lass dich fahren

ha, toll, wieder ein überraschungsbild, der fotodownload verselbstständigt sich image

Alexanderplatz, halb acht Uhr Abends. Der Schaffner hält an der Ampel und öffnet noch einmal die Tür. Die Straßenbahn ist voll besetzt. Genügend freie Stehplätze. Niemand berührt sich. Alle sehen sehr schön aus. Das künstliche Licht übergießt ihre müden Gesichter mit einen metallischen Glanz. Flüssiges, kühles Gold. Wie das Streicheln einer im Zeitlosen gefangenen Abendsonne auf Bronzestatuen. Einige Passagiere haben die Augen geschlossen. Sie sind auf der Durchreise nach Hause. Im Sekundenschlaf, den manche urbanen Japaner in der Metro perfektioniert haben, dem Transfer zwischen den Unwirklichkeiten von Arbeitsplatz und Wohnzelle, zwischen Dasein und Nein, da bin ich nicht, zwischen Falsch und leider-Wahr. Oder sie schauen einfach ins Leere, Sehnerven wehen im Schwarz hinter ihren Spiegelbildern. Die sichere Distanz. Keiner fragt etwas. Niemand hat Angst. Niemand verliert sein Gesicht. Niemand klaut es. Niemand will es. Der öffentliche Raum hier fordert keine Wachsamkeit, keine Haltung. Er ist eine Zone des Selbstvergessens, zumindest im Feierabendverkehr an einem gewöhnlich trüben Wochentag im Januar.

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