mieses karma

bangkok katze Hier soll jetzt der Reiseblog meines Asientrips beginnen. Mit Katzenbild natürlich, klickklack. Ok. Das Gasthaus meiner Wahl hat eine Zelle für mich im fünften Stock frei. Von dort gibt es Ausblick auf einen Tempelbereich, hinter  desssen Mauern das Rauschen Bangkoks seltsam verstummt. Dazwischen ist jedoch eine Gasse mit vielen bunten Ständen, Restaurants und Bars. Hier ist der Kunde Tourist, die Khao San ist gleich um die Ecke. Das Versammlungsverbot der neuen Militärregierung hat hier offenbar keine Bedeutung, obgleich schon gegen Mitternacht Feierabend ist. Umso weiter schallt das Lachen von man ein paar Leuten, die bis zur Morgendämmerung gesellig sind. Kann auch mein Jetlag schuld sein an der Schlaflosigkeit. Die  spartanischen Zimmer haben Ventilator, es gibt frische Laken zum Zudecken und ein lesefreundliches  Neonlicht. Und blitzsaubere Gemeinschaftsduschen. Was zum Barfußlaufen verführt, was ein Fehler sein kann. Pilze mögen tropisches Klima. Mir hilft gegen zuviel der schwülen Hitze immer ein Besuch in einem tiefgekühlten Supermarkt. Für den Übergang vom Kantinenkaffee ziehen ich mir in einem der Abertausend 7/11 den morgendlichen Plastikbecher, gerne auch zwei. Und da spaziert seelenruhig ein Kakerlake aus dem Kaffeeautomaten. Mieses Karma? (Ist ein Buchtitel von David Safier, einem Bremer, Fußnoten kann ich noch nicht.) Hab ich nicht genug Trinkgeld und Almosen gegeben? Besser weg.

Der Zug zur Grenzstadt nach Cambodia fährt scheinbar nur einmal früh um halb sechs. Das schaff ich nie, also kauf ich eines dieser bequemen aber halt rein vom internationalen Rucksackpack benutzen Pauschaltickets bis nach Siam Reap. Ein Mopedfahrer holt einen früh am Sieben ab, mit mir im Minibus reisen drei junge Israelinnen, vier Russen mit Rollkoffer, ein schwarzgekleideter Spacki mit Pink Floyd T-shirt und ein Pärchen aus Polen. Sie studiert den lonely Planet, er knuddelt dauernd verknallt an ihr rum, was seiner riesigen Nase etwas anzügliches verleiht. Der Spacki raucht Selbstgedrehte. Sein Gepäck ist noch minimalistischer als meines, er kam ganz ohne und kauft alles hier. Isch billiger. Außer Schwabe ist er noch Metaller und Buddhist. An der Grenze wird der Bus samt Fahrer gewechselt, hinüber gehts zu Fuß. Davor bekommen wir die Visas von unserer Reiseagenten verkauft, isch teurer aber bequemer. Eigentlich nochmal so viel wie der ganze Fahrpreis. Als wir die schier endlosen, in der jetzt schon ziemlich brutalen Mittagshitze brutzelnden Warteschlangen passieren, ist kein scam zu ungerecht. Nur die gut drei Stunden Rumsteherei am Busterminal auf der anderen Seite macht selbst unseren shoppingerprobten Buddhisten schließlich rammdösig. Islam findet er das Letzte und beim Christentum denkt er „nur an die Inquisition“, und Kunst, also der Warhol und so, das ist doch Beschiss. Als wir nach 13 Stunden unterwegs noch zum Zwangsstop bei einem Flugzeugtauglichen Restauranthangar im stockfinsteren Nirgendwo ausgekippt werden und einer Moskitoattacke ausgesetzt sind und alles nötige dagegen samt seinem Tabak im abgeschlossenen Bus wäre, sagt er gar nichts mehr. Ich steh aber auch rum wie Falschgeld. Ein junger Holländer setzt sich im Bus neben mich, er ist Klempner und seit zwei Jahren in Kambodscha als Volontär bei NGOs. Die laufen jedes Jahr neue Rangerover, jetzt will er seine eigene NGO gründen. Er kennt das beste Gasthaus zum vernünftigen Diebstahlspreis, mein Zimmer hat Fernseher, zwei Ventilatoren, Bad und ein großes Fenster über die Stadt. Es ist im fünften Stock, das Treppenhaus ist aus Teak, es hat riesige Spiegel und  Stuckdecken: Indochine. Karma ok.

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