Furzfrühstück

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Machen die das absichtlich? Bevor ich zur Sonntagsmesse in Onesimus Dorf aufbreche, gibt es Furzfrühstück: zwei harte Eier und dicke Bohen in Tomatenschleim aus der Dose. Als ich gegen neun in Tokwaukwa ankomme, wartet das nächste Frühstück, Schüsseln voller Yams- und sonstiger Knollensorten,bissfester Wiödspinat und geräucherte Fischköpfe, Weißbrotstullen mit Spam, dh. Corned Beef. Dazu Tee, der aus einer Spur Nescafe mit Weißpulver besteht.  Onisemus nimmt das dicke neue Notizbuch freudig von mir entgegen und fragt, ob ich den Kugelschreiber nicht auch übrig hätte. Hab ich. Er war 35 Jahre der Dorflehrer, ist um die Sechzig, seine schlau guckenden vier Kinder von sechs an aufwärts, die Gattin ist gerade für zwei Wochen bei Verwandten. Stunden später beginnt die Kirche. Männer links, Frauen rechts. Kinder werden der Größe nach in Reihen platziert. Vorne spielt ein Chor mit Gitarren auf, eine Gruppe Mädchen schwingt die Tambourins. Man singt sich in Stimmung, bis der Spirit of the Lord aus den Seelen klingt. Dann tritt der fette Priester Ignatius, eingereist aus Alotau vom Festland, in Begleitung von zwei auch recht stämmigen Frauen und einem Assistenten auf, alle in weißen Kutten mit grünen Schärpen. Auch die alten Hutzelweibchen tragen bestickte weiße Kittelkleider mit Puffärmeln. Manche haben ein Gesangbuch und eine stockfleckige Bibel dabei. Wahrscheinlich die einzigen Bücher weit und breit. Der Pfaffe brüllt etwas von der tresenartigen Kanzel und fordert zum gottgefälligen Leben auf. Zu meinem Schrecken dankt er den Deutschen umd speziell mir und ich muss von meinem Plastikstuhl auf dem Alte-Männer-Podest huldvoll zurück danken. Weitere inbrünstige Lieder werden gesungen, dann dirigiert Onesimus mich zum Ausgang, wo ich mich nach den Pfaffen und drei Dorfhonorationen aufstellen  muss und allen Kirchgängern die Hand schütteln muss. Wenn das Dorf etwa 1250 Einwohner hat, wie der Pfaffe bei seiner Predigt sagte – danach richtet sich die finanzielle Förderung durch die Regierung – dann habe ich gut und gerne 600 Hände gedrückt, und sowohl Männer, Frauen wie die boshaft grinsenden Kinder drücken sehr fest zu. Meine Plastikflasche wird mit frischem Regenwasser gefüllt, das ich gierig trinke. Danach gongt es erneut und die Frauen tafeln auf einem langen überdachten Holzgestell das Sonntagsmahl auf. Spinat, Fische, Yams, Taro, Süßkartoffeln usw.. Ich nehme ein Stück Brotfrucht, das sämig weiche, hellgelbe Fleisch ist faserig, die daumengroßen Kerne schmeckten nussig. Die Musiker singen weiter ihre wehmütig wiegenden Lieder, ich mache Video. Ich nehme ihre Bilder, ich nehme ihr Essen, ja und was gebe ich? 50 Kina, hoffe sie sind bei Onesimus in den richtigen Händen. Dann wird mir bedeutet, dass es Zeit zu gehen ist. Ein Trampelpfad führt kilometerweit durch die Yamsfelder des Dorfes. Also  davon gibt es genug. Am Ende geht der Weg an Magrovensümpfen entlang. Vögel schreien, wilde Tiere gibt es hier nicht, außer Pythons. aber das weiß ich da zum Glück noch nicht. Vier junge Frauen kommen mir giggelnd entgegen, sie wollen im Dorf Betel kaufen, ist ja schließlich Sonntag, sie meinen, ich sollte besser mit ihnen zurück gehen. Bei der Lodge lasse ich mich wie die Kinder angezogen ins Meer fallen. Das Wasset trägt und hat mindestens  35 Grad.image

 

 

 

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