Sprung in der schüssel.

high tea

high tea

Traditionen geben einem Halt. Das ist gerade in der Fremde wichtig. Feste Gewohnheiten. Bei mir ist es der Eiscafe, den ich seit drei Tagen immer im gleichen Lokal trinke. Es ist einer der „foodstalls“ am Ufer, offene Küchen unter einem Planendach und mit den weltweit gleichen Plastikstühlen. Man geht da eigentlich erst am Abend hin. Fast mehr als der Eiscafe ist es mittlerweile der Tee, frisch aufgebrüht in einer Porzellankanne mit einer kinderhandvoll Teeblättern drin, der mich dort begeistert. Und die Ruhe im Sturm der Abendvorbereitungen. Am Ufer gegenüber laufen übergroße Menschen in übergroßen Schlabbershirts, weißen Turnschuhen und seitlichen Längsstreifen an den Hosen energisch in großen Schritten entlang. Sie rudern dazu ausholend mit den Armen. So viele auf einmal, wo kommen die jetzt alle her? Es dauert, bis ich merke, dass das ein Loop ist. Der Film fängt immer wieder an der Stelle an, wo einer in die Gegenrichtung joggt. Sie laufen Runden oder Achter, das ist ein Trimmdichpark!

markthalle von battambang

markthalle von battambang

Ein Deja Vue der gruseligeren Art hatten die älteren Bewohner von Battambang vor einigen Monaten, wie ich der ersten Ausgabe des Battambang Traveler entnehme, einem Anzeigenblättchen mit redaktionellem Umfeld, das  umsonst beim Fahrradverleih mit Kunsthandwerkzeugs ausliegt. Der Regierungspalast war mit Sandsäcken barrikadiert, der Markt von allen Friseursalons, Rolexverkäufern, Paillettenststickerinnen und Lebensmittelverkäuferinnen geräumt und Horden uniformierter junger Roter Khmer streiften durch die Kolonialarchitekturgassen. Sie waren zurück! Aber nur für das Set zum Film nach dem Roman „Le Portial“ des Franzosen Francois Bizot. Der war als 25 jähriger Ethnologe nach Kambodscha gekommen, um den Buddhismus zu studieren. Er heiratete ein Kambodschanerin, sprach fließen Kambodschanisch. Während des Roten Terrors geriet er als vermeintlicher  Spion in das berüchtigte Gefängnis S21 in Phnom Penh und wurde von Comrade Duch verhört, der lange in Battambang gelebt hatte. Bizot traf seinen Peiniger – und dann Befreier- bei dessen Prozess und schrieb auch darüber ein Buch, in dem er dem für Zehntausende Morde verantwortlichen Ideologen ein „menschliches Antlitz“ verleiht. Der Franzose Bizot, heute 74-jährig, lebt inzwischen in Thailand.

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