Lob der Langsamkeit

Schule aus

Schule aus

Der Dorfbibliothekar

Der Dorfbibliothekar

Eine Runde shoppen. Bananen, Bodyöl, Peperoni, zum aufpeppen der Linsencurrysuppe und Vermeidung der Fertigsauce, die hier alle schick und modern finden. Bücher werden hier getauscht, je interessanter die Gäste, desto besser die Bibliotheken der Gasthäuser. Ich bin lektüremäßig noch in Kambodscha. Nicht nur für Schulen, für die offiziell freie medizinische Versorgung oder für Gerichte muss man Bestechungen zahlen. Werr kein Geld hat, ist faktisch rechtlos. Wie die 70000, die allein 2007 von ihrem Land vertriebenen Bauern, weil Staatsbedienstete es zur illegalen. Abholzung verscherbelt haben, oder die etwa 4000 Familien,  die in Phnom Penh an den Ufern eines zentrale Sees in ärmlichsten Floß- und Stelzenhütten hausten. Der See ging an einen chinesichen „Entwickler“, der zur gesteigerten Landnahme den See einfach mit Sand zuschütten ließ. Und Sand, man glaubt es nicht, auch das eine weltweit knapper werdende Ressource, der wurde so großzügig nach Singapur verkauft, bis überall Flussufer absackten. Wie furchtbar wird das geduldige, einfache Volk der Kambodschaner seit Jahrhunderten geplagt. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass PTSD, Posttraumatische Stressdisorder, bei Kambodschanern über mehrer Generationen vererbt wird. Zusammen mit der kulturellen Eigenschaft, sein Gesicht nicht verlieren zu dürfen, was bei Meinungsverschiedenheiten keine Kompromisse erlaubt, ergibt das eine höchst brutale mentale Disposition. Umbringen des Gegners, der Frau, die einen des Betrugs überführt, des Nachbarn, der einen der Lüge bezichtigt, ist keine seltene „Lösung“. Batteriesäureanschläge im Familienkreis nehmen zu. Ich brauche Lesepause. Auf der idyllischen Mekonginsel gibts haufenweise junge Finnen, manche neun Monate auf Weltreise, alle sagen „small country“, als ob das ihre überdurchschnittliche Reisefreudigkeit erklären könnte. Dafür dass Weihnachtsferien sind, ist der von den Einheimischen ersehnte Touristenboom sehr überschaubar. Wie vor 30 Jahren in Kho Samui, sagt John, ein attraktiver Brite, der seit Jahren  bei Mr Bounhom Urlaub macht zusammen mit seiner natürlich jüngeren thailändischen Freundin. Fernbeziehung oder gekaufte Braut auf Zeit, sie laufen händchenhaltend herum, er spicht ein paar Brocken Thai. Sie ist vom Stamm der Aka, die im Norden, im goldenen Dreieck, über Ländergrenzen hinweg noch extrem traditionell leben, spektakulär bestickte Trachten tragen und bunte Etnhno-Beutel herstellen, sie spielt gern mit dem kleinen Buben der Herbergsfamilie. Ob ein Kind, das sie sich offenbar wünscht, ihre Einkommensquelle gefährden würde? Wer lebt alles von ihrem Arrangement mit dem Westler?

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