ein großes halbes Schwein wird von Männer auf Wellbelchplatten in der Sonne zerlegt. Fleisch ist Männersache, sagt einer. Es gibt Bohnen, Tomaten und sogar Knoblauch. „Gecko“ raspelt Kokosnüsse aus, die er zuvor geerntet hat. Er ist einer der wenigen, die das noch können, mit einem Tuch zwischen den Füßen die bestimmt 30 m hohen Palmen hochklettern. Am Abend bei der leicht vorgezogenen Weihnachtsparty wird Gecko sich in lilanem Muskelshirt und.langer Hose auch als super aussehender und irre geschmeidiger Tänzer outen, der von der ganz in Rot herausgeputzten Alice mit Hinternwackeln vergeblich umgarnt wird. Sie scheint die einzige Frau zu sein, die moderne Emanzipation (sie lebte auf dem Festland und kennt die West, sie war ja Stewardess) mit den Resten des traditionellen weiblichen Selbstbewusstseins zusammenbringt. Sie trinkt Bier und lässt.sich nicht widerspruchslos vom Angeber herumbossen. Es gibt ein Buffet mit über 50 liebevoll angerichteten Tellern und Schüsseln. Yams in Kokos, Tapiolka in Kokos, über dem Feuer geröstetes Taro in Kokos, frittierte Bananen, mit Kokos gefüllte Bananen, gebratener Reis mit Soja, gebratener Reis ohne Soja, Reis mit Kokos, Wildspinat mit Fisch. Ein Gericht sticht geschmacklich heraus: Es sind Bohnen – mit Corned Beef. Die Platten sind mit knallbunten Blumen dekoriert. Die nach ihrem „Entdecker“ benannte insel Bougainevilla ist ein paar Tagesreisen durch den Pazifik entfernt, der Franzose fand nicht weniger als das Paradies vor. Die duftenden Frangipani gehört zum traditionellem Schmuck, um sich für das Milamala, das Kula-Fest vorzubereiten (sie steht für das Sinnesorgan der Nase). Die Bwetia oder Frangipani ist eine der fünf Monikini, die Jutta Malnic in ihrem Buch erläutert. Jutta, eine inzwischen 91 jährige Deutsch–Australierin nahm als wohl einzige Frau an einer Kula-Mission teil. Das war Anfang der 1990er, die Kreuzfahrtschiffsfotografin wurde eingeladen anstelle von Ulli Beier, dem deutschen Anthropologen, der in Bayreuth das Afrika-Institut gegründet und zuvor lange in Nigeria geforscht hat, wo seiner Frau Susanne Wenger zur Schamanin wurde und einen Schrein baute. Eine Art Ringtausch, eine stete Weiterreichung der Vertrauensbeziehungen, scheint auch hier zu funktionieren…

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