Wo der Peffer wächst

reis und salz

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schneiderin mit zeitgemäßem babyphon

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Fahrradfahren ist einfach geil. Die Flüchtigkeit des passierens verhindert, dass man zu nah kommt und minimiert die Gefahr des Rmutspornos. Zuerst aber  eine neue Ray Ban geholt, die alte Prada-Sonnenbrille ist verloren, den Sattel hochgestellt, und auf gehts zu einer Insel im Flußdelta. Dass die Straße sich schon kurz nach der alten französischen Brücke, deren Eisenbodenplatten armbreite Rostlöcher haben, in eine holperige Schotterpiste verwandelt, kann meine Euphorie nicht ausbremsen. Mein Hintern ist mittlerweile aus Draht wie der chinesische Esel unter mir. Mit Rückenwind, den ich aber erst auf dem Rückweg spüre, segle ich durch die horizontale Landschaft. Zuerst Häuschen in Gärten, Kinder, Plastikmüll, Kühe und Lotosteiche, dann rechts Reisfelder, links Salzfelder. Keine Touristen weit und breit. Warum auch? Bei aller Liebe zur Wüstenei sehen Salzfelder einfach nur öd aus. Der Weg ist eine staubrote Linie durch dieses eintönige Zwischenreich aus Land und Gewässer, aus Süß- und Salzwasser, aus Festem und Fliessendem. Irgendwann stehen, oder schwimmen, zu beiden Seiten des Wegs nur noch Büsche im Wasser. Keine Geräusche mehr außer Wind und Wellen. Ich fühle mich, als sei ich der letzte Mensch in diesem beweglichen Ende der bewohnbaren Welt. Nicht mal der Pinkeltrick funktioniert hier mehr. Doch halt, ein zartes Knattergeräusch! Und voila, eine sechsköpfige Familie juckelt auf einem ! Moped vorbei. Und dann hört die Straße auf und der Golf von Thailand ist da. Das Meer, eine schläfrig ans Ufer schwappende braune Flussbrühe mit Blick zu diesig fernen Inseln, von einer davon bin ich gestern früh aufgebrochen. Der Wind, der Wind, das himmische Kind fegt ungestüm über die gleissenden Salzflächen umd stemmt sich voll wütender Macht gegen meine Rückfahrt. Bei einem Tempel mit lauschigem Pavillon mit kaputten Tropenholzbänken überm Flußufer muss ich ausruhen. Gleich dahinter wird frisch geernteter, grüner Pfeffer in Säcken abgeladen. Kampot Pfeffer, der beste (und teuerste) der Welt, wie Gourmets bestätigen. Ein Mädchen füllt mir ein Plastiktütchen davon ab – und schenkt es mir. Schon wieder mein Glückstag. Weiter nach Norden, von wo der Wind herweht, sind Stromschnellen. Dahinter soll der Fluß klar und badegeeignet sein. Die Sonne bretzelt so heftig runter, dass selbst so ein perverser Sonnenanbeter wie ich längst nur noch langärmelig rumläuft. Schickt sich eh besser,  zusehends finde ich die Touristinnen mit ihen Shorts und schulterfreien Hemdchen anstößig.  Wir sind doch nicht am Strand. Aber die Straße zur Badestelle ist voller Lastwagen, ich mache kehrt, drehe ab und lande unversehens in der nächsten Mondlandschaft. Das ist die Landebahn der US- Force aus dem Vietnamkrieg. Dahinter bin ich plötzlich mitten in der Reisernte, fahr über zum Dreschen aufgehäuftes Reisstroh, werde lächelnd durch Wohnzimmer gewunken, schiebe durch Bambusdickichte, komme zum Flußufer und Ende. Das schönste am ziellosen Herumspazieren auf dem Fahrrad sind die Sackgassen. In den Markthallen genehmige ich mir einen köstlichen Papayasalat, inzwischen bin ich genug immunisiert gegen alles, was sich im Eimer mit dem Spülwasser augebrütet hat. Am Abend läuft im Kino beim chinesischen Nudelzieher Killing Fields, dacht ich, war aber am Nachmittag. Stattdessen geh ich Buch tauschen. Für den ausgelesenen Krimi von Cotterill über den 74 jährigen Pathologen Dr Siri aus Vientiane in  Laos, der dann 1978  im Foltergefängnis S21 in Phnom Penh landet, krieg ich einen „Reprint“ von Henri Mouhots Reisebericht über Siam, Cambodia, Laos und Annan, heute Vietnam, aus den Jahren 1858 bis 1860. Der Franzose Mouhot gilt für den Westen als „Entdecker“ von Angkor Wat, die Khmer kannten das natürlich immer schon. Er heiratete eine Engländerin aus der Verwandtschaft von Mungo Park, seine Expeditionen durch Asien wurden auch von London aus finanziert, er starb 44jährige in Laos am Dschungelfieber. Und dann noch der Pfeffer, so wird das nie was mit dem Gepäck loswerden.

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