Dreckspatz

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Hier saß er gerade noch. Drei waren es sogar und sie wirbelten heftig mit den Flügeln im Dreck, um sich eine Kuhle zu buddeln unter dem Gebüsch, direkt am Bordstein zur gut befahrenenen Greifswalderstraße hin. Die Spatzen überwintern hier, aber wo? Und wie? Schlafen sie? Haben sie Nester? Auf Bäumen, in Gehölzen? Oder Erdkuhlen? Glucken sie zusammen oder zieht sich jeder für sich alleine in ein schützendes Loch zurück? An der Straßenbahnhaltestelle waren es heute früh über ein Dutzend. Was wollten sie alle dort? Gab es was zu picken? Ein anderer früher Vogel war auch schon zu hören. Die Sonne schafft es auch bereits über den Dachfirst. Sofort möchte man die Augen achließen und sich das Gesicht wärmen lassen.
Gestern war ich auf einer Kunstausstellung. Einer der Stipendiaten hatte 15 transparente Plastikkanister von der Decke gehängt. Der Raum war stockdunkel, in den Kanistern war Wasser und biolumineszente Algen, die anscheinend auf Bewegungen reagierten und dann glitzernd hellblau aufleuchteten. So ähnlich muss das im Meer aussehen, nur viel großflächiger und sicher mystischer, an manchen Stränden in tiefer Nacht. Hier war es schön, weil es im blendend hellen Getriebe der Eröffnung im White Cube so dunkel war, dass man plötzlich die Geräusche der anderen Leute wahrnahm und den Papierfetzen in der Manteltasche und die eigene Hand darin spürte.

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