Allein ist hier niemand

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Also zurück in die Wildnis. So sieht das Empfangskommitee am Flughafen Losuia aus. Aber jetzt, letzte Woche irgendwann also, fliegt wrst mal Agent Maille ab. Drei, mit Glück vier Mal die Woche landet hier ein Flugzeug, Computer gibt es keine, die Bordkarte ist ein handgeschriebener Zettel. Pappkartons und mit Folie fest eingewickelte Pakete werden aus dem Bauch der plumpen Dash-8 Maschine entladen und in einem Handkarren vor das hölzerene Flughafengebäude in der Größe einer Dorfkapelle.gebracht. Eine Stimme fordert die Leute per Megaphon auf, ihr Gepäck nicht selbst abzuladen. Die Security ist ein netter junger Mann mit Basballmütze auf einem Plastikstuhl am Maschendrahtzaun. Do you have Explosives? Nein. Dann ist gut. Ein Dutzend junger Männer in grünen T-Shirts und nagelneuen weißen Sportschuhen steigt aus, ein lokales Fußballteam, sie haben verloren, sagt einer entschuldigend lächelnd.

Jetzt bin ich „allein“. Besser gesagt, der einzige Dimdim zum verspotten, nachäffen, angaffen, angrabschen  hinterherzulaufen, anzubetteln, abzuzocken, oder einfach bloß anzustarren. Die einzige Touristin auf den Inseln. In der Lodge gibt es noch zwei Gäste, sie sind Polizisten und müssen „einen Fall“ hier regeln. Um die Nervensäge von der Lodge, den  hilfsbereiten Guide, abzischütteln, laufe ich einfach los. Die Schotterstraße verläuft parallel zum Ozeanufer durch die tropische Vegetation. Mangrovenbäume verschatten dunkle Pfuhle, als ich mich nähere, schreck ich zwei nackte Männer beim waschen oder plantschen auf. Ein kleiner Mann schließt zu mir auf, er ist auf dem Heimweg zum übernächsten Dorf. Wir kommen an einer katholischen Mission vorbei, einer unbelebten Volksschule und einem unbenutzt wirkenden Frauenhaus. Die schäbige Baracke mit verrammelten Fensterläden sei dafür, dass die Frauen zusammen kochen und Bastmatten und Körbe für den Touristenmarkt flechten könnten. Offenkundig eine dieser idiotischen Geschenke einer wohlmeinenden Hilfsorganisation, die ihre Werte hier implementieren will. Niemand braucht eine Frauenhütte hier. Onesimus, mein Weggefährte, zeigt mir sein Dorf. Es ist groß, so dicht besiedelt, dass zwischen den Hütten aus Bastmattennden auf Pfählen manchmal nur ein Meter breiter Durchgang ist. Der gestampfte Erdboden ist vom Regen aufgeweicht. Schweine wühlen in den schlammigen Ecken. Im Zentrum steht das gut fünf Meter hohe Yamshaus des Chiefs. Onesimus Vater Ketobwau hat die Dekorationen geschnitzt und mit den traditionellen Mustern bemalt. Er gehörte also zu den Eingeweihten des Kula-Rings und auch sein Sohn, der Schullehrer Onesimus. Der hat beim Kula-Tausch auf einer Nachbarinsel seine Frau kennengelernt. Am nächstem Tag erzählt er allerdings was anderes. Das Grab des Kula-Malers aus blaugrauen Kacheln ist direkt neben dem Haus. Wenn ein Mann seine Zauberkräfte bei seinem Tod noch nicht ganz an den Nachfolger weiter gereichthat, schläft dieser ein paar Nächte neben dem Grab, bis das magische Erbe angekommen ist. Frische Gräber sind mit bunten Tüchern bedeckt, auf denen Bierflaschen mit Hibiskusblüten oder Plastikblumen stehen. Die riesige Kirche der Vereinigten in Onesimus Dorf Tukwaukwa hat zwei getrennte Eingänge für Männer und Frauen. Auch für die hier verstorbenen Pfaffen gibt es ein Grabmal direkt in der Wiese.

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