Pure white

im nächsten leben will ich ein fels im mekong sein

im nächsten leben will ich ein fels im mekong sein

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Ist doch ganz einfach: Ich denke, also bin ich. Bloß wohin eiern die Gedanken? Und was heißt eigentlich zur Besinnung kommen? Da bin ich in mich hineingegangen, da war auch nichts los, oder so ähnlich hat das Wolfgang Neuss mal gesagt. Ein bisschen Hängemattenyoga macht halt noch keinen Philosophen aus unsereinem. Deshalb zurück zum Materialismus. Auf allen Märkten Kambodschas hab ich mich zum Deppen gemacht, wenigstens 100 mal ratloses Kopfschütteln geerntet – welche Anmaßung, ein Nein zu provozieren – weil ich nach sowas undenkbarem wie Kokosöl gefragt habe. Da westliche Körperschmiere schweinisch überteuert ist und zudem fieses Bleichmittel enthält, selbst Nivea hat eine „Pure white“ Linie, greif ich jetzt auf Sojaöl zurück, in das ich eine Limone quetsche. Tut’s! Ein Horst aus Bayern am Nachbartisch beim Eiskaffeepodest nuckelt selig an einem Strohalm aus seiner fußballgroßen Kokosnuss. Soo guat und gsund, alles drin, Magnesium, you name it, fast so gut wie Muttermilch, igitt. (Zum Wunder der komplett verwertbaren Kokosnusspalme siehe Christian Krachts Südsee-Arierrroman). 1986 beschloss die Revolutionäre Volkspartei Laos, die seit 1975, nicht ganz zufällig dem Ende des Vietnamkriegs im DDR-ähnlichen Einparteiensystem herrscht, die „Neue ökonomische Mechanik“. Damit wurde der Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft eingeleitet. Dieser herrlich anarchische Zustand des Aufbruchs in den Liberalismus mit unzähligen individuellem Initiativen dauert bis heute an. Meine Trinkwasserverkäuferin hat es gestern mal mit brackigem Wasser und selbst gebratenen Bananen versucht. Auf einer halbierten Tonne, dem landestypischen Grill, garten etwa 30 Bananen auf Bambusstöckchen gespießt. Am nächstemTag war ihr das Wasser ausgegangen. Kapitalistischer Übermut?  Zigaretten, Bier und Reis produziet Laos für den Eigenbedarf – wieso soll man auch mehr anbauen, wieso Einen Birnbaum pflanzen, wenn einem die Bananen quasi  in den Mund wachsen? – Kaffee und Strom sogar für den Export. Der Hängemattenmodus läuft bei mir gegen Mittag aus. Wenn Sonne am höchsten steht und alle sich in die Siesta flüchten, laufe ich los. Nach zwei Stunden Schlendern über die Nachbarinsel komm ich beim kleinen Wasserfall an. Der ist immer noch riesig, es gibt einen Sandstrand, an dem man aber wegen der reißenden Strömung besser nicht schwimmen soll. Aber ein Bad am Rand muss jetzt schon mal sein, vergiss Billharziode (das ist, wo einem die Würmer aus den Augen kriechen). Im nächsten Leben will ich ein Fels im Mekong sein. Obwohl, steinalt kann ganz schön lang werden. In einer offenen Behausung am Wegesrand sitzt eine Frau an einem archaischen Webstuhl aus Holz und webt mit Schiffchen ein Tuch, das die Frauen ( und Männer) als Wiclelrock tragen.Das Spinnrad ist auch museumsreif. Das grobe Baumwollgarn ist Tuareg-Blau, Indigo mit naturweissen Mustern drin. Unwiderstehlich, und zum Zudecken eignet es sich auch. Jetzt hab ich schon drei Tücher zusätzlich im Gepäck…

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