Körpermarkierung

Liberdad in Palmas

Liberdad in Palmas

Zur Eröffnungstermonie im Stadion fliegt die brasilianische Präsidentin ein, wir sind nicht akkreditiert, deshalb dürfen wir nicht rein. Wir sind nicht die Einzigen. Eine überschaubare Delegation von halbnackten, aber schön rot bemalten Indianern bewegt sich unter viel Kameraaufmerksamkeit ans Eingangsgatter, und ruft „Macht das Tor auf“. Sie kommen ins Fernsehen, aber natürlich nicht rein, dann ziehen sie sich unter friedlichem Ugabuga wieder zurück. Auch unser Delegationsführer setzt vergeblich all seine Goethe-Instituts-Leiter-Autorität ein, macht dabei die Bekanntschaft einer respekteinflössenden Schamanin aus der Mongolei, deren großherzige Einladung uns aber auch nicht an den Sperren vorbeiluchsen kann. Was mir sehr recht ist, denn die Vorstellung endloser Funktionärsreden und stundenlangen Aufmärschen der 26 teilnehmenden Ethnien aus aller Welt in vollem Folklore-Ornat ist ein Horror und wenn überhaupt, dann im Fernsehen viel besser zu sehen. Zumal wenn der Flachbildschirm über einer Bar hängt, die sich im Freien befindet direkt neben dem Swimmingpool genannten Plantschbecken im Innenhof unseres reizend bepalmten Künstlerhotels. Und der Ton abgedreht ist. Aber bevor wir dort elitär versacken und am Nebentisch internationale Journalisten ihre kunstvollen Fotos von gefiederten Minderheiten im Gegenlicht auf ihrem Laptop hochhalten, recherchieren wir noch eine Weile an den bewehrten Toren zum Stadion herum. Eine Gruppe einer attraktiv dekorierten Minderheit fordert mit ein paar Transparenten den Rücktritt der Präsidentin oder zumindest der oder des Landwirtschaftsministers, der oder die offenbar gerade die Indianerreservatrechte beschränken will. Oder so. Die Sprache nicht zu verstehen, ist nicht immer von Vorteil beim Verständins des Fremden, auch wenn die Anthropologin Margaret Mead das seinerzeit als erhöhte Aufmerksamkeitsqualität für die nonverbale Kommunikation gepriesen hat. Um mich optisch zu integrieren, lasse ich mir erst Mal den Arm mit indianischen Mustern bemalen.

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